Lynyrd Skynyrd

Twenty

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 20.10.2011
Jahr: 1997
Stil: Southern Rock

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Lynyrd Skynyrd
Twenty, SPV / CBH Records, 1997
Johnny Van ZantLead Vocals
Gary RossingtonLead, Rhythm, Slide & Acoustic Guitars
Hughie ThomassonLead, Rhythm, Slide & Acoustic Guitars
Rickey MedlockeLead, Rhythm, Slide & Acoustic Guitars, Dobro, Backing Vocals
Billy PowellPiano & Hammond B3
Leon WilkesonBass
Owen HaleDrums & Percussion
Dale Krantz-RossingtonBacking Vocals
Carol ChaseBacking Vocals
Produziert von: Josh Leo Länge: 55 Min 10 Sek Medium: CD
01. We Ain't Much Different07. Never Too Late
02. Bring It On08. O.R.R.
03. Voodoo Lake09. Blame It On A Sad Song
04. Home Is Where The Heart Is10. Berneice
05. Travelin' Man11. Non Of Us Are Free
06. Talked Myself Right Into It12. How Soon We Forget

Zum Jahrestag des LYNYRD SKYNYRD Unglücks vom 20.10.1977 habe ich diesmal eines der beiden zwiespältigsten Alben der Band heraus gesucht. Das in 1997 erschienene Album "Twenty". Bei all der Freude über die reformierte Band, deren 1991er Comeback Album sowie dessen unmittelbaren Nachfolgern, gab es, zumindest für den Rezensenten, bei "Twenty" ein eher langes Gesicht. Vielleicht lag es einfach daran, dass es nach Zwiespalt Eins ("The Last Rebel") weiterhin nichts wirklich Neues gab und ein Reißer wie "Edge Of Forever" noch unter ferner liefen war (die "Endangered Species", ein ganz formidables Unplugged Album zumeist alter Songs soll hier mal unberücksichtigt bleiben).
Obwohl, es gab schon Neues! Hughie Thomasson (ex OUTLAWS) und Rickey Medlocke (ex BLACKFOOT) waren 1996 bei LYNYRD SKYNYRD eingestiegen, brachten sich auch gleich ins Songwriting ein und live eine Menge Energie auf die Bühne. Doch beide erreichten nicht mehr den herausragenden Songwriter Status, den sie bei ihren Ex-Bands inne hatten. Aus diesem Grund wird "Twenty", unter den Spätwerken LYN SKYNs, zwangsläufig immer im direkten Schatten seines Nachfolgealbums verweilen. Vermutlich auch berechtigt, denn die "Edge Of Forever" gilt vielen als ein echtes Brett. Man kann das durchaus ein bisschen differenzierter sehen, wenngleich das letztgenannte Album im direkten Vergleich tatsächlich als das Bessere anzusehen ist. Dennoch muss "Twenty" keinesfalls verrissen werden. Die Scheibe verfügt bei weitem nicht über die trockene Härte der "Edge Of Forever", ist eher diffus, in manchen Passagen auch beliebig. Doch bietet auch "Twenty" typische LYNYRD SKYNYRD Trademarks und in vielen Ansätzen den souveränen Southern Rock, der der Südstaatenlegende seit Jahrzehnten zu eigen ist. Allerdings fehlt ihr, und dass sei nun völlig wertfrei formuliert, genau jene Homogenität, die sich durch alle frühen und wenige späte LYN SKYN Scheiben zieht. Ergo hat "Twenty" ein paar wirklich bemerkenswert gute Nummern zu bieten, aber auch genauso viel Füllmaterial.

Der große Wurf war die Scheibe also nie und im Gegensatz zu den aus einem Guss scheinenden Alben "Edge Of Forever" oder (mehr noch) "Gods & Guns" war ihr, trotz eines kurzfristigen vierten Platzes in den US Charts, auch kein übermäßiger Erfolg beschieden. Lasst es mich mal etwas anders ausdrücken: Normalerweise hat der olle Grisu zu fast jedem LYNYRD SKYNYRD Album eine kleine Geschichte zu erzählen. Egal ob wegen langer Vorfreude hippelig, wie und wo der Kauf erfolgte oder unter welchen Umständen derselbe zustande kam. Bei "Twenty", und ehrlich gesagt auch noch bei einigen anderen Spätwerken, weiß ich gar nichts mehr. Blackout, versoffene Gehirnzellen, keine Ahnung. Von den versoffenen Gehirnzellen mal abgesehen finde ich nur eine Erklärung. Viele der "wilden" Endfünfziger- und frühen Sechziger-Jahrgänge waren bis Mitte der 1990er (zumeist) ziemlich solide geworden und verdienten gutes Geld. Der Kauf von CDs geschah oft nur im Vorübergehen oder als Sammelbestellung. Herzblut wie bei jeder von Taschengeld oder erstem kleinen Job abgesparten Schallplatte war nur noch wenig zu vergießen. Zudem waren die 1990er auch nicht unbedingt das ganz große Jahrzehnt der Rockmusik (wenn auch besser als die unsägliche Dekade davor). "Twenty" kam also in einem größeren Bulk frisch bestellter CDs dessen beste CHARLIE DANIELS "Blues Hat" und WILCOs "Being There" waren...
Das erste Mal musste eine LYN SKYN Scheibe nach kurzem Einhören für längere Zeit an der Couch-Nordwand verweilen (dort wo alle aktuellen CDs landen um nach und nach entdeckt oder versteckt zu werden).

Natürlich wurde auch zwanzig Jahre nach dem tragischen Ende der frühen LYNYRD SKYNYRD Group an jedem 20. Oktober ein, zumindest imaginäres, Kerzchen angezündet. Natürlich war der nur wenige Jahre zurück liegende Tod des einstigen Saitenhexers Allen Collins, der so ungemein zu Ruhm und Legende der Band beigetragen hatte, immer noch nicht verdaut. Auch gab es 1997, neben den oben genannten CDs, doch noch einige andere, erfreulichere Momente als das Erscheinen "Twenty's". Wie weit die Geburt eigener Kinder in das Leben erwachsener Männer eingreift wissen all die, die mit unendlicher Freude und Glücksgefühlen Vater wurden. Immerhin wurde des Rezensenten erster Sohn beinahe zeitgleich mit dem Erscheinen "Twenty's" herausgegeben [;-)] und war bei Eintreffen jener Tonträger noch keine drei Tage alt.
Der Todestage persönlich wichtiger Heroes wurde da, wenn überhaupt, eher beiläufig gedacht. Obgleich der 20.10.77 und der 29.06.1979 (Lowell George's Todestag) schon immer tief wurzelten, ging der junge Vadder schnell wieder zur (erfreulicheren) Tagesordnung über. Vielleicht muss man Gevatter Tod erstmal von der Schippe gesprungen sein oder bei Kerschgeist und Kartenspiel über den Tisch gezogen haben. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass die Todesfälle in der eigenen Familie, die gnadenlosen Einschläge, die oftmals fast zwanghaft den glücklichen Geburten folgen, dem eigenen Bewusstsein überdeutlich machen, dass alles Leben ganz schnell ganz endlich ist. Man erahnt erstmals wirklich welch ein Geschenk es ist, halbwegs gesund alt zu werden. An just jenen Punkten besinnt sich der alternde Rocker dann wieder mehr auf die alten Helden, die von Teenie-Tagen bis ins Hier und Jetzt gegenwärtig blieben und mehr noch die Musiker, die es nicht bis in die Gegenwart geschafft haben. Im Besonderen trifft das auf meine Florida Guitar Army zu, die, vor allem auf Grund mehrerer, teils längerer Aufenthalte in Dixie und einer tiefen Zuneigung zu Land und Leuten, im Lauf der Jahre den vordersten Rang aller geliebten Bands einnahm. Deshalb seien Ronnie Van Zant, Cassie und Steve Gaines, Allen Collins, Leon Wilkeson, Billy Powell und JoJo Billingsley sowie Hughie Thomasson und Ean Evans (solange es möglich ist) an jedem 20. Oktober ein kleines Time Warp Review gewidmet.
Schon merkwürdig, obwohl "Twenty" ja nun wirklich nicht im Fokus stand, hatten wir doch noch eine kleine, rückwärts gewandte Plauderei...

Kommen wir aber endlich zum eigentlichen Review (das relativ schnell abgehandelt werden kann). "Twenty" hat, wie weiter oben schon angemerkt, durchaus seine Höhepunkte. Ganz vorne tummeln sich die kernig zubeißenden Nummern Bring It On, die Wiederauflage des Klassikers Travelin' Man und O.R.R.. Mit dabei auch der betagte, hier aber überaus rhythmisch vorwärts stürmende Abfackler None Of Us Are Free (ein Mann/Weil Song). Als gelungene Ballade darf auch Blame It On a Sad Song zu den guten Nummern "Twenty's" gezählt werden; wobei sie in keinster Weise den immensen Tiefgang früher LYN SKYN Balladen erreicht (es seien nur Simple Man, The Ballad Of Curtis Loew oder All I Can Do Is Write About It genannt). Gegenüber "Twenty's" Sahneschnitten fallen Songs wie das schwülstige Home Is Where The Heart Is und das fürchterlich "aufgesetzt" wirkende Berneice komplett ab. Sicherlich mögen auch diese Nummern Geschmackssache sein und von anderen Musikfreunden für gut befunden werden. Mir erscheinen sie, gerade im Vergleich mit der LYNYRD SKYNYRD Mk. I Besetzung, als feuerrote Tücher...
Tja, und damit ist im Prinzip schon alles über "Twenty" gesagt, denn der Rest der Scheibe ist durchweg solider Southern Rock, der sich bei jedem früh- bis spätsommerlichen BBQ recht passabel schlägt - Nicht mehr, aber auch nicht weniger! (BBQs sind zwar nicht zwingend erforderlich, aber doch ein Grund die Scheibe mal wieder auszugraben).

Ein Fazit zu finden ist bei "Twenty" nicht ganz so einfach. Aber das Urteil träfe, zugegebener Maßen, auch andere Spätwerke der Band. "Gods & Guns", "Edge Of Forever" (zumindest in größeren Teilen) und "Endangered Species" ausgenommen. Wer von den jüngeren Lesern das erste Mal auf LYNYRD SKYNYRD trifft, der wende sich also unbedingt den 1970er Alben der (echten) Florida Guitar Army zu. So gesehen kann man "Twenty", wenn auch direkt auf den zwanzigsten Jahrestag des Flugzeugabsturzes weisend, eigentlich nur der treuen Fangemeinde der Band (wobei da glücklicher Weise immer noch Neuzugänge zu vermelden sind) empfehlen. Das soll nun keinesfalls das herablassende Geschreibsel eines alten Rockmusik Esels sein, sondern, fast noch schlimmer, ein halbwegs objektives Urteil darstellen. Wer unvorbelastet auf die späten LYNYRD SKYNYRD zugehen möchte, dem seien in erster Linie die DVDs "Lyve" (aus 2003) und der 1996er Mitschnitt "Live At Rockpalast" Auftritt empfohlen. Ein audiophiles wie visuelles Vergnügen, das, jedes für sich, bestimmt einmal an einem anderen 20. Oktober besprochen wird.
Bleibt uns bis dahin gewogen.

Travelin' Man that's What I am
Guess I'll always be
Travelin' Man that's what I am
But at least I'm free

Christian "Grisu" Gerecht, 20.10.2011

 

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