Kiss

Kiss Symphony: Alive IV

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 08.07.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Kiss
Kiss Symphony: Alive IV, Sanctuary Records, 2003
Gene Simmons
Paul Stanley
Peter Criss
Tommy Thayer
The Melbourne Symphony Orchestra
Länge: 96 Min 05 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Deuce7. Beth
2. Strutter8. Forever
3. Let Me Go Rock And Roll9. Goin' Blind
4. Lick It Up10. Sure Know Something
5. Calling Dr. Love11. Shandi
6. Psycho Circus
CD 2:
1. Detroit Rock City6. God Of Thunder
2. King Of The Night Time World7. Love Gun
3. Do You Love Me8. I Was Made For Lovin' You
4. Great Expectations9. Black Diamond
5. Shout It Out Loud10. Rock And Roll All Nite

Mit den grauen Panthern zum Symphonieorchester: Was sich anhört wie ein Kurkonzert ist in Wirklichkeit KISS mit dem Melbourne Symphony Orchestra, und wer klassische Musik erwartet hat Pech, die rocken wie Sau.
Selbst ich als Kiss Fan der (fast) ersten Stunde (1978) dachte schon, die Herren $immons und Stanley haben es nun so dicke, und karren jetzt mal schnell eine Live mit Orchester raus, noch ein paar Mücken machen, die KISS-Särge verkaufen sich wohl nicht so gut, und gut ist (bis zur nächsten, wirklich letzten, Farewell Tour).
Weit gefehlt! Schon die seltsame Songauswahl fällt auf, z.B. Great Expectations (wurde meines Wissens nach noch nie live gespielt... ist aber prädestiniert für solch einen Event). Aber der Reihe nach...: Aufgeteilt ist der ganze Spaß in 3 Akte. Act 1 ist gleichbedeutend mit KISS live ohne Unterstützung des Orchesters. Und ab geht die Post. Deuce, Strutter (vom Debütalbum), Let Me Go Rock'n Roll (vom 2. Album "Hotter Than Hell") gehen ab wie Zäpfchen. Und die Songs sind bald 30 Jahre alt! Ich habe diese Songs noch nie so spielfreudig, schnell und tight gehört wie hier (und ich habe sicher 100 Bootlegs angehört, ohne die zig Liveshows die ich gesehen habe). Eventuell ist es der Verdienst von Tommy Thayer (früher BLACK N' BLUE), dem neuen Gitarristen in Ace Frehley-Makeup, der Junge weiß was mit der Gitarre anzufangen. Teilweise warte ich fast schon auf die Verspieler von Ace und sie kommen nicht... (auf Ace war halt Verlass... ;-)).
Dann geht's kurz ab in die "Unmasked" Ära mit Lick It Up, gefolgt vom unvermeidlichen Calling Dr. Love (vom "Rock'n Roll Over" Album). Danach einen kurzen Abstecher in die Gegenwart, mit dem einzigen Song des gleichnamigem Reunion-Albums, Psycho Circus in einer genialen Version (wären KISS damals in Köln so gut draufgewesen, hätte ich sicher mehr Freude an der Show gehabt, na ja dafür waren BUCKCHERRY ein genialer Support). Dieser Song beschließt auch das normale Live Set und läutet Act 2 ein: das Acoustic Set, mit nur einem Teil des Orchesters.

Beth, von Peter Criss gesungen (der rechtzeitig zu diesem Event wieder verpflichtet wurde, dafür lief mir ein wohl gelaunter Eric Singer - mit Ferrari Poster untem Arm - beim ALICE-COOPER-Gig in Essen in die Arme, um für den zu trommeln), bekommt mit echtem Orchester völlig neues Leben. Danach wieder zurück zum zweiten Album, Goin' Blind (zugegeben einer meiner Lieblingssongs) kommt hervorragend mit dem kleinen Orchester.
Danach die Überraschungen: Sure Know Something vom belächelten Disco-Album "Dynasty" und Shandi vom Nachfolger und finanziellem Flop "Unmasked".
Die Songs funktionieren als Akustiknummern ganz hervorragend, könnten in dieser Form sicher auch im normalen Set bestehen. Und nun ist auch Schluss mit lustig. Act 3 kommt, oder besser: Das volle Melbourne Symphony Orchestra kommt...

Die E-Gitarren wieder ausgepackt geht's (wie bei jedem guten KISS-Gig) los mit Detroit Rock City und die Jungs rocken tierisch ab. Nix langsam symphonisch, KISS geben den Ton an, das Orchester füllt die Lücken. Und jetzt kann man auch Tommy Thayers Qualitäten komplett erahnen, der Mann ist um Klassen besser als Ace. Wie in alten Zeiten geht's dann weiter zum King Of The Nighttime World, gefolgt von der Frage Do You Love Me. Niemals ist das Orchester dominierend, KISS rocken ab, geben den Takt vor und das Symphony Orchester schließt die Sound-Lücken. Genial!
Shout It Out Loud darf natürlich nicht fehlen, ebenso wie der Begründer des Doom-Metals (Nanana, wollen wir mal nicht übertreiben - Gruß von der bloddy sabbath Redaktion): God Of Tunder, extrem heavy und vom Orchester bestens untermalt.
Danach muss Paulchen natürlich seine Love Gun rausholen, und auch die geht nen Tick schneller besser weiter... Die Spielfreude an diesem Abend kannte wohl keine Grenzen.
Next one: Black Diamond. Von Peter Criss gesungen (natürlich). Kommt gewaltig. Wahnsinn!
Nun kommt der Australian Childrens Choir auf die Bühne um Gene bei Great Expectations (vom "Destroyer" Album) zu unterstützen. Einfach genial (Jaja, der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist schmal...; die einsteinsche Redaktion).
Zur Zugabe geht's ab nach 1979... I Was Made For Loving You... und das Dingen geht mir immer noch ins Bein... gruselig aber wahr. Allerdings ist auch diese Version um einige Soundraffinessen reicher als auf der normalen LP.
Der Abschluss, auch wie immer, die Partyhymne schlechthin: Rock'n Roll All Night.

Fazit: KISS haben sich mit diesem Doppelalbum selbst übertroffen. Persönlich hätte ich nicht mehr so einen Knaller von den Herrschaften erwartet. Das "Rock Meets Classic" Genre wurde innovativ neu erfunden, den jahrzehntealten Songs neues Leben eingehaucht, ohne auf die vorhandenen Klischees einzugehen.
Dass Kiss keine neuen Platten mehr machen, ist nicht wirklich schlimm. Wie Kollege Ralf F. es beim THIN LIZZY Livereview schon bemerkte: Wer will schon was Neues hören?
Die alten Lieder (bis 1977) sind genial und werden sicher noch die nächsten 30 Jahre überleben. Und wenn es nach Paul Stanley geht, wird's Kiss dann auch noch geben, nur neue Musiker in den alten Kostümen. Aber bis dahin haben wir jetzt erst mal ein rundum gelungenes Live Album zu genießen.

Jörg Litges, 08.07.2003

 

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