Jon Oliva's Pain

Neverland
Need

Köln, Werkstatt, 08.10.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 17.10.2010
Stil: Progressive Metal

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Neverland Homepage



Redakteur(e):

Thomas Dietz


Jon Oliva's Pain, Need, Neverland,
Köln, Werkstatt, 08.10.2010

Jetzt ist es endlich soweit! JON OLIVA’S PAIN kommen auf Europatour, die ursprünglich bereits für letzten März angesetzt war. Ein halbes Jahr später habe ich allerdings heute wieder die Ehre dem Mann Auge in Auge gegenüberzustehen, der Millionen Fans weltweit seit Jahrzehnten mit seiner Musik begeistert. Der ehemalige SAVATAGE-Mastermind macht heute mit seiner Band Station in Köln. Ort des Geschehens ist die Werkstatt, ein sympathischer kleiner Club im Künstlerviertel Ehrenfeld.

Allzu voll ist es noch nicht, als bereits um kurz vor sieben das Licht erlischt und die erste Vorband die Bühne betritt. Den Einstand geben heute NEVERLAND aus der Türkei samt weiblicher Unterstützung der griechischen Sängerin Iris Mavraki. Solch eine Kombination hat man wohl auch noch nicht häufig zu sehen bekommen. Und das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, dass Musik alle Menschen verbindet, auch weit über politische Grenzen hinaus. Die Band tendiert stark in Richtung progressiven Power Metal und befindet sich also somit eigentlich in bester Gesellschaft zum Hauptact des Abends. Nur leider kann mich das Dargebotene in keiner Weise überzeugen. Alles klingt irgendwie nach x-fach gehört und langweilt mich bereits nach dem ersten Song. Die Musiker verstehen ihr Handwerk und wirken zu weiten teilen auch motiviert. Doch trotzdem fällt mein Fazit dadurch nicht positiver aus. Zu viele Gruppen aus Italien oder Skandinavien haben sich inzwischen dieser Spielart verschrieben und können deutlich mehr Ausrufezeichen setzten. NEVERLAND dagegen machen ihre Sache zwar gut aber eben ohne Spuren zu hinterlassen. Und das ist leider, vor allem auf lange Sicht gesehen, nicht ausreichend. [Einspruch, Euer Ehren! Sicherlich sind die Stücke, dazu noch mit mäßigem Sound dageboten, nicht einfach zu verdauen wenn man sich noch nie mit der Band beschäftigt hat. Zu Komplex sind die Breaks oder Gesangslinien (To Loose The Sun), aber das war ganz großes Kino was die Herren mit Dame da gebracht haben! Der Fotosklave]

Als zweite Band haben sich NEED dem Tourtross angeschlossen. Die Band stammt ebenfalls auf Griechenland und fügt dem Sound ihrer Vorgänger noch einen guten Schuss Progressivität hinzu. Zudem ist das Ganze wesentlich moderner ausgerichtet und somit nicht so sehr an die musikalischen Vorgaben des Genres gebunden. Das macht die Sache aber leider auch nicht besser, denn auch die Griechen sind meilenweit davon entfernt mir die Freudentränen ins Gesicht zu treiben. Zu sperrig und zerfahren wirken die Lieder in vielen Momenten und können sich dadurch überhaupt nicht entfalten. Jetzt wird natürlich jeder aufschreiben und sagen: „…ja aber darin steckt doch gerade die Progressivität!“. Richtig, aber in der hier dargebotenen Form müssen NEED noch einen langen Weg gehen um mit den großen des Genres in Sichtkontakt zu kommen. Die Jungs geben sich mühe, keine Frage. Allerdings reicht der gute Wille allein meist nicht aus. Es mangelt an Eingängigkeit, Intensität und Kreativität. Denn auch das Songmaterial der Griechen ist alles andere als unentdecktes, musikalisches Neuland und dazu eben auch noch emotionslos vorgetragen. Das geht doch wohl besser!

Und das es nicht nur besser geht, sondern es überwältigend, bombastisch, phänomenal, ich möchte bald sagen göttergleich sein kann…beweist einmal mehr der Mountain King himself, Jon Oliva! JOP präsentieren ihr inzwischen nicht mehr ganz taufrisches, aber dennoch aktuelles Alben “Festival“ und steigen gleich mit dem Eröffnungstrack Lies in einen 90minütigen Set ein. Leider wird heute ein strikter Curfew gesetzt, sodass den fünf Amis auch nur anderthalb Stunden zur Verfügung stehen. Dies war beim Gig vor einer Woche in Essen noch ganz anders, wo die Band volle zwei Stunden lang das Publikum begeistern durfte. Auch Auftritte jenseits der 120 Minuten-Marke sind bei Jon Oliva ja keine Seltenheit. Wirklich schade also, dass dem Kölner Publikum heute einige musikalische Sahnestück verwehrt bleiben. Allerdings gibt die Setlist keinen Grund zur Trauer. Denn auf dieser befinden sich zu weit mehr als die Hälfte SAVATAGE-Klassiker darunter beispielsweise Hounds, Agony And Ecstasy oder Ghost In The Ruins. Die beiden vorrangegangenen Alben “Maniacal Renderings“ und “Global Warning“ werden leider, auch zu meinem persönlichen bedauern, komplett ausgeklammert. Aber man kann ja nicht immer alles haben…Die restlichen Stücke entschädigen dafür sowieso mehr als genug. Jon erfreut sich heute wieder bester Gesundheit, nachdem er im letzten Jahr mit Schmerzen im Knie zu kämpfen hatte und teilweise kaum laufen konnte. Heute Abend macht er sogar einen ausgiebigen Ausflug ins Publikum und wirkt auch insgesamt wesentlich fitter als beim letzten Europa-Abstecher. Anstatt dem üblichen Jägermeister gibt’s heute als Gesundheitstrunk wohl auch Rum (dem bräunlichen Inhalt der Flasche nach zu Urteilen wird’s wahrscheinlich Rum gewesen sein…). Der Aschenbecher auf dem Keyboard bleibt an diesem Abend allerdings unbenutzt. Rauchen soll ja schließlich gerade im gesetzteren Alter nicht unbedingt gesundheitsfördernd sein. Aber wenden wir uns jetzt lieber wieder dem musikalischen Geschehen zu.

Auf dieser Tour gibt’s nämlich sogar zwei Besetzungswechsel zu verzeichnen. Bassmann Kevin Rothney und Gitarrist Tom McDyne sind beide aus privaten Gründen verhindert und werden von Jason Gaines am Bass und Jerry Outlaw an der Gitarre ersetzt. Letzterer hat bereits auf der ersten JOP Platte die sechs Saiten bedient und war damals auch live in der Stammbesetzung aktiv. Die beiden “Aushilfskräfte“ machen ihren Job aber mehr als ordentlich und passen wie die Faust aufs Auge in das Bandgefüge. Auch Keyboarder John Zahner steht zuweilen nicht mehr mit auf der Bühne, ob das so bleibt ist bislang aber wohl noch ungeklärt. Sonst ist aber alles wie gehabt. Der überragende Mann an der Gitarre ist und bleibt Matt LaPorte. Wie Jon selber bereits in Interviews geäußert hat, ist er einer der wenigen Musiker weltweit, die würdig sind das Vermächtnis von Criss Oliva zu bewahren und vor allem würdevoll zu präsentieren. Dabei setzt Matt aber immer eigene Akzente und verleiht dem Ganzen somit noch mehr Intensität, was vor allem später noch bei der ergreifenden Ballade Believe mehr als deutlich wird. Meine Fresse, dieser Song geht echt an die Substanz! Last but not least, sitzt immer noch Christopher Kinder hinterm Schlagzeug, der durchweg einen perfekten Job abliefert und sich zu einem der unverzichtbaren Eckfeiler innerhalb der Band gemausert hat. Es stehen also ausnahmslos begnadete Musiker auf der Bühne, die für einen Emotionsschub nach dem anderen sorgen. Aufgelockert wird das alles immer wieder durch Jon’s Witzeleien und seinen unnachahmbaren Gestiken. Dieser Mann ist wahrlich ein Entertainer! Dies dürfe wohl auch heute Abend wieder jeder im Publikum so unterschreiben. Zwei Lieder können natürlich bei keinem JOP Konzert fehlen. Nämlich die beiden SAVATAGE-Hymnen schlechthin: Gutter Ballet und Hall Of The Mountain King. Diese grandiosen Nummern bilden den Abschluss eines ebenso grandiosen Abends. Ich hoffe der Mountain King wird uns auch in Zukunft noch mit einigen erstklassigen Alben und Auftritten dieses Kalibers begeistern. Die nächste Tour kann also kommen. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!

Thomas Dietz, 08.10.2010

 

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