Konstantin Wecker Sage Nein! - Antifaschistische Lieder 1978 bis heute, Sturm & Klang/Alive, 2018 |
Im Studio 2018: | ||||
Konstantin Wecker | Gesang, Klavier | |||
Fany Kammerlander | Cello | |||
Jo Barnikel | Klavier, Keyboards, Percussion | |||
Shekib Mosedeq | Gesang bei den Stücken 09 & 15 | |||
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01. Willy 2018 | 09. Empört Euch | |||
02. Sage Nein! (2018) | 10. Anna R. Chie | |||
03. Das Leben will lebendig sein | 11. Den Parolen keine Chance | |||
04. Vaterland | 12. Das macht mir Mut (Live) | |||
05. Die Weiße Rose | 13. Ich habe Angst | |||
06. Sturmbannführer Meier | 14. Willy | |||
07. Stilles Glück, trautes Heim | Bonus: | |||
08. Vaterland? (Live) | 15. Bella Ciao | |||
16. Blümlein stehn am Waldessaum | ||||
Wer Konstantin Wecker kennt, weiß sehr wohl, dass er schon seit mehreren Jahrzehnten zu den auffälligsten, lautesten und hartnäckigsten Rufern und Mahnern hierzulande zählt. Wann immer etwas faul ist im Staate Dänemark rührt dieser Mann sich und zerrt längst unter den Teppich gekehrte Missstände an die Öffentlichkeit. Wenn also einer wie er ein Album mit dem vielsagenden Namen “Sage Nein! - Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“ (Neuaufnahmen inklusive) herausbringt, dann hat das einen ganz bestimmten Grund. Und zwar den, dass der Münchner sich offensichtlich große (mit Angst verbundene) Sorgen um unsere Gesellschaft und unser Land macht.
Wie es der Titel ja schon nahelegt, sind (nicht nur eigene) Lieder gegen alles, was auch nur ansatzweise mit braunem Gedankengut in Verbindung gebracht werden kann, bereits (leidige) Tradition in Weckers Karriere. Das bedeutet, dass solche Stücke leider mit schöner Regelmäßigkeit notwendig erscheinen, um (neben anderen Veröffentlichungen) für unmissverständliche Klarheit und erhöhte Wachsamkeit zu sorgen, wenn wir uns alle mal wieder so richtig schön haben einlullen lassen von weiten Teilen der Politik, die nur allzu oft und ganz offensichtlich auf dem rechten (oder auch braunen) Auge blind zu sein beliebt und die Gefahren verharmlost.
Die Stücke beleuchten beide Seiten: Die der Täter und die der Opfer. Triefend vor Zorn, Hohn, Spott, Verachtung, Schadenfreude, Zynismus und Anklage, urgewaltig, schreiend, wuchtig, wütend, und intensiv, aber auch mit Mut, Hoffnung, Verwunderung, Verständnis für die Verängstigten, Liebe, Ruhe, Besonnenheit, schlagkräftigen Argumenten, Richtigstellungen, Trost und Forderungen nach Zivilcourage getränkt nennt der (vor allem in den sozialen Netzwerken angefeindete und verunglimpfte) oberbayerische Künstler in seinen Zeilen schonungslos Verbrecher, Mitläufer, Demagogen, (Fremden)Hasser, Lügner, Geschichtsfälscher, Verführer, Verbreiter von Halbwahrheiten, Sprücheklopfer, Infiltrierende, Schmarotzer. Kriegsrhetoriker, Erfüllungsgehilfen und die übrigen Verblendeten beim Namen. Die auf der Platte zu findende Nummer Willy 2018 (die neueste Version seines Klassikers, der gleich in seiner ursprünglichen Form mit angeboten wird) ist, dahingehend beispielhaft, auf dem aktuellsten Stand.
Bewunderung und Trauer zugleich empfindet der gestandene Dichter dagegen für die stillen Helden, die sich für ihre menschlichen und zutiefst moralischen Überzeugungen (keineswegs immer der ihnen drohenden Gefahren vollkommen bewusst) geopfert haben. Solche aufrechten und wahrlich selbstlosen Mitmenschen bräuchte es heute längst wieder häufiger.
Wer also den erneut (sehr massiert) auftretenden faschistischen Bewegungen, Aufmärschen und Gewalttätigkeiten poetisch entgegentreten will, der greife zu “Sage Nein! - Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“. Ein erheblicher Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der CD kommt übrigens der überaus wichtigen antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (a.i.d.a.) zugute. Das sind, neben dem echt günstigen Preis (10,00 €), dieser aufrüttelnden und appellierenden Liederzusammenstellung, doch genügend starke Gründe für deren Erwerb. Da bleibt nur noch zu sagen: Wehret den schon längst vollzogenen Anfängen!