Kiss

Sonic Boom

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 05.10.2009
Jahr: 2009
Stil: Rock

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Redakteur(e):

Nachgehakt

Kay Markschies

Frank Ipach

Marc Langels

Thorsten Philipp

Michael Koenig


Kiss
Sonic Boom, Roadrunner Records, 2009
Paul StanleyGuitar, Lead Vocals
Gene SimmonsBass, Lead Vocals
Tommy ThayerLead Guitar, Lead Vocals
Eric SingerDrums, Lead Vocals
Produziert von: Paul Stanley Länge: 43 Min 18 Sek Medium: CD
01. Modern Day Delilah07. All For The Glory
02. Russian Roulette08. Danger Us
03. Never Enough09. I'm An Animal
04. Yes I Know (Nobody's Perfect)10. When Lightning Strikes
05. Stand11. Say Yeah
06. Hot And Cold
Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass ich in diesem Leben noch einmal dazu kommen würde, ein neues Studioalbum von KISS zu rezensieren.
Dazu sah es knapp 12 Jahre nach "Psycho Circus" viel zu sehr danach aus, als wenn Stanley und Simmons sich langsam auf die Rente vorbereiten, jedes zweite Jahr eine neue Live-DVD oder Best Of-Zusammenstellung auf den Markt schmeißen und bei einsetzender Langeweile eine Tournee dazwischen schieben würden.

Die Meldung, dass man sich nun doch noch einmal aufraffen würde, um neues Material aufzunehmen, traf anfangs bei mir doch auf ziemliche Skepsis. Bei KISS muss eine solche Ankündigung immer auch als Marketing-Maßnahme gesehen werden, zumal Stanley und Simmons traditionell auch schon seit Monaten verkünden, dass dies das beste Album seit 30 Jahren sei und ganz in der Tradition ihrer Anfänge komponiert und aufgenommen wurde.
Als langjähriger KISS-Fan mit dem kompletten Katalog im CD-Regal ist man dennoch bei jedem neuen Release gespannt wie ein Flitzbogen.
Und dies war auch jetzt bei mir nicht anders, inzwischen hatte ich allerdings den 30. Geburtstag hinter mir gelassen, geheiratet und Kinder bekommen. Mit der inneren Anspannung war ich übrigens nicht alleine, denn mein sechs Jahre alter Sohn, der inzwischen auch vom KISS-Virus infiziert ist, wartete mindestens genauso ungeduldig wie ich auf den 02.Oktober.

Als dann vor ein paar Wochen erste Schnipsel auf YouTube auftauchten, trat bei mir ein wenig Ernüchterung ein, denn dieser kurze Zusammenschnitt klang eher nach einem mittelmäßigen KISS-Album aus den 80er Jahren.
Heute hatte ich dann endlich die Möglichkeit, das Album in Gänze zu hören und muss sagen, dass meine "Vorurteile" tatsächlich solche waren und sich im fertigen Produkt ganz andere Eindrücke aufdrängen.
Ich weiß nicht, ob die Scheibe tatsächlich die beste KISS-Platte seit 30 Jahren ist, für Genes Kompositionen gilt dies auf jeden Fall. Ob Russian Roulette, Yes I Know, Hot And Cold oder I'm An Animal, der Mann scheint derzeit musikalisch seinen zweiten Frühling zu erleben.
Seit "Creatures Of The Night" habe ich Herrn Simmons nicht mehr so agil und augenscheinlich mit so viel Spaß agieren hören.

Es scheint sich auszuzahlen, dass man die Songs dieses Mal isoliert im Bandverband arrangiert und aufgenommen hat.
Obwohl der Sound sehr modern abgemischt ist, tut sich doch an sehr vielen Stellen das versprochene 70er Jahre-Feeling auf.
Zu einem Großteil ist dies Tommy Thayer zu verdanken, der ganz in der Tradition der 70er soliert und mehr als nur ein Ersatz für Ace Frehley ist.
Über Eric Singers Künste als Drummer brauche ich hier keine weiteren Abhandlungen halten, für mich war Eric der II. sowieso stets der beste KISS-Drummer gewesen. Dass beide auch Lead Vocals-Aufgaben übernehmen, scheint für mich auch ein Indiz dafür zu sein, dass es im derzeitigen Bandgefüge stimmt und man vielleicht nicht nur die Dollars vor Augen hat.

Über einzelne Songs will ich mich an dieser Stelle gar nicht verlieren, das Album hat es verdient, in einem Rutsch durchgehört zu werden. Und genau das sollte man vielleicht zweimal tun, denn der Glanz dieser Platte wird bei manchem Zuhörer vielleicht erst dann durchscheinen.

Abschließend muss ich sagen, dass sich bei mir seit wirklich langer, langer Zeit wieder euphorische Gefühle beim Hören eines KISS-Albums einstellen.
Musikalisch und spieltechnisch sind die 11 Songs sowieso meilen-, ach was, universenweit von dem entfernt, was 1998 in der alten Besetzung aus kommerziellen Gründen veröffentlicht wurde.
Jetzt - im fast biblischen Alter - scheinen die Jungs wieder Lust auf Musik zu haben und man muss kein Prophet sein, um wissen, dass nach den 70ern, den 80ern und der Reunion sich mit "Sonic Boom" so etwas wie das vierte Kapitel der Bandgeschichte auftut.
Diese Band hat weiterhin Zukunft und man muss schon fast hoffen, möglichst viele Songs auf der anstehenden Tournee präsentiert zu bekommen.

Zum Abschluss möchte ich noch zwei Sätze zu der zusätzlichen CD und DVD der Deluxe- Edition abgeben, die der Redaktion zwar nicht vorliegen, sich aber seit heute im privaten Besitz des Schreibers dieser Zeilen befinden.
Auf der CD wurden alte KISS-Klassiker neu im Studio aufgenommen, während die beiliegende DVD mit sechs Songs vom diesjährigen Auftritt in Buenos Aires brilliert.
Wie so oft sind solche Zugaben meist nur für die Sammler interessant. So auch hier. Zwar gewinnen einige wenige Songs sichtlich durch den modernen Sound, beim größeren Teil ist man hingegen geneigt zu sagen, dass die Originalaufnahme besser rüberkommt.
Auch die DVD sollte nicht primärer Grund sein, sich "Sonic Boom" zuzulegen, denn mit sechs Songs ist die DVD relativ kurz und andere Live-DVDs des Hard Rock-Quartetts sind da doch ein wenig ansprechender produziert.
Andererseits sind die zwei bis drei Euro Aufpreis es durchaus wert, sich die Deluxe Edition zuzulegen.

Kay Markschies, 02.10.2009

Paul Stanley und Gene Simmons hatten noch vor der letzten Deutschland-Tour verkündet, keine weiteren Alben mehr aufnehmen zu wollen, „weil die Fans bei den Konzerten eh nur das alte Zeug hören wollten“. Das fand ich als alter Fan nicht weiter schlimm, auch wenn das letzte Studiowerk “Psycho Circus“ aus meiner Sicht zu ihren besseren Alben gehört. Denn ja, bei den Konzerten will ich als Fan Firehouse oder Calling Dr.Love hören – egal wie gut die neuen Sachen auch sind, an den alten hängen eben die Erinnerungen.

Jetzt sind die KISS-Masterminds Paul Stanley und Gene Simmons ihrer Maxime doch untreu geworden. Und nicht nur haben sie mit “Sonic Boom“ ein neues Studiowerk eingespielt, sie haben sich auch auf den Sound und Stil ihrer Anfangstage rückbesonnen. Das bedeutet, die Gitarren sind wieder schön rock’n’rollig wie zu Zeiten von “Hotter Than Hell“ oder “Destroyer“ und die Songs gehen direkt ins Ohr und wissen zu überzeugen. Die Stimmen von Stanley und Simmons klingen heute ohnehin noch genauso faszinierend wie früher. Mit Tommy Thayer (Gitarre) und Eric Singer (Schlagzeug) haben Stanley und Simmons sich zwei sehr fähige Musiker gesucht, die Peter Criss und Ace Frehley insbesondere an den Drums mehr als nur adäquat ersetzen.

“Sonic Boom“ ist denn auch ein wirklich gutes Album geworden (auch wenn mir “Psycho Circus“ besser gefällt), dem aber bei aller Rückbesinnung doch einfach die ganz großen Nummern fehlen. Sicher, die elf Songs machen allesamt Spaß, aber sie haben nicht dieselbe Magie wie die Klassiker der Band-Geschichte. Hätten Stanley und Simmons also auf dieses Album verzichten sollen? Nein auf keinen Fall, denn die Songs sind sehr gut, aber bei der nächsten Tour werden KISS doch wieder überwiegend das Material spielen, das sie groß gemacht hatte, denn das ist es, was die Fans wirklich hören wollen.

Marc Langels, 02.10.2009

Der erste Höreindruck des neuen KISS-Albums lässt doch aufhorchen. Haben die Mannen um Gene Simmons und Paul Stanley gar eine Frischzellenkur erhalten? Denn KISS klingen auf “Sonic Boom“ äußerst frisch und unverbraucht. Die Herren rocken und rollen dass es eine wahre Freude ist.

Überraschend Neues wird natürlich nicht geboten. Hat aber auch kein Mensch ernsthaft erwartet. Dafür bieten KISS ihren typischen, ureigenen Hardrock. Und das sehr routiniert, sehr überzeugend und verdammt gut.

Nach 11 Jahren Abstinenz habe ich KISS so eine gute Scheibe wie “Sonic Boom“ ehrlich gesagt nicht mehr zugetraut. Bin positiv überrascht.

Thorsten Philipp, 02.10.2009

"No-no-no-nobody's perfect" singen die KISS-Jungs auf Track 4, Yes I know, und da könnten sie durchaus recht haben. Aber man muss nicht perfekt sein, um ein gutes Rock-Album zu produzieren. Man muss nur eine Handvoll ordentlicher Gitarren-Riffs und Licks griffbereit haben, sie fachgerecht zusammenschweißen und die Texte schreiben sich dann quasi wie von selbst. Es dreht sich heuer wie üblich um Mädels, am liebsten unbekleidet und willenlos und selbstredend um Paaaarty und all die geläufigen Rock'n'Roll Klischees. Doch dies ist bei vielen anderen Spaß-Bands auch nicht anders und wir lieben sie trotzdem, vorausgesetzt sie rocken amtlich.

Hey Leute, und "Sonic Boom" rockt die meiste Zeit recht zünftig, gar deftig und markant, knallt mit feisten Riffs, die fast mehr an AC/DC als an KISS erinnern nur so um sich und bereitet auf einer Strecke von 11 Songs kaum nennenswerte Langeweile. Die obligatorische Ballade haben sich die Maskenmänner gleich gespart und geben durchweg Gas. Manches ist zwar auch verdammt flach und abgehalftert, die Mitgröltendenz etwas zu arg aufgesetzt, überstrapaziert und anbiedernd, der größte Teil des Albums jedoch überrascht mit guten und starken Momenten, wenn man einmal davon absieht, dass die unterschiedlichen Herren Lead-Vocalisten nach wie vor wenig stimmliches Charisma vorzuweisen haben. Dies war schon immer ein wunder Punkt, der mich bei KISS ein klein wenig genervt hat. Aber egal, diese Langrille hinterlässt einen kompakten Eindruck und macht im Großen und Ganzen Spaß. Dass man sie laut hören muss, richtig laut, ist ja wohl allen klar, denn dafür wurde sie schließlich erschaffen.

Frank Ipach, 04.10.2009

Ich war, gelinde ausgedrückt, ziemlich überrascht, als KISS bereits vor Monaten ein komplett neues Studioalbum ankündigten. Immerhin stammt der Vorgänger ’Psycho Circus’ schon aus dem Jahr 1998. Zugegebenermaßen konnte ich mich einer gewissen Spannung und Erwartung darauf nicht entziehen, was die Jungs da wohl zusammenschrauben und dann der Musikwelt präsentieren würden. Nun hat das Rätselraten endlich ein Ende, denn die neueste Studioveröffentlichung der Amerikaner ist seit ganz kurzer Zeit auf dem Markt. ’Sonic Boom’ (Überschallknall) heißt das Werk. Alleine diese Namenswahl, macht schon deutlich, dass Bescheidenheit, wie sollte es auch anders sein, nach wie vor nicht zu den Tugenden von Paul Stanley und Gene Simmons gehört. Schließlich geht es ja, wie sie selber seit Jahrzehnten beweisen, auch ohne ganz gut, oder?

Und was soll ich sagen? KISS enttäuschen mich nicht, sondern bescheren mir eine positive Überraschung. Der Longplayer wirkt nämlich, trotz der relativ kurzen Zeitspanne zwischen den ersten Ideen und der Einspielung von angeblich lediglich vier Monaten, auf mich geschlossen und durchdacht. Die Songs sind allesamt gut aufeinander abgestimmt und haben Hand und Fuß. Sehr positiv wirkt sich auch die, von mir als äußerst wohltuend empfundene, Tatsache aus, dass keiner der hier vertretenen Tunes mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln total auf Charttauglichkeit getrimmt ist. Auch sind die Tracks grundsätzlich mehr im Hard Rock verwurzelt, d.h. härter, kantiger und weniger poppig, als weite Teile des von unseren Freunden bekannten Materials. ’Sonic Boom’ steht für Düsterkeit, Pathos, Euphorie, pure Spielfreude, Ironie, Selbstbewusstsein und das obligatorische Quantum Arroganz. Ich fühle mich insgesamt schon sehr an die glorreichen KISS-Zeiten in den 1970ern erinnert, nehme aber ebenso starke Verweise auf das von mir hoch geschätzte Album ’Revenge’ (1992) wahr.

Die Kompositionen auf ’Sonic Boom’ erschüttern jetzt nicht unbedingt, wie Albumtitel und Artwork wohl glauben machen sollen, die Welt des Hard Rock bis in ihre Grundfesten. Sie sind nichts desto trotz aber, ob alleine oder mit fremder Hilfe bewerkstelligt, ernster zu nehmen als so mancher anderer Tune der Marke KISS. Mit ihrer reduzierten Instrumentierung ohne jeglichen überzogenen Effekt, aufgeblasenen und überflüssigen Bombast bzw. Ballast, stehen sie für eine Rückbesinnung auf die Zeiten, als weniger noch mehr war. Ein bewährtes, für die Combo typisches und gerade deshalb nicht zu unterschätzendes Stilmittel zeichnet ’Sonic Boom’ zusätzlich aus. Ich meine den von allen vier Musikern solo und/oder mehrstimmig gekonnt vorgetragenen Gesang. Egal, ob Lead Vocals oder Backing Vocals. Jeder macht mit. Das passt halt einfach. Die Scheibe ist zudem von der personellen Situation her interessant. Hier darf nämlich erstmals der seit Anfang 2003 bei KISS spielende und hauptsächlich von Konzerten her bekannte leitende Gitarrist Tommy Thayer im Studio ran und macht seinen Job wirklich gar nicht übel. Auf das Können von Drummer Eric Singer, der seit einigen Jahren auch wieder mit an Bord ist, muss ich wohl nicht besonders eingehen. Ich will zudem nicht verschweigen, dass Paul und Gene ihre guten Momente an Rhythmusgitarre und Bass haben.

Das von Paul im großen und ganzen knackig produzierte ’Sonic Boom’ ist ein Volltreffer, der in den hörenswerten Teil der Diskografie von KISS einsortiert werden muss und die Fans auf jeden Fall begeistern wird.

Michael Koenig, 04.10.2009

 

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