Kraan

Sandglass

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 03.10.2020
Jahr: 2020
Stil: Fusion
Spiellänge: 49:47
Produzent: Kraan

Links:

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Plattenfirma: Bassball Recordings


Redakteur(e):

Frank Ipach


s. weitere Künstler zum Review:

Santana

The Alan Parsons Project

George Harrison

Volker Kriegel

Hattler

Titel
01. Sandglass
02. Funky Blue
03. Solitude
04. Gleis 10
05. Pick Peat
06. Path
07. Schöner wird’s nicht
 
08. Das Meer
09. Hallo Kante
10. Moonshine On Sunflowers
11. Budenzauber
12. Rescue
13. Hippie Jam
Musiker Instrument
Hellmut Hattler Bass, Vocals
Peter Wolbrandt Guitars, Vocals, Synthesizer
Jan Fride Drums, Percussion
Ingo Bischof Keyboards
Joo Kraus Trumpet, E-Piano
Martin Kasper Keyboards, Vocals
Shirley Fisher Flute

Nach 50 Jahren Bandgeschichte schaut man schon mal mit einem skeptischen und respektvollen Blick auf die Sanduhr. Auch wenn die feinen Körner nur ganz allmählich auf die andere Seite rieseln, lebt man doch mit dieser sporadisch aufflackernden Ungewissheit, die einen schließlich anspornt keinen Tag sinnlos zu verplempern, seine Kreativität zu bündeln und nichts unversucht zu lassen, das Leben wertzuschätzen und zu genießen. Das weiß niemand besser als unser deutsches Bass-Urgestein Hellmut Hattler, der vor nicht allzu langer Zeit eine lebensbedrohliche Krankeit hinter sich brachte und nun gemeinsam mit seinen werten Kollegen Peter Wolbrandt und Jan Fride das 50-jährige Jubiläum seiner legendären Band KRAAN feiert.

Und wie feiert eine gestandene Truppe wie KRAAN, die seinerzeit im Jahre 1970 als Krautrock-Urgestein ins Unbekannte startete, ihr Jubiläum? Nicht mit einer eher überraschungsarmen Werkschau oder Compilation - das haben die pfiffigen Kraaniche bereits mit ihren beiden letzten Live-Veröffentlichungen "The Trio Years" und "TTY-Zugabe" erledigt - sondern mit einem zünftigen Albumrelease, das die gegenwärtigen musikalischen Befindlichkeiten der Herren Hattler und der Gebrüder Wolbrandt Eins zu Eins widerspiegelt.  Und so sehr die Fans die alten Nummern wie Nam Nam, Holiday am Marterhorn, Jerk Of Life und Andy Nogger auch lieben, 2020 hat die vitale Ulmer Connection auch noch einiges an Qualität zu bieten.

Um ihre frischen Kompositionen ein wenig variabler und opulenter zu gestalten, haben sich die drei Unverwüstlichen mit zwei alten Weggefährten virtuell zusammengetan, um somit jeder für sich im stillen Kämmerlein dem  lähmenden Corona-Lockdown mit Kreativität die Stirn zu bieten. Mit der verblassenden Sanduhr im Hinterkopf tauschten also der ex-KRAAN Trompeter Joo Kraus (von 1987 bis 1992), Jan, Peter und Hellmut ihre jeweiligen Soundfiles und das große Ganze nahm allmählich Gestalt an. Selbst dem leider im vergangenen Jahr verstorbenen Keyboarder Ingo Bischof wird Respekt gezollt, denn für die eine oder andere Rohfassung der hier vertretenen Hattler Nummern, hatte der langjährige Tastenmann bereits seine Keyboardspuren eingespielt.

Nun, ruhiger und gelassener sind sie geworden, die Kraaniche. So entspannt wie man mit 70 Jahren nur sein kann. Womöglich die Gelassenheit alternder Hippies, die sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge an ihre bewegte Zeit in der Musikkommune Kraan auf dem Gut Wintrup im Teutoburger Wald erinnern. Und auch wenn der vehemente Titelsong Sandglass gleich mit einem vertrackten Metrum eingeläutet wird und sich ein weichgespülter Vocoder-Gesang durch die Rockgitarrenriffs und Synthesizer-Turbulenzen schlängelt, bleibt der Grundton des Albums eher ruhig und neigt sich gerne in Richtung Midtempo, um ganz entspannt zu fließen, was bei einer Zeitlupennummer wie Moonshine On Sunflowers dazu führt, dass die klirrenden Kuhglocken im Hintergrund fast wie ein Weckton anmuten.

Dann schon lieber einen gemäßigten Budenzauber, bei dem Gitarrist Wolbrandt seine Melodiebögen anscheinend dem Kollegen Carlos Santana bei einem Glaserl Wein abgeschwatzt hat. Bei einem weiteren Midtempo-Schleicher wie Hallo Kante meint man tatsächlich eine Spur von Alan Parsons Project Spielereien zu entdecken, während der Gesang wie über eine Milchglasscheibe hinweggleitet. Das Meer besingt KRAANs Liaison mit George Harrison am weißen Strand, ohne Wellen, spiegelglatt. Vital, aufregend und kribbelig wird's im lässig groovenden, jazzigen Schöner wird's nicht, wo einen fast die Ahnung beschleicht, die Band habe sich hier an lauschige Abende mit Volker Kriegel selig erinnert. Wer nun meint, es drohten auf "Sandglass" nur die entspannten Hängematte-schaukelt-gemächlich-im-Wind Songs, der höre forsche und bebende Nummern wie Pick Peat und Funky Blue, die von ihrem prickelnden Fusion-Charakter leben und dem Hörer im wahrsten Sinne des Wortes Beine machen. Solange der Sand also noch rieselt und er sich nicht im Getriebe verhakt, erfreuen wir uns auch weiterhin an dieser neuen KRAAN Platte und zollen der 50-jährigen Bandgeschichte den allergrößten Respekt!

 

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