See You On The Other Side, Virgin Records, 2005 | ||||
Jonathan Davis | Vocals, Bagpipes | |||
Munky | Guitar | |||
Fieldy | Bass | |||
David Silveria | Drums | |||
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01. Twisted Transistor | 08. Open Up | |||
02. Politics | 09. Coming Undone | |||
03. Hypocrites | 10. Getting Off | |||
04. Souvenir | 11. Liar | |||
05. 10 Or A 2-Way | 12. For No One | |||
06. Throw Me Away | 13. Seen It All | |||
07. Love Song | 14. Tearjerker | |||
Man durfte gespannt sein, wie die Truppe aus Bakersfield, Kalifornien, den Weggang des Gitarristen Brian "Head" Welch kompensieren würde, der seinen Siebensaiter weggelegt hat, um sich fortan dem christlichen Leben zu widmen. Zunächst einmal wurde er nicht ersetzt, man macht einfach als Quartett weiter. Und versucht gleichwohl, aus der Schwächung Stärke zu ziehen, indem man noch ökonomischer an die Songs herangeht, dabei gleichzeitig deutlich melodiösere, fließendere, weichere Töne favorisiert. Als Produzenten hat man Atticus Ross hinzugezogen, der durch seine Arbeit mit NINE INCH NAILS, BAD RELIGION und PINK durchaus als logische Wahl erscheint. Überraschend ist aber auch The Matrix auf den Produzentensessel gesprungen, der bisher der Welt eine Handvoll relativ verzichtbarer Popchanteusen beschert hat (Britney Spears, AVRIL LAVIGNE und Ricky Martin).
Also ist das Motto nun KORN goes Top Of The Pops? Auch nicht wirklich, obwohl der prima funkige Opener Twisted Transistor durchaus funktioniert. Aber dann kommt mit Politics eine Nu-Metal-Nummer, wie sie auch LINKIN BIZKIT oder LIMP PARK hinbekommen hätten. Auch Hypocrites haut in die selbe Kerbe, das wirkt alles irgendwie zahnlos für eine Band, die einmal die kreativen Erneuerer oder zumindest Impulsgeber dieser Musik waren. Natürlich sind die Lyrics von Mr. Davis immer noch ziemlich krank, seine Weltsicht ist immer noch zynisch düster und seine stimmlichen Extravaganzen durchaus staunenswert, aber irgendwie geht da nichts mehr voran mit KORN.
Es fehlt der große Überraschungsmoment, die Innovationen, es kling mal nach Industrial der Marke NINE INCH NAILS (Open Up) oder nach Marilyn Manson (10 Or A 2-Way), dann wird mal wieder wie früher der Dudelsack hervorgekramt (Throw Me Away), aber es plätschert alles recht höhepunktslos am Hörer vorbei. Allenfalls Love Song setzt sich noch in den Gehörgängen fest, ansonsten fehlt jegliche Magie in Sachen Songwriting. Ich fürchte, der Titel der letzten Veröffentlichung war mit "Greatest Hits, Volume 1" doch etwas sehr optimistisch gewählt. Allzuviel von "See You On The Other Side" wird der Nachwelt wohl nicht erhalten bleiben. Vielleicht ist der Titel der Scheibe ja tatsächlich ein dezenter Hinweis auf das baldige Ende von KORN? So richtig viel zu sagen haben sie in musikalischer Hinsicht offenbar nicht mehr.