K.K. Downing

Leather Rebel – Mein Leben Mit Judas Priest

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 21.02.2019
Stil: Metal
Autor: K.K. Downing mit Mark Eglinton
Seitenzahl: 223
ISBN: 978-3-940822-13-0
Preis: 21,90 EUR

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Verlag: Iron Pages Books


Redakteur(e):

Marc Langels


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Er ist eine wahre Legende des Heavy Metal und war über mehr als vier Jahrzehnte eine treibende Kraft hinter einer der wohl legendärsten und einflussreichsten Bands, die Großbritannien jemals hervorgebracht hat: Kenneth, besser bekannt als K. K., Downing von JUDAS PRIEST. Von der Gründung der Gruppe im Jahr 1969 bis zu seinem überraschenden Ausstieg im Jahr 2011 prägte er zusammen mit Sänger Rob Halford und dem zweiten Gitarristen Glenn Tipton den Sound der Gruppe und auch der frühen Phase der New Wave of British Heavy Metal. Nun ist er zudem der erste der „Priester“, der eine Auto-Biographie vorlegt.

Zusammen mit dem Autoren Mark Eglinton (der unter anderem auch schon Biographien über James Hetfield von METALLICA, BEHEMOTHs Adam Nergal Darski oder Rex Brown von PANTERA verfasst hat) skizziert Downing auf den etwas mehr als 220 Seiten seine Lebensgeschichte von den sehr bescheidenen und unglücklichen Anfängen in West Bromwich über die Jahre als Rockstar in den 80ern und 90ern bis hin zum Ausstieg aus einer der erfolgreichsten und langlebigsten Metal-Bands. Dabei fällt auf, dass Downing sehr viel Platz für seine Jugend einräumt. Das ist insofern aus seiner Sicht einleuchtend, als dass er selber analysiert, dass dort ein wichtiger Aspekt seiner Persönlichkeit angelegt wurde, der viele spätere (Band-)Entscheidungen beeinflusste, nämlich seine Nachgiebigkeit „um des lieben Friedens willen“.

Allerdings wird beim Lesen der Seiten auch auffällig, dass Downing eine gewisse Tendenz dazu an den Tag legt, viele aus seiner heutigen Sicht „falsche“ Entscheidungen dabei auf die Anderen – insbesondere auf Glenn Tipton und die erste Management-Firma Arnakarta – abzuschieben. Dabei scheint Downing insbesondere an seinem langjährigen Songwriting- und Golf-Partner Tipton wenig gute Haare zu lassen, obwohl er selten wirklich in die Tiefe geht, sondern sich eher in Andeutungen ergeht.

Über eigene Fehler, zum Beispiel im zwischenmenschlichen Bereich, geht Downing mit einer gewissen Non-Chalance hinweg, die ein wenig das Bild des abgehobenen Rockstars befeuert. So zum Beispiel wenn er über das Ende seiner Beziehung zu Langzeit-Freundin Carol berichtet. Da wirft er ihr vor, sich erst einen neuen Freund gesucht zu haben, bevor sie mit ihm Schluss machte, schwadroniert aber schon zuvor davon, sich auf den Tourneen bei keiner bietenden (weiblichen) Gelegenheit zurückgehalten zu haben. Begründung: das sei eben so und als Mann auf Tour habe man da eben so seine Bedürfnisse nach Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Ne, ist klar Kenneth.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Buch generell nicht besonders packend geschrieben ist. Downing und Eglinton verwenden aus meiner Sicht zu viel Zeit auf die eher unspektakuläre (wenn vielleicht auch prägende) Jugend aber wenig darauf, wie er sich als Musiker entwickelt hat, einmal abgesehen davon, dass Jimi Hendrix sein größtes Vorbild war. Aber nichts dazu, wie er seinen Stil entwickelte, wie er seinen Sound fand, was ihn als Gitarristen und Songschreiber auszeichnet, kaum mal eine Background-Geschichte. Also kaum etwas darüber, was aus Kenneth Downing jr. den einflussreichen Gitarristen machte. Auch die Band-Zeit wird dann recht uninspiriert abgehandelt, nach dem Prinzip: dann und dann der erste Plattenvertrag, dann die Studio-Aufnahme, dann die Tour, dann wieder ins Studio, dann wieder auf Tour, dann da die Mädchen, dann der nächste Plattenvertrag, dann die Aufnahmen, dann die Tour, dann die Party (mit den Mädchen) und so weiter und so fort. Spannend liest sich das leider nur selten. Selbst so einschneidende Episoden wie der Ausstieg von Rob Halford (der hierin quasi den ebenfalls geplanten Ausstieg von Downing verhinderte) sowie die Reunion werden recht kurz und nur mit angedeuteten Hintergründen abgehandelt. Da findet Downing deutlich mehr Platz für seine gescheiterten Beziehungen, insbesondere für diejenige Dame, die versuchte, ihn finanziell über den Tisch zu ziehen.

Leider haben sich auch einige Fehler in die deutsche Version des Buches eingeschlichen. Nichts allzu großes aber eben falsche Verben oder aber Worte, die im Zusammenhang des Satzes keinen Sinn ergeben. Anscheinend gab es nach der Übersetzung von Jenny Rönnebeck (die zuvor schon die Autobiographie von TWISTED SISTER-Frontmann Dee Snider übersetzte und vom Rock Hard-Magazin sicherlich einigen Lesern bekannt ist) leider keinen Lektor mehr, der über das Buch noch einmal kritisch drüber gelesen und solche Fehler beseitigt hat. Aber auch der Erzählstil ist – wie oben schon angedeutet - auf die Dauer sehr ermüdend und uninspiriert, zumal sich das Duo Downing/Eglinton wenig Mühe macht, die Ereignisse in größere Beziehungen zu setzen. Auch das nimmt dem Werk zusätzlich einiges von seinem Reiz, auch wenn man natürlich keine literarische Meisterleistung erwarten durfte, der Mann ist Gitarrist und ganz offensichtlich kein Mann großer Worte oder bildreicher Erzählungen.

Und so hält “Leather Rebel – Mein Leben mit JUDAS PRIEST“ eigentlich zu wenige wirkliche Überraschungen oder Einsichten parat, als dass das Buch einen größeren Leserkreis außerhalb der JP-Fangemeinde finden dürfte. Dafür gibt es zu wenig Einblicke in die Geschichte und das Innenleben dieser wahrlich großen und stilprägenden Band (einmal davon abgesehen, dass die Verkaufszahlen der einzelnen Alben nie auch nur annähernd den Wert erreichten, wie es einer Band wie den Metal-Göttern eigentlich zustehen würde). An manchen Stellen kommt es einem beim Lesen sogar so vor, als wäre der Autonarr Downing mit angezogener Handbremse unterwegs, um auch ja nur niemandem zu sehr auf die Füße zu treten. Einzig IRON MAIDEN bekommen hier an mancher Stelle ordentlich ihr Fett weg. Und gerade das sind ja die Geschichten – man denke nur an Sammy Hagars Autobiographie “Red“ -, die die Fans eigentlich interessieren. Aber vielleicht ist Downing dafür einfach zu sehr bereits ein arrivierter britischer Gentleman.

 

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