Great White

Shakra

Ludwigsburg, Rockfabrik, 12.04.2000


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.04.2000

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Ludwigsburg, Rockfabrik 12.04.2000

Nicht alles aus der Schweiz ist Käse, doch leider sind SHAKRA lange nicht so innovativ wie andere eidgenössische Bands (CELTIC FROST, CORONER, SAMAEL). Andererseits haben sie auch nicht die Klasse von KROKUS oder GOTTHARD. So erlebte man 45 Minuten durchschnittliche Musik einer durchschnittlichen Band, die man stilistisch durchaus mit BONFIRE vergleichen konnte. Ein paar mal, wenn die Jungs kurzzeitig das Tempo etwas anzogen, spitzte man gespannt die Ohren, doch nach spätestens 30 Sekunden war es vorbei mit der Herrlichkeit.
Eine kitschige Ballade mit so hochtrabendem Text 'like a eagle in the sky, spread your wings and fly', setzte dem Ganzen die Krone auf. Ein ordentlicher Song (Stranger) war einfach zu wenig. Dann hatten SHAKRA noch einen sägenden Ton in ihrer Musik, der mir in den Ohren richtig weh tat, wobei ich nicht orten konnte, ob es der Sänger oder der Gitarrist war, der einen so folterte. Es war eine echte Erlösung als wieder HARDLINE von CD aus den Boxen powerte.

GREAT WHITE stürmten nach lustigem Hörspielintro die Bühne und entfesslten mit Call it Rock'n'Roll, Face the day (1. Coverversion) und Can't shake it ein wahres Rock 'n' Roll Feuerwerk.
Soundmässig war es deutlich besser als bei SHAKRA, aber meine aus Offenbach DREAM THEATER-verwöhnten Ohren waren nicht so hundertprozentig zu überzeugen. Mit Ain't no shame vom aktuellen Album gab es eine erste, gern genutzte Verschnaufpause, gefolgt von dem Versuch das Publikum mit Lovin' kind einzulullen.

GREAT WHITE haben nun mal auch ihre durchaus reizvollen Balladen, aber gleich zwei nacheinander - und noch dazu eher unspektakuläre - hinterließen einen etwas schalen Nachgeschmack. Hier hätte ich lieber Love is a lie oder House of broken love serviert bekommen.

Dann der befürchtete Exkurs mit Coverversion 2 & 3 zu LED ZEPPELIN und Jimmy Hendrix. Den LED ZEPPELIN Song habe ich nicht ge/erkannt. Eine starke Nummer, die mich an eine progressive Mischung aus alten UFO und PINK FLOYD erinnerte, mit tollen Gitarren, aber leider auch ein Song, der eher für intensives Hören zu Hause, als für ein Konzert geeignet war.

Voodoo chile, mit dem neuen Gitarristen als Hauptakteur, war sehr dicht am Original angelehnt. Der Mann ist sicher ein guter Gitarrist, aber auch ein Scheiß-Sänger. Ich glaube besser, sprich authentischer, kann man Hendrix nicht covern. Diesen Showteil hätte man sich sparen können. Gleiches trifft auf die nächste Nummer im Set, Mista Bone - ein heisser Anwärter für den schlechtesten GREAT WHITE Titel überhaupt - zu. Irgendwo war es schon eine bemerkenswerte Leistung, wie man nach dem starken Auftakt nicht nur meine Stimmung in den Keller getrieben hatte. Generell war die Publikumsreaktion mittlerweile eher verhalten.

Doch sie kriegten noch mal die Kurve. Rolling stoned, das ich eigentlich als Opener erwartet hatte, und eine geniale Version von Rock me standen dem starken Beginn in nichts nach und bildeten das Finale der etwa 60-minütigen Show.

Auch die Zugaben hatten es in sich. Desert moon, eine angenehme Überraschung, Once bitten twice shy (4. Coverversion), kann man mögen - muss man aber nicht, und Wooden Jesus, starke Nummer vom aktuellen Album, aber als Rausschmeißer eine Fehlbesetzung, versöhnten weiter. Dennoch bleibt unter dem Strich, dass GREAT WHITE 2000 lange nicht so überzeugen konnten, wie bei ihren Shows bei Monsters Of Rock '88 und als Support für Alice Cooper Anfang der 90er. Eine extrem kurze Spielzeit (erinnert mich fatal an MOLLY HATCHET und SKYNYRD), sowie ein unglückliches Händchen bei der Songauswahl (kennen wir doch auch irgendwoher) in der Mitte des Sets sorgten dafür, dass das Konzert nur 'gut' war. Einfach noch Queen of Sheba, Down on your knees, Shot in the dark und Psychedelic hurricane in den Set, die Balladen wechseln, die Songreihenfolge ändern und es hätte wirklich gepasst. Für eine ausgesprochene Liveband wie Great White war es aber definitiv zu wenig.

Martin Schneider, 13.04.2000

 

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