Lynyrd Skynyrd

One More From the Road Deluxe Edition

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 16.10.2008
Jahr: 1976

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


One More From the Road Deluxe Edition, MCA, 1976/2002
Ronnie Van ZantVocals
Allen CollinsGuitar
Gary RossingtonGuitar
Steve GainesGuitar
Billy PowellPiano, Keyboards
Leon WilkesonBass
Artimus PyleDrums
The Honkettes:
Jo BillingsleyBackground Singer
Cassie GainesBackground Singer
Leslie HawkinsBackground Singer
Guest:
Sam McPhersonHarmonica on "Tuesday's Gone"
Produziert von: 1976 Tom Dowd, 2002 Ron O'Brien/Andy McKaie Länge: 149 Min 52 Sek Medium: CD
Disc One:
01. Introduction/Workin' For MCA08. The Needle And The Spoon
02. I Ain't The One09. Gimme Back My Bullets
03. Saturday Night Special10. Tuesday's Gone
04. Searching11. Gimme Three Steps
05. Travellin' Man12. Call Me The Breeze
06. Simple Man13. T For Texas
07. Whiskey Rock-A-Roller
Disc Two:
01. Sweet Home Alabama07. Gimme Three Steps [Alternate]
02. Crossroads08. Call Me The Breeze [Alternate]
03. Free Bird09. Sweet Home Alabama [Alternate]
04. Introduction/Workin' For MCA [Alternate - Previously Unreleased]10. Crossroads [Alternate]
05. I Ain't The One [Alternate - Previously Unreleased]11. Free Bird [Alternate]
06. Searching [Alternate - Previously Unreleased]

"We do a little Rock 'n' Roll for you...
...I forgot the song..."
...
"Whiskey, Baby...!"

Viele, viel zu viele Jahre musste man auf diesen Dialog zwischen Ronnie Van Zant und Jo Billingsley verzichten. Diese süffisanten Zeilen fanden sich ab dem 13.09.1976 auf der originalen DoLP "One More From The Road", wurden aber, wie viele andere auch, für die ersten CD-Auflagen herausgeschnitten, um mehr Musik auf die CD zu bekommen. Musik, von der dann doch gut die Hälfte dem eingeschränkten Zeitlimit des Mediums CD zum Opfer fiel. Eine DoCD für eine (damals nicht mehr existente) Band wäre wohl doch etwas zu viel des Guten gewesen.
Ich habe nie so richtig verstanden, was LYNYRD SKYNYRD zu "Lebzeiten" mit ihrem verhassten MCA-Label verband. Keine Verträge sind so hart geschnürt, als das man nicht daraus entkäme. In den 1970ern war mir die Beziehung Band - Label an sich noch völlig egal. Das änderte sich erst mit dem 20.10.1977 (an den ich heute im Besonderen zu gedenken bitte), als MCA so ziemlich alles verwurstete, womit sich, unter dem Namen LYNYRD SKYNYRD, Kohle machen ließ. Verachtet habe ich MCA mit der (Solo-)CD-Veröffentlichung der "One More From The Road". Und was uns das Label mit der "Gimme Back My Bullets"-CD über Jahre hinweg angetan hat, ist mehr als nur eine Unverschämtheit!

Nun liegt die remasterte Fassung der "One More From The Road" schon seit ein paar Jährchen vor und festigt, in dieser Form, den Anspruch, den sie schon einmal (mit Erscheinen der damaligen DoLP) inne hatte: Der beste (und es ist der beste!) Live-Mitschnitt aller Zeiten zu sein (den gleich hoch einzuschätzenden Live-Mitschnitt der Konkurrenz aus Santa Monica lasse ich, auf Grund des maßlosen Entsetzens, das mir nach wie vor an jedem 20. Oktober an die Gurgel fährt, außen vor).
Für einen dieser drei Abende in Atlanta's Fox Theatre hätte ich schon immer meine linke Hand gegeben; würde heute aber, nach dem sensationellen Remastering der Scheibe(n), sogar die rechte opfern! Diese DeLuxe-Fassung ist eine absolute Sternstunde der Rockmusik! Live-Auftritte wie an diesen drei Tagen im Juli 1976 wird man nicht mehr viele finden. Da muss man auch nicht mit den anderen "Großen" Live-Scheiben der 1970er herum wedeln. Keine (außer die oben kurz angesprochene) reichen wirklich an "One More From The Road - DeLuxe" heran. Können sie auch gar nicht, denn eine Band wie LYN SKYN gab es nur einmal; ihre drei Abende in Atlanta waren und sind unwiederbringlich!

Der Vollständigkeit halber will ich, obwohl am 20. Oktober nur eine Band im Spiegel der Zeit zu stehen hat, mit "Made In Japan", "Live At Leeds" und dem Live-Highlight der Neuzeit, des MAULESELs "With A Little Help..." drei weitere, atmosphärisch dichte Live-Scheiben anführen. Und damit muss es aber auch wieder gut sein! Auch wenn der Eine oder Andere Leser "seine" favorisierte Live-Scheibe(n) nicht darunter findet.

Rein technisch betrachtet liegt die DeLuxe Ausgabe der "One More From The Road" absolut auf der Höhe der Zeit. Noch mehr heraus zu holen ist vermutlich auch gar nicht mehr möglich. Der Sound ist brillant und braucht keinerlei Vergleiche mit heutigen Neuaufnahmen zu scheuen. Im direkten Vergleich mit der alten DoLP fällt bei genauem Zuhören auf, dass Billy Powells Keyboard Passagen nicht ganz so prägnant 'rüber kommen. Das stellt aber keine Qualitätseinbuße dar, denn immer dort, wo Powell in die Vollen greift (nur mal Tuesdays Gone oder das Intro zu Free Bird hören) kommt er akustisch voll zum Zuge. Das Hauptaugenmerk der DeLuxe liegt einwandfrei auf den drei Axt-Männern. Es ist faszinierend, sich einfach nur mal auf die Gitarren-Arbeit von Collins, Gaines und Rossington zu konzentrieren. Genauso macht es tierischen Spaß, nur mal auf Wilkesons knurrigen Bass zu achten. Der Typ war ja nun wirklich ein echtes Unikum und ganz sicher einer der besten Bass-Player aller Zeiten. Natürlich muss man auch Pyles schweißtreibende Arbeit an den Drums lobend erwähnen. Er war, zusammen mit Wilkeson, die "Mutter der Kompanie" und ohne den Groove der Beiden wären LYN SKYN längst nicht so legendär geworden. Übrigens war es Artimus Pyle, der, obwohl selbst schwer verletzt, nach dem Flugzeugabsturz durch Sumpf und Dickicht stolperte um Hilfe zu holen.

"One More From The Road" verteilt sich in seiner DeLuxe-Ausgabe auf zwei CDs. Deren Erste wartet mit den bislang (auf DoLP) bekannten Takes, ergänzt um Simple Man und Gimme Back My Bullets auf. Die zweite CD ist mit den restlichen drei Takes (Sweet Home Alabama, Crossroads, Free Bird) der alten DoLP versehen; plus sieben Alternate Takes, von den zwei weiteren Abenden im Fox Theatre. Die Titelfolge der DeLuxe-Edition wurde einer realen LYNYRD SKYNYRD Setlist des Jahres 1976 angepasst. Genauso wie auf diesen beiden CDs lief die Schlacht der drei Axe-Men also auch real ab; und, was ich am sympathischsten finde, jede Ansage von Ronnie Van Zant ist jetzt dokumentiert. Eine DoCD also, die einen Gig von A bis Z beinhaltet!
Auf die Songs möchte ich gar nicht mehr groß eingehen. Alle Nummern sind großartig. Kein Aussetzer, alles ist perfekt! Neben dem Eingangs erwähnten Whiskey Rock-A-Roller sind die Highlights in jedem Fall Travellin' Man und Simple Man, dazu das perfekt interpretierte Gimme Back My Bullets, dass unmittelbar folgende Tuesdays Gone und letztlich natürlich auch T For Texas!
Alle werden aber getoppt vom größten Southern-Rock Song aller Zeiten; einem geradezu nicht enden wollenden Free Bird (in zwei fantastischen Versionen)! Sensationell, wie sich Collins, Gaines und Rossington gegenseitig zu neuen Höhenflügen anspornen, sich in schwindelerregende Höhen schrauben und ein Solo das andere jagt.
Nein, Free Bird zeigt bei mir keinerlei Abnutzungserscheinungen. Dazu bin ich mit dem Song zu verwachsen, zu viele Erinnerungen hängen daran. Und letztendlich eine immer währende, tiefe Verbundenheit mit LYN SKYN und deren Schicksal.
Free Bird ist nach wie vor, und wird es wohl auch immer bleiben, einer der größten Songs, den die Rockgeschichte in ihren nun bald 60 Jahren hervor gebracht hat. Mit Free Bird zeigt sich auch überdeutlich, wie sehr sich Steve Gaines (als neuer, dritter Gitarrist) in die Band zu integrieren wusste, vor allem, welche Spielfreude er an den Tag legte und sich trotzdem nicht zu schade war, auch die Rhythmusabteilung zu unterstützen. Ich weiß, die Frage ist mittlerer Weile ziemlich abgedroschen, aber wer hätte dieser Gitarren-Armada jemals etwas entgegen zusetzen gehabt?!
Nein, besser wie LYN SKYNs Gitarrentrio geht nicht!

Mit dem Schluss des letzten Absatzes lässt sich noch ganz gut zum Booklet der DeLuxe-Edition überleiten, denn besser wird man das für eine historisch so bedeutsame CD nicht hinbekommen. Alles was wichtig ist, von Gaines Beitritt (eingefädelt von seiner Schwester Cassie; damals eine der drei Honkettes) über die Aufnahmetage in Atlanta's "fabulous" Fox Theatre, bis hin zu Crowes originalen Linernotes ist alles drin! Dazu wurde es mit vielen neuen/unbekannten Aufnahmen wunderschön bebildert. Perfekt, würde ich sagen!

Was mich aber am meisten an diesem Album berührt, ist Van Zants Ausgelassenheit. Was muss der an diesen Gigs für eine Freude gehabt haben! Wer den einmaligen LYNYRD SKYNYRD Frontmann kannte, ihn vielleicht noch selbst erleben konnte, weiß, dass dessen "Konzert-Auftritte" eher diszipliniert und vor allem konzentriert abliefen.
Allein seiner Ansagen und Kommentare wegen, waren diese drei Konzerte wohl doch etwas Besonderes für ihn. Seine brüchig/raue Stimme wirkt auf diesem Doppelalbum von Take zu Take besser. Es ist, als sänge er sich in einen Rausch; der dann in Free Bird seinen Höhepunkt fand!
Unbestreitbar hat sich Van Zant mit dieser Leistung, vor allen anderen Mitwirkenden, ein Denkmal gesetzt. Wie unersetzlich er selbst heute noch ist, zeigen die vielen, wirklich ernst gemeinten, ihm gewidmeten Songs vieler befreundeter (auch neuer!) Southern Rock Bands. An diesem aufrechten Mann hat die Welt einen der großartigsten Rockmusik-Sänger, Texter und auch Komponisten verloren. Ich versuche seit jenem unsäglichen Oktobertag in 1977 damit klar zukommen, kann es aber insgeheim bis heute nicht...
Deshalb sei für diese großartige Band und mit diesem großartigen Live-Dokument ein, wenn auch etwas pathetischer, Nachruf gestattet. Diese DoCD kommt einer Zeitreise gleich. Für meine Generation, und ich glaube, hier für viele meines Alters sprechen zu dürfen, ist das ein Trip in die schönste Zeit unseres Lebens.
-Warum, verdammt noch mal, hat keiner der ignoranten Ami-TV-Sender diese Gigs mitgeschnitten...?!

Ja, warum? Wäre es dann leichter über den tragischen Flugzeugabsturz hinweg zukommen?
Nein, ganz gewiss nicht! Am 20.10.1977 starb ein "American Dream Of Life". Der größte vielleicht, den dieser Staatenbund jemals hatte. Seit 31 Jahren blicke ich an grauen Oktobertagen immer vollen Entsetzens auf den Kalender. Wieder ein Jahr vorbei. Die Zeit heilt alle Wunden; sagt man. Aber das ist, wir wissen es alle, eine dumme Lüge. Ronnie Van Zant und Cassie Gaines wären heuer 60 Jahre alt geworden, Steve Gaines 59 Jahre, Allen Collins, der wohl begnadetste Gitarrist der drei Axe-Men und Leon Wilkeson, der kauzige Basser, wären beide 56 Jahre alt. Kein Alter, könnte man denken, doch das (Southern-)Rockbizz kannte bei dieser Band keine Gnade. Das Schicksal schlug unbarmherzig zu. Mehrmals! Allen und Leon mögen es vielleicht heraus gefordert haben, aber wie hätten sie nach dem Flugzeugunglück mit ihrem Leben umgehen sollen...?
Fakt ist, dass seit dem 20.10.1977 kein schriller Pfiff mehr ein Gitarrensolo einleitet, dass niemand mehr einen Hi-Roller mit Rattlesnake Band trägt, dass ein spindeldürrer Saiten-Hexer nie mehr sein geniales Free Bird Solo greifen und auch nie mehr zwei Meter Sätze an dessen Ende springen wird. Steve Gaines wird nie mehr seine brillant gespielte Gitarre zum singen bringen, es wird keine knurrig-rustikalen Bassläufe von Leon mehr geben und auch keine, so zart und auf den Punkt einsetzenden Background Vocals von Cassie. All das starb am 20.10.1977, am 23.01.1990 (Allen) und am 27.07.2001 (Leon)!
-Und nun?!
Es bleibt eine reformierte Band Namens LYNYRD SKYNYRD, die schon lange nicht mehr LYNYRD SKYNYRD ist; allenfalls ein kleines Trostpflaster für längst vergangene Zeiten...
-Aber es bleiben die Erinnerungen. Die Erinnerungen an eine der großartigsten Bands dieses Erdballs, an frech-verwegene und so oft auch zutiefst melancholische Songs. Erinnerungen an sieben widerborstig-stolze Southern-Men, die die Unverschämtheit hatten, sich nach ihrem erzkonservativen Sportlehrer zu benennen. Erinnerungen an sechs großartige Southern Rock Alben, an die genialsten Double Leads aller Zeiten und an Knebworth, als LYN SKYN die STONES von der Bühne bliesen. Erinnerungen an die einzigartige Schönheit Dixielands; an Jacksonville und die liebevoll angelegten Ruhestätten der Haudegen. Erinnerungen, die ich, für mich, niemals missen möchte und die mich, in meinem vermutlich letzten Lebensdrittel, zehren, träumen und "leben" lassen.
-Und es gibt, zuletzt, die große Hoffnung, dass es auf der "anderen" Seite irgendwie weiter geht; dass es für alle, die es wollen, ein Wiedersehen gibt. Mit Southern Rock und Whiskey ohne Ende...

Travellin' Man, that's what I am,
Guess I'll always be;
Travellin' Man, that's what I am,
But at least I'm free

R.V.Z.

Fliegt, ihr vier waghalsigen Draufgänger; fliegt so hoch und weit ihr könnt - und du auch, Mädchen mit der schönen Stimme!

R.I.P.

Lest bitte auch unseren Nachruf in der Time Warp Sektion!

Christian "Grisu" Gerecht, 16.10.2008

 

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