Justin Townes Earle

Single Mothers


CD-Review

Reviewdatum: 25.10.2014
Jahr: 2014
Stil: Americana

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Justin Townes Earle
Single Mothers, Loose Music, 2014
Justin Townes EarleVocals, Guitars
Paul NiehausGuitars, Pedal Steel
Matt PenceDrums
Mark HedmanBass
Produziert von: Justin Townes Earle Länge: 29 Min 54 Sek Medium: CD
01. Worried Bout The Weather06. Wanna Be A Stranger
02. Single Mothers07. White Gardenias
03. My Baby Drives08. Time Showns Fools
04. Today And A Lonely Night09. It's Cold In This House
05. Picture In A Drawer10. Burning Pictures

Kinder alleinerziehender Mütter haben's bekanntlich nicht immer leicht. Justin Townes Earle, Sprößling der kurzen Ehe zwischen Roots-Künstler Steve Earle und Carol Ann Hunter Earle, kann auf seinem neuen Album "Single Mothers" mehr als ein Lied davon singen.

In vielen Dingen scheint der Sohnemann dem kurvenreichen Leben seines leiblichen Vaters, der die Familie verließ als Justin 2 Jahre alt war, nachzueifern. Großes Talent als facettenreicher Singer-Songwriter, Ärger mit diversen Plattenfirmen, ausschweifender Drogenkonsum, zerfledderte Beziehungskisten.

Irgendwann kommt der Absturz und nach dem harten Aufprall geht's geläutert weiter, sofern man noch die Lust zum Leben verspürt. Und die hat Justin Townes nach seinem Entzug und seiner Hochzeit umso energischer entwickelt. O-Ton Earle: "Eines Tages habe ich gemerkt, dass es nicht gerade cool ist jung zu sterben und umso uncooler ist, zu sterben nachdem man 30 wurde."
Seinen Frust, seinen Ärger, seine unschönen Erfahrungen verarbeitet und katalysiert der 32-jährige nun völlig ungeschönt auf "Single Mothers", seinem fünften Soloalbum seit 2008.

Er schimpft offen über seinen Vater: "Absent father, never offer even a dollar, he doesn't seem to be bothered by the fact that he's forfeited his rights to his own. Absent father is long gone. Single mothers, absent fathers, broken home.”

Earle kehrt sein Innerstes nach außen und kleidet sein Lamento in relativ sparsame Arrangements, die eher dem Country-Idiom zugewandt klingen als noch vor einigen Jahren auf dem üppig instrumentierten und gospelig inspirierten "Harlem River Blues". Paul Niehaus, der Saitenschwinger von CALEXICO, überlässt seiner Pedal Steel im balladesken Teil des Albums gerne die Führungsrolle, während die wenigen Uptempo-Tracks zwischen Rockabilly-Swagger (My Baby Drives) und Keith Richards'scher Riff-Räudigkeit und WHISKEYTOWN'scher Beschwingtheit hin und her pendeln (Burning Pictures). Besagter Titelsong steht in der beseelten R & B Tradition eines Frühsiebziger Van Morrison. Intensiv, ehrlich, pur.

Während uns Justin Townes Earle also seine langsam verheilenden Narben zeigt, werden wir von Lied zu Lied sicherer, dass wohl insbesondere Kinder alleinerziehender Mütter genügend Kraft entwickeln, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen.

Frank Ipach, 22.10.2014

 

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