Keane

Hopes And Fears


CD-Review

Reviewdatum: 18.05.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Keane
Hopes And Fears, Island Records, 2004
Tom Chaplin Vocals
Tim Rice-Oxley Piano
Richard Hughes Drums
Produziert von: Keane Länge: 45 Min 10 Sek Medium: CD
1. Somewhere Only We Know7. Can't Stop Now
2. Bend & Break8. Sunshine
3. We Might As Well Be Strangers9. This Is The Last Time
4. Everybody's Changing10. On A Day Like Today
5. Your Eyes Open11. Untitled 1
6. She Has No Time12. Bedshaped

Junge, da sind die Engländer aber in ihrem Element. Die Presse überschlägt sich mal wieder, ob dieser jungen, frischen Combo aus Sussex. Sämtliche Referenzen werden bemüht. All die tollen Bands der letzten Jahre als Messlatte herangezogen, sei es nun COLDPLAY, TRAVIS, STARSAILOR und sogar die frühen RADIOHEAD.

Vom dreieinhalb minütigen Pop-Paradies wird da schwadroniert, von der unnachahmlichen Stimme des pausbäckigen Sängers mit der samtenen hohen Tenorstimme, Tom Chaplin (der in meinen Augen als jüngerer Bruder von Ron Sexsmith durchgeht), von unwiderstehlichen Pop-Hymnen, die eine ergreifende Emotionalität vermitteln. Hey, was soll ich sagen, es stimmt alles!

Zumindest das Hymnische, das Pathetische, das Epische wirkt hier sowas von vordergründig, dass man entweder direkt dem Zauber dieser Musik völlig verfällt oder sich aber gelangweilt abwendet und KEANE als schmusige Weicheier tituliert. Dazwischen gibt es nichts. Ganz oder gar nicht.

Mindestens sechs, wenn nicht gar sieben der vorliegenden elf Songs sind so extrem eingängig, dass man aufgrund dieser absolut hohen Trefferquote nur von einem sehr, sehr gelungenen Debüt sprechen darf.

Ihre Reputation im Vereinigtem Königreich haben sich KEANE durch nur zwei Singles erspielt, Everybody's changing und This is the last time. Diverse Radiostationen halfen den Ehrgeizlingen mit schierem Powerplay. Die einschlägige Musikpresse stand Kopf und die Major-Companies hechelten bittstellerisch in Richtung "Next big thing". Island Records erhielt den Zuschlag. Glückwunsch! Die Bengels werden wohl Millionenseller.

KEANE's Songs sind aber auch unwiderstehlich. Aber das sagte ich bereits. Die Tatsache, dass sie ohne Gitarren auskommen, fällt prinzipiell nicht ins Gewicht, denn die Produktion kommt auch so schon gewaltig und fett daher. Da wird allenthalben von dieser kleinen Drei-Mann-Combo geredet, deren Songs nur auf Klavier, Schlagzeug und Stimme basieren. Dass aber grosse Hallräume auf den Instrumenten und Stimmen liegen, ständig ein flauschiger Synthie-Teppich streicherverwandte Flächen generiert, darf man nicht außer Acht lassen.

Von wegen nur Klavier und Stimme. Hier flimmert das grosse Gefühlskino in cinemascopischer Breite durch die Köpfe und Herzen der Zuhörer. Und wenn jemals ein Gitarrist von Nöten sein wird, sollten sich KEANE für Brian May entscheiden. Der würde mit seiner majestätischen Vergangenheit nur zu gut zu ihnen passen. Denn das Piano und Tom Chaplins Timbre erinnern gerade in den balladesken Momenten zeitweilig an QUEEN und die theatralischen Posen eines Freddie Mercury.

Sonst noch Vergleiche? Aber ja! KEANE klingen bisweilen wie MANIC STREET PREACHERS minus Gitarren oder wie die skandinavischen A-HA zu ihren Glanzzeiten.

Was aber zählt, ist die enorme Ballung von Wohlklang, von zauberhaften Melodien, von bittersüßer Melancholie, von glänzenden Augen, von zärtlichem Lächeln, von tränenerstickter Wiedersehensfreude am Bahnhof der großen Gefühle. Schön, einfach nur schön.

Frank Ipach, 18.05.2004

 

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