Demon

Tad Morose
Chinchilla

Ludwigsburg, Rockfabrik, 24.02.2002

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 24.02.2002

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Ludwigsburg, Rockfabrik, 24.02.2002Bildergalerie Tad Morose
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10. Dezember 1989: Auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Tod von Gitarrist Mel Spooner standen DEMON auf der Bühne der Rockfabrik in Ludwigsburg.
Mit ihrem bis dato stärksten Album "Taking the world by storm" im Schlepptau lieferte die Band einen Gig ab, der bis heute für mich zum Großartigsten gehört, was je auf einer Bühne dargeboten wurde.
Als Sahnehäubchen auf einen unvergessenen Abend (das Ticket war damals übrigens ein Geburtstagsgeschenk meines Bruders - ewiger Dank, Alex!) erschien wenig später das an diesem Abend mitgeschnittene Livedoppelalbum "One helluva night", das auch für die ungläubige Nachwelt dokumentiert, wie genial diese Band damals war.

Mittlerweile sind einige Jährchen ins Land gezogen. DEMON veröffentlichten noch ein paar ordentliche Alben, die aber nie an die Klasse von "Taking the world by storm" heranreichten und irgendwann war einfach Schluss und die Briten verschwanden in der Versenkung.
1997 spielten DEMON auf dem Bang Your Head-Festival einen 'Reunion'-Gig, der aber in erster Linie eine nostalgische Angelegenheit war, um den Fans noch einmal die Horror-Show aus den Anfangstagen zu präsentieren.
Doch diese vom Publikum begeistert gefeierte halbe Stunde zeigte DAVE HILL und seinen Mitstreitern vor allem eins: Wir wollen euch wieder zurück!

Und sie kamen wieder, langsam aber mächtig. Von 2000 an spielten DEMON vereinzelte Festivalauftritte, um uns dann 2001 mit "Spaced out monkey" ein neues Album zu präsentieren.
Doch noch fehlte eine richtige Tournee für die endgültige Rückkehr des Dämonen!

Bevor DEMON für sie historische Bühnenbretter enterten, durften zunächst TAD MOROSE und die für MELDRUM kurzfristig als Ersatz engagierten Lokalmatadoren CHINCHILLA ran.
TAD MOROSE sind ein fast hoffnungsloser Fall. Die Schweden veröffentlichen ein starkes Album nach dem anderen, heimsen dafür ordentliche bis enthusiastische Kritiken ein, aber verkaufstechnisch kommen sie einfach nicht zu Potte. Woran es liegt? Keine Ahnung, aber mit ihrem Auftritt betrieben sie mächtig Werbung in eigener Sache. Okay, ihr melodischer Power Metal ist natürlich nicht wirklich innovativ, aber einfach gut.
Die Fünf aus Bollnäs strotzten vor Spielfreude und zeigten sich wenig von der spärlichen Zuschauerkulisse beeindruckt.
Beim Titelstück der aktuellen CD "Matters of the dark" übernahm CHINCHILLA-Frontman THOMAS LAASCH den Part von LEFAY-Sänger Charles Rytkönen, so dass KRISTIAN ANDRÈN nicht auf einen Duett-Partner verzichten musste. Ein kurzweiliger, guter Auftritt einer von der breiten Öffentlichkeit sträflich vernachlässigten Band.

CHINCHILLA tummeln sich nun schon eine geraume Zeit in der Heavy Rock-Szene. Zwar findet sich in meiner Sammlung die 5-Track-Eigenproduktion "Who is who" aus dem Jahre 1994, doch obwohl die Band in den letzten Jahren immer mehr dem lokalen Underground entstieg und zu einem landesweit beachteten Heavy Rock-Act avancierte, hab ich ihre jüngere Karriere zu meiner Schande etwas vernachlässigt.
Musikalisch schlagen die kleinen Nager in eine ähnliche Kerbe wie TAD MOROSE: Power Metal, bei dem weder Härte, Geschwindigkeit, noch Melodie zu kurz kommen.

Für die Böblinger war ihr erster Auftritt in der Rockfabrik natürlich etwas Besonderes, dennoch war es beeindruckend, mit welcher Souveränität die Band agierte und ausgiebig die Gelegenheit nutzte, Material ihres im März erscheinenden neuen Albums vorzustellen.
Der große Unterschied zu den Schweden lag in der Atmosphäre, die auf der Bühne herrschte. Wo TAD MOROSE locker ihren Stiefel runterspielten und den Eindruck erweckten, dass sie ihren Gig sehr bauchlastig angehen, schien bei CHINCHILLA der Auftritt strategisch durchgeplant und um Perfektion bemüht.
Dennoch landeten CHINCHILLA einen knappen Punktsieg gegenüber TAD MOROSE in der Verlängerung, denn die KISS-Coverversion I stole your love kam dermaßen heavy und druckvoll rüber, dass sich die Erfinder des Corpse Paints eine ganz dicke Scheibe abschneiden sollten.

Setlist DEMON:
The plague, The writing on the wall, Wonderland, Never saw it coming, Dreamtime, Sign of the madman, Into the nightmare, Streetwise cowboy, Blackheath, Don't break the circle, One helluva night - Spaced out monkey, Night of the demon, Rememberance day, Life on the wire

Und dann DEMON! Trotz der, wie in München, mehr als enttäuschend geringen Besucherzahl, sprang schon mit den ersten Tönen von The plague der berühmt berüchtigte Funke über.
Die Band war heiß auf diesen Auftritt und das Publikum auf die Band. Was soll da noch schief gehen?

DEMON - das ist vor allem einmal der sympathische und charismatische Sänger DAVE HILL. Wer Dave das erste mal auf der Bühne sieht, wird sich zunächst verwundert die Augen reiben, der mittlerweile stramm auf die 50 zugehende Brite verweigert sich optisch jeglichem Klischee eines Rocksängers. Dave ist halt Dave und das ist auch gut so. Es ist ohnehin seine faszinierende Stimme, die den Ausschlag gibt, und die sehr viel von dem ausmachen, was DEMON verkörpert.
Erfreulicherweise machte Dave Hill einen weitaus gesünderen und ausgeglicheneren Eindruck als anno 89, wo man sich doch besorgt die Frage stellen musste, wie viele Tourneen dieser Mann noch durchstehen würde.
Dave befand sich in einer bestechenden Form und verkörperte den 'Madman' genau so überzeugend, wie seine theatralische Performance eines Drogensüchtigen beim finalen Life on the wire.

Ich tue mir etwas schwer, dem Rest der Band 'nur' eine solide Leistung zu bescheinigen, weil so ein Statement gerne als negativ empfunden wird, doch genau das ist es, was langjährige Weggefährten von Dave Hill, wie Gitarrist STEVE BROOKS und Basser ANDY DALE, aber auch die Neuzugänge RAY WALMSLEY (Gitarre), DUNCAN HANSELL (Keyboards) und JOHN COTTERILL (Schlagzeug) abliefern.
Wenn aber eine Band, wie eben DEMON, extrem songdienlich orientiert ist, dann ist das eben genau die geforderte Qualität der Musiker. Wer braucht schon irgendwelche Egomanen, die nur darauf bedacht sind selbst zu glänzen, wenn das Team als Ganzes darunter leidet?
Und so liefern DEMON einen sehr überzeugenden Auftritt ab. Vier Stücke vom starken, wenngleich etwas gewöhnungsbedürftigen aktuellen Album "Spaced out monkey" wurden in den Set eingebaut und fügten sich harmonisch in den Gesamtkontext ein. Die restliche Show wurde fast ausschließlich mit Material aus den ersten drei Alben "Night of the demon", "The unexpected guest" und "The plague" bestritten.

Spätestens mit Blackheath hielt endgültig der 'Geist von 89' Einzug und vertrieb die letzten Zweifel am Sinn dieser Reunion, wenngleich ich persönlich mir etwas mehr Songs aus der "Breakout / Taking the world by storm"-Phase gewünscht hätte. Doch wer kann und will es einer Band verdenken, dass sie verstärkt aktuelles Material in den Mittelpunkt ihres Konzertprogramms stellt.
Viel wichtiger: DEMON haben sich eindrucksvoll zurückgemeldet und aufgezeigt welch große Lücke sie in den letzten Jahren hinterlassen hatten.

Martin Schneider, 25.02.2002

 

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