Motörhead

London, Carling Apollo Hammersmith, 16.06.2005

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 16.06.2005

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Redakteur(e):

Tim C. Werner


London, Carling Apollo Hammersmith, 16.06.2005

Setlist:
Dr. Rock, Stay Clean, Shoot You In The Back, Love Me Like A Reptile, Killers, Metropolis, Over The Top, No Class, I Got Mine, (In The Name Of) Tragedy, Dancing On Your Grave, R.A.M.O.N.E.S., Sacrifice (plus Drumsolo), Just Cos You Got The Power, (We Are) The Roadcrew, Going To Brazil, Killed By Death, Iron Fist, Whorehouse Blues, Bomber, Ace Of Spades, Overkill

MOTÖRHEAD hatten erst kürzlich in der Brixton Academy ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert (die DVD "25 & Alive Böneshaker" legt davon in bemerkenswerter Weise Zeugnis ab) und schwupps waren schon wieder fünf Jahre vorbei. So hieß und heißt es heuer also 30 Jahre MOTÖRHEAD! Zwei weitere Jubiläen am Rande: Lemmy wird sechzig (24. Dezember 2005) und die Band feiert 10 Jahre als Trio.
Nichts lag also näher, als ein (weiteres) Jubiläumskonzert anzuberaumen. Gebucht wurde diesmal das altehrwürdige Hammersmith Odeon im gleichnamigen Londoner Stadtteil, Ort vieler legendärer Auftritte, nicht nur von MOTÖRHEAD. Heute heißt der 5.000er Laden "Carling Apollo Hammersmith" und das ist ein wirklich bescheuerter Name.

Bereits nachmittags verstopften Hundertschaften von Fans die Straßenkreuzung an welcher das Venue liegt und den in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Pub "Duke Of Cornwall". Die halbe Welt schien angereist zu sein: Briten, Norweger, Schweden, Finnen, Deutsche natürlich, und sogar Spanier, Griechen und Portugiesen waren am Start. Dabei sah der Mob aus wie immer, es hätte gut und gerne auch 1980 sein können.
Die gespannte Erwartung auf das was kommen sollte mündete in feucht-fröhliche Vorfreude, war doch der Bomber ("The Bomber Lighting Rig") angekündigt, jenes flugzeugförmige Lichtgestänge, das ihn früheren Jahren - man erinnere sich nur an das Cover zur Live-LP "No Sleep 'Til Hammersmith" - ein ums andere Mal unter dem ohrenbetäubenden Lärm einer Luftschutzsirene auf die Zuschaue niederschwebte.
Reminiszenzen an frühere Tage fanden sich auch in der Zusammenstellung des Vorprogramms: Eröffnet wurde durch die nicht mehr ganz so blutjungen Britinnen von GIRLSCHOOL, seit der zusammen mit MOTÖRHEAD aufgenommenen 1981er EP "St. Valentine's Day Massacre" und etlichen gemeinsamen Konzerten und Tourneen mehr als nur Kollegen der Band des Abends. Dass bei den bekannten und beliebten Gassenhauern wie Hit And Run, Screaming Blue Murder und Emergency nichts schiefgehen konnte war klar.
Was folgte war ein Gastauftritt der NWoBHM-Legende SAXON, auch das passte perfekt ins Programm. Die Mannen um Shouter Biff Byford zündeten ein lupenreines Best-Of-Feuerwerk mit Klassikern wie Heavy Metal Thunder, 747(Strangers In The Night), bei dem MOTÖRHEAD-Trommler Mikkey Dee das Drumkit übernahm, Strong Arm Of The Law, Princess Of The Night und Wheels Of Steel. Schlicht die ideale Vorbereitung auf den Headliner des Abends: MOTÖRHEAD.

Wer wie der Autor dieser Zeilen jährlich mehrere Shows des Trios um Lemmy Kilmister besucht, der weiß, dass MOTÖRHEAD-Konzerte gerade in den letzten zehn Jahren immer etwas Besonderes sind: Man atmet den Hauch von mehr als 30 Jahren Rock'n'Roll-Historie und sieht trotzdem eine immer noch relevante Band auf dem Zenit ihres künstlerischen Schaffens.
Während Änderungen in der Setlist eigentlich nur sehr sporadisch vorgenommen werden, gab es in London doch einiges an Überraschungen: Gleich zwei Tracks vom ehemals verhassten, jetzt zu Recht wie Phönix aus der Asche gestiegenen 1983er Albums "Another Perfect Day" wurden präsentiert. Die beiden Tracks I Got Mine und Dancing In Your Grave kamen extrem tight und sehr selbstbewusst rüber. Habe mir daraufhin tags drauf gleich noch mal das 83er Vinyl aus dem Regal gezogen und es nicht bereut.
Dazu gab es Altes (z.B. Metropolis, No Class, Shoot You In The Back und das unerwartete Love Me Like A Reptile) und Neues (etwa Killers und In The Name Of Tragedy, beide vom aktuellen 2004er Album "Inferno") und noch einiges mehr, meine Favoriten des Abends (mir war nach Tanzen): R.A.M.O.N.E.S. und Going To Brazil.
Mit dem Dreifach-Paukenschlag Bomber/Ace Of Spades/Overkill fand der 22 MOTÖRHEAD-Songs lange Abend ein mehr als furioses Ende, Bomber und Luftschutzsirene inklusive.

Erwähnt sei zu guter Letzt noch der Bluesrocker Whorehouse Blues, der bei den Geschwindigkeit und Lautstärke gewohnten Motörheadbangers, mich eingeschlossen, famos einschlug. Jene, die nicht in das Vergnügen der "Inferno"-Tour 2004 gekommen waren, waren ernsthaft erstaunt darüber, dass eine Band wie MOTÖRHEAD einen solchen Song so locker und vor allem so authentisch rüberbringen kann. Kompliment!
Die Band war wie gewohnt in bester Spiellaune. Die Nervosität ob des erhabenen Momentes und ob der etlichen Kameras habe ich mir sicherlich nur eingebildet...

Sechs Songs der London-Show werden auf der Bonus DVD des am 25. November 2005 erscheinenden Re-Releases des "Inferno"-Albums ("Inferno - 30th Anniversary Edition") enthalten sein. Es handelt sich dabei um Killers, Love For Sale, (In The Name Of) Tragedy, (We Are) The Road Crew, Whorehouse Blues und Bomber.
Ein Jammer: Einen Mitschnitt des gesamten Konzertes wird es laut Auskunft des Labels SPV nicht geben, weder auf DVD, noch als Tondokument. Band und Label haben für so etwas schlicht keine Zeit, denn schon im Januar 2006, und das ist die gute Nachricht, entert der Dreier um Lemmy wieder das Studio, um den "Inferno"-Nachfolger einzuspielen. Wir sind gespannt.

Tim C. Werner, 23.11.2005

 

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