Fish

Never The Bride

Karlsruhe, Tollhaus, 21.03.2004

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 21.03.2004

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Redakteur(e):

Alex Schneider


Karlsruhe, Tollhaus, 21.03.2004

Was hat mir dieser Abend an Erkenntnissen gebracht? Zum einen, dass es unmöglich ist mit meiner Digitalkamera Konzertfotos zu machen und zum anderen, dass es dringend Zeit für eine stärkere Brille wird (wie ich während meinem Blindflug auf der Heimfahrt bei Nacht und Regen feststellen musste). Aber etwas Positives kann ich auch vermelden. Wenn ich mir Fish so anschaue, braucht man nicht zwingend Angst vor dem Altern zu haben. Bei diesem Mann verhält es sich wie bei einem guten Rotwein, je älter desto besser. Womöglich liegt es auch am Rotwein selbst, denn aus seiner Vorliebe für diesen machte er auch auf der Bühne keinen Hehl. Doch immer schön der Reihe nach:

Das Tollhaus in Karlsruhe ist eine beeindruckende Location, getreu dem Motto außen pfui - innen hui. Hinter einer alten, grauen Fabrikfassade verbirgt sich ein modernes und gleichzeitig gemütliches Foyer mit einer langen Theke, zahlreichen Bistrotischen, einer Garderobe und Merchandise Ständen.

Der Einlass verlief ab Punkt 19:00 Uhr, trotz großem Andrang, sehr schnell, entspannt und problemlos. Der Thekenservice agierte ebenso schnell und freundlich. (Anm. des html-Sklaven: Das fällt dem Ex-Boizer natürlich sofort auf). Es war kein Problem innerhalb kürzester Zeit ein Getränk zu absolut humanen Preisen zu bekommen. Dem Tollhaus-Team gilt hier ein dickes Lob für die tolle Organisation ohne Abzocke.

Kurz vor 20:00 Uhr wurden dann zwei große Türen zum angeschlossenen Konzertraum geöffnet. Dieser bietet links und rechts breite Stufen von denen aus man gute Sicht zur Bühne hat. Über der gesamten Breite thront eine Empore mit zahlreichen Sitzplätzen. Das Tollhaus war an diesem Abend voll (Ausverkauft), aber meiner Meinung nach nicht überfüllt. Auch hier ein Dank an die Veranstalter nicht nur auf Profit zu schielen, sondern den Einlass zu stoppen bevor es unangenehm wurde.

Schätzungen fallen mir schwer, daher ohne Gewähr, aber es dürften sich wohl so um die 500 Leute eingefunden haben. Zum Publikum ist zu sagen, dass wirklich alle Altersschichten mit den unterschiedlichsten Musikgeschmäckern vertreten waren. Dies wurde am Besten durch ein Dreiergrüppchen mit Fish-, MOLLY HATCHET- und SIX FEET UNDER-T-Shirts deutlich. (Anm. d. Red.: Welche Moorleiche ausser dem Schneider, Martin hätte den noch ein Shirt von Six Feet Under? Der örtliche Bestatter vielleicht?)

Punkt 20:00 Uhr ging es dann mit dem Support Act NEVER THE BRIDE aus England los. Ich habe von dieser Band noch nie zuvor etwas gehört und kann entsprechend wenig darüber sagen. Hier wurde in klassischer Besetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards und Vocals) solide Rockmusik geboten. Knackige, einfache aber gut rockende Gitarrenriffs wechselten sich mit gefühlvollen Passagen ab.
Es ist schwierig die Mucke zu beschreiben und einem Stil zuzuordnen, da die Songs sehr eigenständig waren, aber ich meine, Einflüsse von Bands wie THE ALARM und BIG COUNTRY herausgehört zu haben.

Während den 45 Minuten Spielzeit wurden 8 Songs zum Besten gegeben. Der Auftritt war sehr abwechslungsreich, kurzweilig und wirklich gelungen. Man muss aber ehrlich sagen, dass dies hauptsächlich der Verdienst von Frontfrau Nikki Lamborn war, die nicht nur eine sensationelle Stimme hat sondern auch mit ihren weiblichen Reizen nicht geizte und vor Energie nur so sprühte. Wenn man die Gene von Melissa Etheridge, Amanda Marshall, Janis Joplin (R.I.P), Anastacia, Samantha Fox und Michaela Schaffrath vermischt, muss wohl so ein Vollweib dabei herauskommen. Die Frau hat unglaublichen Sexappeal und eine Rockröhre die ihres gleichen sucht.
(An dieser Stelle sei Herrn Schneider, Alex für die Einschätzung gedankt. Schneider, Martin hätte nur was von grunzenden Weibern gefaselt. Redaktion, weibstoll)

Sowohl optisch als auch musikalisch konnte auch die zweite Dame in der Band überzeugen, die zwischen Keyboard und der ein und anderen Gesangseinlage auch mal zur 12-saitigen Ovation Gitarre griff.

Die sympathische Ausnahme-Sängerin fragte das Publikum, während des nicht enden wollenden Applauses, warum sie mit ihrer Band eigentlich nicht schon früher nach Deutschland gekommen sei. Gute Frage!!!

Logo Fish

Nach 15 Minuten Pause war es dann soweit und Fish, der Goblin des Rock, wie sich der Herr der Ringe Fan selbst bezeichnet, enterte mit seinen Jungs die Bühne. Doch halt, vorab erst einmal eine kleine History, falls es wirklich jemanden gibt, der Fish nicht kennen sollte.

Fish, der mit bürgerlichem Namen Derek William Dick heißt, wurde 1958 im schottischen Edinburgh geboren. 1980 begann er als Sänger bei MARILLION. Bereits 1982 wurde ein Majordeal bei EMI unterzeichnet und Derek wurde Weltstar. Neben Meilensteinen in der Rockmusik wie den Alben "Script For A Jesters Tear" und "Fugazi" gelang im Jahre 1984 mit dem Radiohit Kayleigh und der dazugehörigen Scheibe "Misplaced Childhood" der endgültige Durchbruch. Von nun an füllten MARILLION in Deutschland 10.000er Hallen und spielten im Juni 1986 vor zigtausend Menschen auf dem Mannheimer Maimarktgelände mit Freddy Mercury's QUEEN.
Im Jahr darauf folgte die "Clutching At Straws"-Platte mit ausgedehnter Tournee vor großem Publikum. 1988 verließ Fish die Band (warum auch immer) und zog sich auf eine Farm in Haddington/Schottland zurück. Auf dieser lebt er noch heute und schreibt im kleinen Homestudio an seinen Songs. Im Übrigen ist der volksnahe Sänger des öfteren in Haddingtons Dorfkneipe anzutreffen, in der er sich gerne einen Drink mit den Einheimischen oder den Fans aus aller Welt gönnt und mit ihnen über Gott, Fußball und die Welt philosophiert.

Nach dem Splitt mit Marillion entwickelte sich der Plan eine Solokarriere zu starten und schon bald folgten erste Konzertauftritte, die von seinen Anhängern euphorisch gefeiert wurden. Um Fish bildete sich eine unglaublich treue Fangemeinde, die ihn sehr engagiert wo und wie es nur geht unterstützt. Der Schotte hat mittlerweile eine eigene kleine Plattenfirma gegründet (Chocolat Frogs Records - benannt nach einem Textauszug aus dem "Raingods"-Album).

Man mag sich gar nicht ausmalen wo MARILLION mit Fish im Jahre 2004 stehen könnten, doch die traurige Wahrheit ist, dass MARILLION im Mittelmaß versunken ist und auch Fish nicht die Massen anzieht. Sei's drum, lieber Klasse statt Masse und sowohl Fish als auch MARILLION sind nicht dem Kommerz verfallen und erfreuen uns regelmäßig mit absolut hörenswerten Alben.

Nun galt es also im Karlsruher Tollhaus die aktuelle CD "Scattering Crows" zu promoten. Die Musiker fingen an das Intro The Field zu spielen und Fish kam unter tosendem Applaus mit langem schwarzen Mantel, Hut und Gehstock, wie ein alter Mann, in gebückter Haltung auf die Bühne. Die Utensilien wurden in alle Richtungen weggeschmissen und zum Vorschein kam der sympathische, etwas in die Jahre gekommene Frontmann mit Bauchansatz, Glatze und grauem Dreitage-Bart. Klar, die dazu gewonnene Reife und Lebenserfahrung sieht man ihm an, doch sie steht Fish verdammt gut, denn ich kenne wirklich keinen charismatischeren Sänger mit mehr Ausstrahlung.

Los ging es mit dem Kracher The Rookie von der neuen CD. Obwohl diese erst kurz im Handel erhältlich ist wurden alle neuen Lieder kräftig mitgesungen. Die Lightshow beschränkte sich auf ein paar bunte Strahler, was sicherlich auch ein Grund dafür war, dass es mit meinen Bildern nicht geklappt hat. Ich möchte Euch bei dieser Gelegenheit die offizielle Internetseite des Deutschen Fish Fanclubs ans Herz legen, auf der es neben interessanten Informationen auch Fotos von der Show in Karlsruhe gibt.

Weiter ging es mit Moving Targets, Jungle Ride und The Perception Of Johnny Punter. Bis zu diesem Zeitpunkt, es war eine halbe Stunde vergangen, kam weder eine Ansage noch eine Begrüßung von dem Sänger, was mich sehr verwunderte. Dies änderte sich jedoch schlagartig, denn ab diesem Zeitpunkt plapperte Fish zwischen den Songs munter drauf los und kommunizierte in bester Laune mit dem Publikum. Hier ging es unter anderem um seine Liebe zum Wein. Mit einem gefüllten Glas wurde ein langer Trinkspruch dem gegorenen Traubensaft und seinem Gitarrist und Freund Frank Usher gewidmet, der übrigens einen Weltklasse-Gig spielte.

Als großer Fußballfan ließ er sich natürlich auch ausgiebig über deutsche und schottische Mannschaften aus und konnte sich auch einige Kommentare über unseren Berti Vogts, der die schottische Nationalmannschaft trainiert, nicht verkneifen. Es wurde eine sehr angenehme familiäre Atmosphäre geschaffen und es machte einfach Spaß, den Geschichten in und zwischen den Songs zu lauschen.
Fish's Ausstrahlung und angenehme Stimme zog jeden in seinen Bann. Kritisch und politisch wurde dann sein Statement zu den jüngsten Terroranschlägen in Madrid, die er natürlich auf das Äußerste verurteilte. Den Opfern und Hinterbliebenen wurde der Song Numbers gewidmet.

Fish machte es sich mit seiner Songauswahl nicht einfach, denn anstelle auf ein Best Of Programm zurückzugreifen und mit diesem auf Nummer Sicher zu gehen, wurde sehr viel von der neuen CD gespielt. Ein weiterer Titel daraus war Zoo Class, gefolgt von Just Good Friends das im Duett mit Nikki Lamborn, der Sängerin von NEVER THE BRIDE, dargeboten wurde und in einer Intensität vorgetragen wurde, dass es einem eiskalt den Rücken runterlief und der Song somit einen von vielen Höhepunkten des Abends darstellte.
Hoffentlich gibt es diese Nummer von den beiden mal auf CD, denn der Song ist schlichtweg der Oberhammer.
Egal ob Cliche, Innocent Party, Vigil, Raingods Dancing oder Wake up call - bei jedem Song wurde durch die Mimik und dem unverwechselbarem Gesang von Fish Gänsehautstimmung erzeugt.

Nach 90 Minuten war dann erst mal Schluss, doch die Jungs ließen nicht lange bitten und es folgte ein grandioses Medley aus Fellini, Lucky und Internal Exile.

Zur Band sei gesagt, dass allesamt unglaublich gute Musiker sind, die ihr Handwerk exzellent beherrschen. Jeder Einzelne spielte einen tollen Gig und die Jungs harmonierten sehr gut miteinander. So wurden auch auf Soli verzichtet, denn hier musste niemand mehr sein Können unter Beweis stellen.
Aufgefallen ist ein blutjunger Schotte namens Danny Gillan, der Fish mit seiner Akustik-Klampfe und vor allem als Backroundsänger unterstützte. Vom Meister selbst wurde dieser auch als sein Lieblings-Hobbit vorgestellt und tatsächlich sah er einem solchen auch ähnlich.

Aus MARILLION-Zeiten wurde nun Market Square Heroes in einer Version gespielt, die nicht mehr zu toppen geht. Die Stimmung kochte und die Band wurde ohne Ende abgefeiert. Ich dachte o.k, das war's dann, denn eine Steigerung wäre jetzt eh nicht mehr möglich gewesen. Doch ich wurde eines besseren belehrt.
Die Band kam nochmals auf die Bühne und war sichtlich berührt von dem was sich hier abspielte. Die Halle tobte, doch als nun The Company angestimmt wurde, verwandelte sich das Tollhaus wirklich in ein solches. Ich habe so eine Stimmung und Atmosphäre bisher noch nicht erlebt.

Nun war aber endgültig Schluss und der Frontmann verabschiedete sich noch mit einem leisen: "They call me the Fish, thank you - goodnight!!!" Es fiel ihm und den Musikern sichtbar schwer sich von dem Publikum zu trennen, das noch lange applaudierte.

Fazit: Dieser Auftritt war nicht nur das beste Konzert bei dem ich je war. Nein, dieser Abend war viel mehr als ein Konzert. Fish verzauberte das Publikum mit seinen erzählerischen und gesanglichen Fähigkeiten, unterstützt von erstklassigen Musikern. Ich kenne keinen Sänger mit mehr Ausstrahlung und Charisma. Jede Geste, jede Mimik fasziniert und die Darbietung ging einem wirklich unter die Haut.

Fish bedeutet einen Ausbruch aus der Realität und das wiederum bedeutet einem fantastischen Musiker, einer unglaublichen Persönlichkeit, einem Geschichtenerzähler zu lauschen und sich von diesem in einen magischen Bann ziehen zu lassen.
In dieser bestechenden Form dürfte Fish bald wieder größere Hallen füllen.

Besonderer Dank an Artur (Silberpfeil PR- und Mediaservice), Mario (The Company Deutschland) und Yatta (Fish-Tour-Management) für die Unterstützung.

Alex Schneider, 29.03.2004

 

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