Würth Open Air

Gotthard
UFO
Nazareth

Künzelsau-Gaisbach, Firmengelände Würth, 21.06.2008

( English translation by Google Translation by Google )

Festivalbericht

Reviewdatum: 21.06.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Künzelsau - Gaisbach, Firmengelände Würth, 21.06.2008

Das Würth Open Air scheint wirklich das gute Wetter gepachtet zu haben: Wolkenlos präsentiert sich der Himmel über dem Firmengelände und die Sonne brät entsprechend. Die Zuschauer strömen trotzdem herbei, denn neben den annehmbaren Eintrittspreisen ist hier auch immer für eine schöne, entspannte, Atmosphäre gesorgt. Da gibt man sich wirklich Mühe. Lediglich dieses System der Bons für Speisen und Getränke ist verbesserungswürdig, da sich in Stoßzeiten vor den Kassen schon ganz schön lange Schlangen bilden.
Ich krieg mein Bier gerade noch rechtzeitig um den pünktlichen Konzertbeginn mitzukriegen. Die Reihenfolge der Bands hat sich mir bisher noch nicht erschlossen und eigentlich ging ich davon aus, dass GOTTHARD eröffnen, dann NAZARETH und schließlich UFO als Headliner. Denkste.

Die keltischen Töne aus der PA lassen mich gleich aufhorchen. Das wird doch nicht...., aber klar: NAZARETH betreten als Erste die Bühne. Der dienstältesten Band dieses Abends hat man da wahrlich einen "heißen Auftritt" aufgebürdet. Nichtsdestotrotz legen sie sich mit Beggar's Day gleich richtig ins Zeug. Der Sound passt perfekt, könnte lediglich für meinen Geschmack etwas lauter sein. Aber auch das ist ein Markenzeichen dieser Veranstaltung: Alles bleibt im Rahmen.
Und weiter wird für Stimmung gesorgt, mit dem druckvollen Rock'n'Roller Keep On Travellin' vom neuen Album "The Newz". Augenscheinlich ist Dan McCafferty bei guter Stimme und krächzt sich problemlos auch durch Razamanaz. Allerdings schwitzt die Band gehörig und Bassist Pete Agnew angelt sich bald ein Käppi des Veranstalters. Er hat sowieso den Vorteil der rechten Bühnenseite, die ein bisschen Schatten birgt. Dahin flüchtet sich auch der Leadsänger bei jeder Gelegenheit. Gitarrist Jimmy Murrison verschafft ihnen auch, mittels längerer Soliparts, ein paar Pausen. Wenn gefordert, sind sie aber immer da und Agnew wird auch nicht müde, mit dem Publikum zu albern oder es zum Mitmachen zu bringen. Er hat überwiegend leichtes Spiel, denn die Songs sind einfach klasse.

This Flight Tonight folgt bald und bringt eine weitere Stimmungssteigerung im Publikum die, natürlich, bei Dream On noch besser wird. Da sind dann auch ein paar Verschleißerscheinungen im Gesang hörbar, ohne dass sie sonderlich stören würden. Wo andere Bands längst ihre Songs auf tiefere Tonarten transponiert haben, schein NAZARETH immer noch in den Originaltonarten zu spielen.
Dazu sind sie stets gut gelaunt, werfen ein paar deutsche Worte ein oder erzählen etwas über ihre Zeit in Amsterdam, aus der dann My White Bicycle (hier wechselt Jimmy Murrison von der Les Paul zur Stratocaster) mündet. Nicht gerade mein Lieblingssong, aber mit dem nächsten - Holiday - bin ich wieder voll dabei und singe lauthals mit.

Hair Of The Dog kommt ebenfalls geil, aber für mich noch übertroffen vom bluesigen Whiskey Drinkin' Woman, bei dem sich Jimmy Murrison als sehr guter Bluesgitarrist zeigt. Er kann aber auch die harte Schiene fahren, was sich bei The Gallery sehr deutlich macht. Mir ist da das Double-Bass-Gehämmere von Lee Agnew am Schlagzeug etwas Zuviel, aber der Song hat schon Power.
Die Romantiker (also auch ich) werden mit Love Hurts vollends gewonnen. Anschließend kracht es nochmals ordentlich mit Expect No Mercy und Hair Of The Dog, bei dem McCafferty natürlich wieder seinen Dudelsack zum Einsatz bringt. Beachtliche Leistung, bei der Hitze!
Sie müssen zur Zugabe noch einmal heraus und als absolut krönender Abschluss gibt's ein Morning Dew das keine Wünsche offen lässt! Wahnsinn, was Pete Agnew da für eine Power mit seinem Bassspiel entfacht und wie sich Dan McCafferty ein weiteres Mal in höchste Töne kreischt. Also, die Band funktioniert immer noch bestens und ist, auch im 40. Jahr ihres Bestehens ein Garant für eine tolle Show.

Die Umbaupausen halten sich beim Würth Open Air, zum Glück, in Grenzen und bald kündigen sich UFO an. Als Intro fungiert Faith Healer von der SENSATIONAL ALEX HARVEY BAND und um 20.45 Uhr steigen UFO mit Mother Mary in ihren Set ein. Kommt gleich gut und vielversprechend. Die Band hat, laut Veranstalter, extra ihre USA-Tour unterbrochen um an diesem Abend dabei sein zu können. Das erklärt vielleicht doch Einiges...

Zum einen steht ein Pete Way - Double auf der Bühne, der allerdings deutlich jünger, schlanker aber mit Streifenhose ausgestattet ist. Von weitem könnte man meinen er wäre es. Es handelt sich aber um Rob De Luca, der die USA-Tour mit der Band spielt, da Pete Way ja keine Einreiseerlaubnis für die Staaten erhält. Zum anderen erscheint mir Sänger Phil Mogg öfters mal nicht ganz auf der Höhe zu sein, labert ziemlich viel und trinkt auch häufig von seinem Bier. Im Laufe des Auftrittes fällt ihm mal der ganze Mikroständer ins Publikum..., na ja, vielleicht der Jetlag?
Von Andy Parker am Schlagzeug sieht man nicht viel und so bleibt Paul Raymond einzig Altbekannter in der Band. Trägt der eigentlich eine Perücke? Das gibt's doch fast nicht, was der noch für Haare hat!
Das Programm ist naturgemäß gut und strotzt vor Hard-Rock Klassikern. Phil Mogg sieht ein, es ist Hard Being Me, dichtet das aber flugs zu "hard being... anyone" um. This Kid's macht trotzdem Laune und bei Only You Can Rock Me geht's ebenfalls gut ab, während Paul Raymond seine Orgel gewohnt dynamisch einsetzt und das permanente Wechseln zwischen Gitarre und Orgel problemlos bewältigt.
Vinnie Moore kriegt anscheinend immer mehr Freiraum an der Gitarre und nutzt das auch. Die Soli werden länger, aber nicht unbedingt besser. Da ist ein Akustikgitarrenintermezzo, wie bei Baby Blue schon erholsam. Dafür liefert er sich dann ein ellenlanges Sologefecht mit dem Bassisten, während Too Hot To Handle. Aber es will kein richtiger Fluss im Set entstehen. Bei Lights Out scheinen Tausende von Spinnen über Moores Griffbrett zu krabbeln, so wirr kommt mir das vor und bei Love To Love - hier wieder ein Daumen hoch für Raymond! - brezelt er ein dermaßen songfremdes Solo darüber... Nee!

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Immerhin erinnert Phil Mogg an den unlängst verstorbenen Bo Diddley und widmet ihm - keine Ahnung, wo da der Zusammenhang ist - Rock Bottom. Schiebt gut, aber der Solopart ist endlos. In der Zeit war ich auf dem Klo und zurück und Vinnie spielte immer noch. Die Zitate aus SANTANA-Songs sind bezeichnend, wenn einem sonst Nix einfällt. Den Abschluss liefert Doctor, Doctor was auch ganz gut rüberkommt. Trotzdem ruft praktisch keiner nach einer Zugabe und die Band spielt auch keine. Schon etwas enttäuschend. Ich geh mal davon aus, dass mit der Rückkehr von Pete Way wieder mehr Schwung in die Band kommt. Und dem Vinnie darf man ruhig wieder etwas zügeln. Wahrscheinlich musste er an diesem Tag die Müdigkeit der anderen kaschieren. Oder so ähnlich.

Die vielen T-Shirts vor dem Eingang hätten mich schon zu Beginn eines Besseren belehren sollen: Der Headliner heißt GOTTHARD!
22.45 Uhr ist es mittlerweile und die Band profitiert natürlich am meisten von der Lichtanlage. Die Menge drängt sich nach vorn und ich muss sagen: Die sind zurecht der Haupact. Da ist schon gleich viel mehr Bewegung, Vitalität und Power auf der Bühne. Master Of Illusion eröffnet den Set und die Hände recken sich nach oben.
Dieser Meister ist bei GOTTHARD ganz klar Steve Lee, der jederzeit Mittelpunkt der Show ist. Von Weitem eine perfekte Mischung aus Steven Tyler und David Coverdale (in deren guten Tagen) hat er das Publikum sofort in der Hand. Dass er deutsch spricht, macht es ihm natürlich hier noch leichter.
Top Of The World rockt auch noch richtig gut, aber bald macht sich deutlich, dass GOTTHARD doch seit einiger Zeit stark auf der Mainstream-Balladen-Welle reiten.
Warum dann, nach einer Handvoll Songs, gleich ein Solo-Auftritt von Gitarrist Leo Leoni angesagt ist, ist mir schleierhaft. Allerdings bleibt es zeitlich doch in Grenzen und mündet flugs in Hush. Da geht's doch gleich wieder gut ab und beim beliebten Mitsingwettbewerb zwischen den "Boys" und den "Girls" krieg ich direkt eine Gänsehaut. Jetzt dürft ihr raten, wer gewonnen hat!
I Wonder folgt und Leo Leoni geht ein weiteres Gitarrensolo an, welches sich flugs zum Duell mit Saitenkollege Freddy Scherer auswächst.
Richtig geil kommt Sister Moon, das genial rockt. Mann, mehr davon!
Zum akustischen Zwischenspiel wird auch geladen, mit One Life, One Soul. Vom Publikum vielleicht nicht ganz so laut mitgesungen wie auf der Live-Scheibe, aber trotzdem eine weitere Gänsehautnummer.

Leider, immer dann, wenn man meint, jetzt geht's Vollgas weiter, kommen zwischendurch immer so ein paar Schmusesongs daher. Löbliche Ausnahme, die Mountain Mama mit toller Talk-Box Arbeit von Leo Leonie.
Der Rest der Band verrichtet einen guten bis sehr guten Job. Die Keyboards sind für mich verzichtbar, Bass und Schlagzeug sind hervorragend harmonierende Rhythmiker.
Star und unverzichtbar aber: Steve Lee. Der über die Bühne springt, steppt, die Aufmerksamkeit auf sich zieht, topfit ist und seine Ausnahmestimme beim Duell mit Leonis Gitarre aufs beeindruckendste demonstriert. Hammer!
Ein bisschen mehr straighten Hard-Rock hätte ich mir gewünscht - ein Fire Dance etwa - und gleich zwei Balladen zur Zugabe finde ich auch übertrieben. Ansonsten, wie gesagt, waren GOTTHARD der würdige Headliner. Insgesamt gesehen, war auch das 2008er Würth Open Air eine tolle Veranstaltung, mit, überwiegend, guten Bands, zivilen Preisen und perfekter Organisation. Gut möglich, dass ich mich auch 2009 wieder dort einfinden werde.

Epi Schmidt, 07.07.2008

 

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