Krokus

Original Album Classics

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 25.10.2012
Jahr: 2012
Stil: Hard Rock, Heavy Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Krokus
Original Album Classics, Sony Music, 2012
Marc StoraceGesang
Tommy KieferGitarre
Fernando von ArbGitarre
Chris von RohrBass
Freddy SteadySchlagzeug
Produziert von: Martin Pearson (Metal Rendez-Vous"), Tony Platt ("One Vice At A Time") & KROKUS Länge: 118 Min 01 Sek Medium: CD
Metal Rendez-Vous
01. Heatstrokes06. Tokyo Nights
02. Bedside Radio07. Lady Double Dealer
03. Come On08. Fire
04. Streamer09. No Way
05. Shy Kid10. Back-Seat Rock'n'Roll
Hardware
01. Celebration06. Burning Bones
02. Easy Rocker07. Rock City
03. Smelly Nelly08. Winning Man
04. Mr. 6909. Mad Racket
05. She's Got Everything
One Vice At A Time
01. Long Stick Goes Boom06. American Woman
02. Bad Boys, Rag Dolls07. I'm On The Run
03. Playin' The Outlaw08. Save Me
04. To The Top09. Rock'nRoll
05. Down The Drain

Bis Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre war die Schweiz in musikalischer Hinsicht vor allen Dingen für ihre Beiträge zur Volksmusik bekannt. Das änderte sich langsam ab 1975 als sich in der psychiatrischen Klinik (kein Scherz, dort befand sich der Proberaum) in Solothurn die Herren Chris von Rohr (zunächst Schlagzeug, heute Bass), Tommy Kiefer und Hansi Dorz (beide Gitarre) und Remo Spadino (Bass) zusammenfanden und die Keimzelle dessen bildeten, was später unter dem Namen KROKUS weltweit Bekanntheit erlangen sollte. Aber wie bei vielen anderen Bands auch war die musikalische Ausrichtung am Anfang nicht so klar und so spielte die Band zunächst relativ auslandende und verspielte Songs, die wenig bis gar nichts mit dem später bevorzugten Boogie-Rock mit einer Menge AC/DC- und (frühen) WHITESNAKE-Einflüssen gemein hatten.

1977 kam dann das nächste einschneidende Erlebnis. KROKUS schlossen sich mit der Band MONTEZUMA zusammen und so stießen zwei wichtige Eckpfeiler im Bandgefüge hinzu: Fernando von Arb übernahm die zweite Gitarre (Hansi Dorz musste dafür weichen) und Freddy Steady sorgte für den nötigen Beat. Chris von Rohr wechselt zumindest zeitweilig zum Gesang (er wurde später in einem Schweizer Poll sogar mal zum besten Sänger gewählt). Die Band reduziert ihren Sound auf das Wesentliche und kommt ihrem späteren Erfolgsmodell schon recht nahe. In dieser Besetzung entsteht das zweite Album “Pay It In Metal“ (das Debüt “To You All“ war ein Jahr zuvor erschienen) und sorgt für weitere Aufmerksamkeit.

Vor dem großen Durchbruch stand aber wieder eine Umbesetzung an. Chris von Rohr realisierte selber, dass er als Sänger nicht der richtige Mann war und nach der Zwischenlösung Henry Fries kam mit Marc Storace der ideale Sänger an Bord, der mit seiner stark von Bon Scott inspirierten Art des Singens (allerdings auf einem etwas höheren Niveau) wie die Faust aufs Auge des mittlerweile sehr Riff-betonten Hard Rock passte und ihm den letzten Schliff gab. Das erste gemeinsame Werk trägt den Titel “Metal Rendez-Vous“ ist die erste CD, die in diesem “Original Album Classics“-Box Set. Hier fanden KROKUS endgültig zu ihrem Sound, kerniger, klassischer Hard Rock (trotz des anderslautenden Titels) mit fetten Riffs und Songs, die auch heute nicht im geringsten antiquiert klingen, sondern immer noch Feuer und Leidenschaft versprühen. Zudem lieferten KROKUS schon erste Hits, wie etwa Heatstrokes oder aber Bedside Radio. Aber auch die Power-Ballade Streamer sowie Fire (mein persönliches Highlight des Albums) sorgen noch heute für Gänsehaut-Momente. Aber was “Metal Rendez-Vous“ auszeichnet, ist die Ausgeglichenheit, die Band schwächelt lediglich bei Shy Kid ein wenig. Das Album verkauft sich dementsprechend in der Heimat wie das viel zitierte geschnittene Brot. Für mehr als 150.000 Einheiten konnte sich die Band gleich drei Mal Platin an die Wände hängen.

An diesen Erfolg können KROKUS dann mit ihrem Nachfolgewerk “Hardware“ (das zweite Werk in dieser Box) zumindest etwas anschließen. Dabei sind die Tracks Rock City, She’s Got Everything, Burning Bones und Easy Rocker hier die ganz klaren Highlights. Leider gibt es aber auch eine Menge Durchschnitt auf diesem Album zu beklagen. Etwas verwunderlich ist schon alleine, das Album mit dem schleppend beginnenden Celebration zu eröffnen, anstatt mit einer straighten Up-Tempo-Nummer wie etwa Easy Rocker. Aber selbst das hätte das Album wohl kaum über solides Mittelmaß gerettet. Denn Stücke wie Smelly Nelly oder Mr. 69 können nur auf der textlichen Ebene für Erheiterung sorgen. Ansonsten sind es recht formelhafte und sehr offensichtlich beeinflusste Stücke. Aber zumindest auf soundtechnischer Ebene betreibt die Band ihre Wandlung weiter und erinnert hier schon phasenweise stark an einen AC/DC-Klon. “Hardware“ ist ein typischer Schnellschuss, mit dem die Band auf dem Erfolg von “Metal Rendez-Vous“ anknüpfen wollte, ohne aber entsprechendes Song-Material in der Hinterhand zu haben. Da darf es nicht verwundern, dass sich dies auch in den Absatzzahlen niederschlug. So erreichte die Band in ihrer Heimat lediglich eine Goldene Schallplatte, nachdem der Vorgänger ja noch dreifach Platin abgeräumt hatte.

Das absolute Highlight dieser Box bildet aber das dritte Album “One Vice At A Time“, das mit den Band-Klassikern Long Stick Goes Boom, Bad Boys, Rag Dolls und American Woman (im Original von den Kanadiern THE GUESS WHO) daher kommt. Das geht schon beim Opener Long Stick Goes Boom los, der mit einem unwiderstehlichen AC/DC-Feeling daherkommt und genauso gut aus der Feder von Angus und Malcolm Young hätte stammen können. Und auf dieser Ebene machen KROKUS denn gleich mal weiter. Bad Boys, Rag Dolls, Playin’ The Outlaw sowie To The Top oder Down The Drain schließen mit lediglich minimalen Qualitätsschwankungen an und machen klar, warum “One Vice At A Time“ zusammen mit dem Nachfolger “Headhunter“ die schlichtweg beste Phase der Band-Geschichte darstellt (zumindest in meinen Ohren). Ein Zitat von Bassist Chris von Rohr fasst es eigentlich treffend zusammen: “One Vice At A Time“ ist das Album, das AC/DC nie aufgenommen haben“. Außerdem kann das Album mit einer weiteren Rarität punkten. KROKUS gelang es den frisch gekürten IRON MAIDEN-Fronter Bruce Dickinson für ein Duett (vielmehr für den Chor im Refrain) bei I’m On The Run zu verpflichten. Ein Coup, den sie ein Album später in gewisser Weise wiederholen konnten. Auf “Headhunter“ durfte Storace sich vokaltechnisch mit JUDAS PRIEST-Fronter Rob Halford messen, was beides für den Stellenwert spricht, den die Schweizer damals in der Szene genossen.

Leider konnten sie diesen Status dann ab Mitte der 1980er Jahre nicht mehr halten: kreative Differenzen und ständige Besetzungswechsel machten der Band – wie vielen anderen auch – den Gar aus. Auch zwei Comebackversuche Mitte/Ende der 1990er sowie Mitte der 2000er Jahre konnten nicht den gewünschten Erfolg bringen, erst als sich die Band mit dem Album “Hoodoo“ Anfang 2010 in der Besetzung Storace, von Rohr, von Arb, Freddy Steady und Kohler wieder von ihrer stärksten Seite präsentierte, kam auch der Erfolg wieder. Dieses “Original Album Classics“-Box Set ist auf jeden Fall ein guter Einstieg in das Wirken der Band. Einziger Wermutstropfen ist der Umstand, dass es in einer Fünffach-Box möglich gewesen wäre, wirklich alle Klassiker-Alben dieser Band wie zum Beispiel noch “Headunter“ und “Hoodoo“ zusammenzufassen.

Marc Langels, 22.10.2012

 

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