Lucinda Williams

Lu’s Jukebox Vol.3: Bob’s Back Pages – A Night Of Bob Dylan Songs + Lu’s Jukebox Vol. 4: Funny How Time Slips Away – A Night Of 60s Country Classics

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 08.10.2021
Jahr: 2021
Stil: Folk / Rock / Country
Spiellänge: 106:50
Produzent: Ray Kennedy

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Plattenfirma: Thirty Tigers

Promotion: Oktober Promotion


Redakteur(e):

Holger Müller


s. weitere Künstler zum Review:

Bob Dylan

Emmylou Harris

Loretta Lynn

Titel
Bob's Back Pages
01. It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry
02. Everything Is Broken
03. Political World
04. Man Of Peace
05. Not Dark Yet
06. Meet Me In The Morning
07. Blind Willie McTell
08. Tryin‘ To Get To Heaven
09. Queen Jane Approximately
10. Idiot Wind
11. To Make You Feel My Love
 
Funny How Time Slips Away
01. Apartment #9
02. Together Again
03. Make The World Go Away
04. Night Life Dig
05. Long Black Limousine
06. Fist City
07. I Want To Go With You
08. Don’t Let Me Cross Over
09. Gentle On My Mind
10. The End Of The World
11. I’m Movin On
12. Funny How Time Slips Away
13. Take Time For The Tears
Musiker Instrument
Lucinda Williams Vocals
Steve Mackey Bass
Fred Eltringham Drums
Stuart Mathis Guitars
Joshua Grange Guitars, Keyboards, Pedal Steel, Banjo
Tim Lauer Keyboards

Es gehört selbst in Pandemie-Zeiten eine gehörige Portion Mut und Dickköpfigkeit dazu, die erzwungene Pause für ein Projekt von sechs (!) Alben mit Cover-Versionen zu nutzen. Aber dickköpfig – oder besser: eigensinnig – war Lucinda Williams ja schon immer. Obwohl sich vermutlich nur die eingefleischten Fans den Spaß aller sechs Platten dieser „Lu’s Jukebox“-Reihe gönnen werden und so manche dieser vielen Cover-Versionen eher zur Kategorie „nett, aber nicht wirklich nötig“ gehört – Saint Lu macht einfach weiter.

Und so folgen auf Vol. 1 (Tom Petty-Songs) und Vol. 2 (Southern Soul-Songs) nun gleich zwei weitere Scheiben. Wobei Vol. 3 mit elf Stücken von Bob Dylan zwar fast unausweichlich ist, weil alle amerikanischen Songwriter/-innen sich irgendwann an Herrn Zimmermann abarbeiten müssen. Aber wie bei so vielen Dylan-Covers gilt auch hier: Wirklich neues kann Lucinda den einzelnen Stücken nicht hinzufügen. Zumal ihre Raspelstimme der von Dylan ganz ähnlich ist und so mancher Song in dieser Jukebox von Williams auch nicht wesentlich anders interpretiert wird. Man Of Peace vom 83er-Album „Infidels“ etwa klingt halt so, wie der Song auch im Original klingt: laut und aggressiv und ein bisschen schmutzig. Political World erhält immerhin eine etwas finsterere Note, Queen Jane Approximately bleibt dagegen der lockere Folksong, der er immer schon war – nur moderner produziert als seinerzeit auf dem „Highway-61“-Album.

Spannend zu erfahren wäre gewesen, aus welchen Gründen Lucinda Williams gerade diese Songs aus dem reichhaltigen Opus des Nobelpreisträgers ausgewählt hat. Denn sie beschränkt sich auf Stücke aus nur wenigen Alben: neben den beiden erwähnten vor allem auf „Time Out Of Mind“ von 1997, dem 89er-Werk „Oh Mercy“ und dem oft kritisierten „Blood On The Tracks“ von 1975. Aber dazu gibt es vorab leider keinerlei Informationen. Also am besten den Kopf ausschalten und ihrer Interpretation jenes Songs lauschen, der seit jeher Musiker aller Couleur immer wieder herausfordert: Blind Willie McTell wird in der Hand von Lucinda Williams zu einem Straßenkater-Blues mit schneidender Gitarre und einer wehklagenden Stimme, die alles erlebt hat, was das Leben zu bieten hat. Mit diesem Gesellen ist nicht zu spaßen…

Ganz anders dann Vol. 4, wie der Titel schon andeutet: A Night Of 60s Country Classics. Lucinda Williams singt die Crooner-Balladen der Sechziger, mit denen sie aufgewachsen ist, und sie versucht erst gar nicht, diese Country-Perlen in ihrem Kern zu verändern. Die Pedal Steel dominiert von vorn bis hinten, das Tempo ist meist „slow“ und die Tränendrüse wird kräftig gedrückt. Manchmal ein bisschen zu arg, wie in der Long Black Limousine, die einst schon Elvis mit zu viel Schmelz in der Stimme steuerte. Aber zum Glück ist Lucinda Williams im Herzen dann doch eine Rockerin und kriegt gerade noch rechtzeitig immer wieder die Kurve zu etwas mehr Swing – Loretta Lynns Fist City liegt ihr einfach viel näher als Buck Owens Together Again – zumal sie sich hier mit der Engelsstimme von Emmylou Harris und deren Interpretation messen lassen muss.

Man muss schon ein echter Country-Liebhaber sein, um diese Reminiszenz an vergangene Zeiten durchgängig toll zu finden. Aber es spricht für Lucinda Williams Können, dass der gelungene Ausklang des Albums, Take Time For The Tears, gar kein 60s-Klassiker ist – sondern von ihr selbst für dieses Album geschrieben wurde.       

 

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