Christoph Schellhorn

Jaimi Faulkner

Kassel, Kuz Schlachthof, 16.11.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 19.11.2010
Stil: Singer-/Songwriter

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Redakteur(e):

Lüder Kriete


Christoph Schellhorn, Jaimi Faulkner,
Kassel, Kuz Schlachthof, 16.11.2010

Da sage noch einer Singer/Songwriter-Musik wäre langweilig. Was diese beiden Musiker, Christoph Schellhorn und Jaimi Faulkner an diesem Abend auf der Bühne des Kuz Schlachthof, Kassel, den Besuchern boten war ganz einfach atemberaubend! Alles 100% handmade, alles akustisch, alles echt. Der Österreicher Schellhorn und der Austarlier Faulkner sind zwei absolute Meister ihres Fachs und unbedingt empfehlenwert.

In der nunmehr vierten Veranstaltung dieser Reihe im Kuz Schlachthof trafen sich zwei Jungs, die sich vorher nur via Internet kannten. So war dann auch die Überraschung und Freude groß, als sie heraus fanden, dass beide am gleichen Tag Geburtstag haben! Und damit ist schon eine Besonderheit der beiden angesprochen: die Gemeinsamkeiten Beider in der Auffassung des Spielens und die Unterschiedlichkeit in der Art dies auszudrücken bereiteten Staunen. Selten habe ich ein Konzert erlebt, was die unterschiedliche kulturelle Herkunft und Herangehensweise an Musik so deutlich präsentiert hat und dennoch einen solch gewaltigen gemeinsamen Nenner hatte!

Bot Christoph ein Wiener Schnitzel der Extraklasse, entwickelt aus der Sicherheit bewährter Traditionen und der Kreativität eines welterfahrenen 5-Sterne-Chefs, zauberte Jaimi ein multi-kulti Designer-Food voll gesunder Vitamine und innovativer Geschmacksverstärker.

Christoph Schellhorn eröffnete den Abend mit ZZ Tops Jesus Just Left Chicago. Sofort fegte er mit einer enormen Fingerfertigkeit über die Saiten. Seine Technik, die zu einem großen Teil von dem leider schon verstorbenen Chris Jones beeinflusst ist, weist alle Spielarten auf, die die akustische Gitarre birgt. Als ganz besonderes Schmankerl und Verbeugung vor dem Meister spielt Christoph diesen ganz einmaligen "Chris-Jones-Slide-Glide", bei dem der Ton unter Einbeziehung des Flageoletts über das Griffbrett gezogen wird - einfach wunderbar!

Zu seinem unnanchahmlichen Fingerpicking gesellt sich eine verschmitzte Portion Entertainer, sodass zwischen den Songs immer lustige kleine Brücken entstehen, über die das Publikum ihm nur zu gerne folgt. So ist das Titelstück seines im Frühjahr '11 erscheinenden Albums "Box Of Chocolates" einem Forest Gumpp Gespräch entleht. Christoph Schellhorn hat neben seinen eigenen Kompositionen (Box Of Chocolate, Tightrope Dance, Trace Of Happiness) ebenso Titel anderer Musiker im Programm, die er auf seine Art überaus gelungen interpretiert. So hat er z.B. ein Banjo-Stück von Darryl Adams auf die Gitarre übertragen und ihm einen fulminaten Schluss in Form eines Beatles Madley angehängt. Der Applau des Publikums hat klargemacht, dass diese Variante voll überzeugt. Als krönenden Abschluss gabs das nicht ganz unbekannte Kufstein-Lied, allerdings mit viel frischer Bergluft. Das Publikum war begeistert, Zugabe selbstverständlich.

Den zweiten Teil des Abends gestaltete dann Jaimi Faulkner aus Australien, der derzeit seinen Heimathafen nach Berlin verlegt hat. Einem großen Teil des Publikums bis dahin noch unbekannt, war er hinterher um eine stolze Zahl neuer, begeisterter Fans reicher. Jaimi ist ebenso ein wahrer Meister des Fingerpicking. Er bespielt seine akustische Gitarre in einer sehr kraftvollen, rockigen Weise. Seine Meisterschaft liegt ganz klar in der Klasse, mit der er Dynamik und Tempo in einem Song variieren kann! Durch die verschiendensten Anschlagsmethoden, mit Plektrum, Daumen, hart, weich etc. schafft er riesige Spannungsbögen, die einfach nur begeistern. Dazu lässt er Melodie-Zitate verschiedenster Stile gleichsam wie SMS-Botschaften in seinen Liedern auftauchen. My Dear Girl von seiner aktuellen CD "Kiss & Ride" war dafür ein tolles Beispiel. Und immer wieder zog es ihn fort vom Mikro, um unverstärkt zu singen. Dabei gab ihm das Publikum auch bereitwillige Unterstützung. Der Set verging wie im Flug und absolut klar, dass das restlos überzeugte Publikum auch ihn nicht ohne Zugabe gehen lies.

Dem Kuz Schlachthof-Team sein an dieser Stelle Dank ausgesprochen, für ihre freundliche Unterstützung. Ganz besonders aber muss ein Lob ausgesprochen werden an Robert Sell, den Sound-Techniker des Hauses. Wie dieser mit seiner Fertigkeit an den Reglern die Kunst der beiden zur vollen Geltung gebracht hat ist einfach genial. Vielleicht sollte da mancher Klub hierzulande mal darüber nachdenken seinen Techniker zur Weiterbildung nach Kassel zu schicken.

Lüder Kriete, 16.11.2010

 

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