Maire Brennan

Balingen 2004

( English translation by Google Translation by Google )

Interview

Reviewdatum: 05.02.2004

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Moya Brennan
Balingen 2004, Interview

Keine fünf Minuten nach der Show befindet sich Moya Brennan im Foyer der Balinger Stadthalle und ist sofort von zwanzig, dreißig Fans umringt. Geduldig erfüllt sie jeden Autogrammwunsch, nein, sie zelebriert ihn. Keine Signatur ohne Smalltalk und keine Signatur ohne persönliche Widmung. Hier eine Umarmung, da ein Händedruck. Das hat Stil.
Moya unterhält sich mit zwei Frauen. "Ihr hattet irre Spaß heute Abend. Das hab ich von der Bühne aus gesehen. Ihr seid ja voll mitgegangen."
Da ist kein Kalkül dabei. Seit Moya Brennan von der Bühne gestiegen ist, ist sie ein Mensch wie du und ich. Da ist keine Maske die verrutschen könnte. So wie Moya mit ihren Fans umgeht, käme kein unbeteiligter Beobachter jemals auf sie Idee, dass sie der Grund war, weshalb um die fünfhundert Besucher in die Halle strömten.

In meiner Tasche habe ich zwei ausgedruckte E-Mails. Eins von Moyas Mann und Manager Tim Jarvis, eins vom deutschen Tourveranstalter Petr Pandula. Beide haben den gleichen Inhalt. 'Ein Interview können wir nicht zusichern. Wenn Moya nach der Show noch nicht zu müde ist und Lust hat, dann eventuell.' Fragen wir die Gute doch einfach.
Moya hält kurz im signieren inne... "Klar machen wir ein Interview, aber lass mich bitte zuerst hier allen Autogramme geben."

Wenig später sitzen wir uns ungezwungen gegenüber. Nach einer kurzen Vorstellung des Hooked on Music, steigen wir mit der wohl naheliegendsten Frage ein:

Hooked on Music: Moya, Du hast jetzt nach langen Jahren die Schreibweise Deines Vornamens geändert...

Moya Brennan: Nur damit die Leute ihn richtig aussprechen können (lacht). Ich hab mal jemand in Hamburg getroffen. Der kam ganz stolz auf mich zu, und sagte mir: Ich werd' dich mit deinem richtigen Namen ansprechen... Mary! Ich hab ihn nur noch sprachlos angestarrt. Es wurde wirklich schlimm mit der Zeit, und ich konnte dabei nicht gewinnen. Die Leute gingen in die Plattengeschäfte, fragten nach meinen Alben und man hat sie unverrichteter Dinge wieder heimgeschickt, weil man nicht mit der sich unterscheidenden Schreibweise und Aussprache klar kam. Zugegeben, es ist reichlich spät jetzt die Schreibweise zu ändern, aber um ehrlich zu sein, das war jetzt keine große Sache mehr für mich. Es sind doch nur ein paar Buchstaben, aber zum ersten Mal in meinem Leben spricht mich jeder mit meinem richtigen Namen an.

HOM: Aber ist es nicht enttäuschend, dass Du Deinen Namen ändern musst, die Leute aber nicht in der Lage waren die korrekte Aussprache zu lernen?

M.B.: Ich glaube, das Problem war, dass die Schreibweise einem wirklich gängigen Namen sehr ähnlich war. Das hat die Leute verwirrt. Es war kein außergewöhnlicher Name. Okay, ich hab lange mit mir deswegen gerungen, aber jetzt habe ich mich entschieden, und diese Entscheidung gefiel natürlich auch der Plattenfirma. Wenn du jemand fragtest: 'Kennst du Moya Brennan?' kam oft die Reaktion: Wen? Die Leute kannten zwar meine Stimme und meine Songs, aber sie schafften es nicht, die Verbindung mit meinem Namen herzustellen. Vielleicht fällt ihnen das jetzt mit dem einfacheren Namen leichter. Privat benutze ich natürlich noch die original gälische Schreibweise, aber für alles was mit meiner Karriere zu tun hat, bin ich jetzt Moya. Ich will die Leute auch nicht verwirren.

HOM: Und? Wie läuft die Tour so?

M.B.: Sehr gut! Natürlich nicht überall, aber die gebuchten Hallen sind voll, und wir haben einige ausverkaufte Konzerte dabei. Damit bin ich sehr zufrieden, denn ich war lange nicht in Deutschland, und von einer richtigen Tour konnte man bisher ja auch nicht reden. Ich mal hier einen Auftritt gespielt, dann einen da..., die Weihnachtskonzerte... eine Tournee ist was völlig anderes. Es macht Spaß. Und schau Dir das Publikum an. Das ist einfach phantastisch. Da sind Leute im Saal, die waren noch nicht mal auf der Welt als ich Anfang der Siebziger mit CLANNAD das erste Mal in Deutschland aufgetreten bin. Es ist unheimlich aufregend, wenn du siehst, welch unterschiedliche Leute zu meinen Konzerten kommen. Manche kommen, weil sie mich von CLANNAD kennen, andere, kennen nur meine Soloalben. Es kommen Leute die mich aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen. Das ist einfach wunderbar. Ich spiele die Musik, die ich liebe, und erfahre, dass viele Leute hier meine Musik auch lieben.
Immer wieder sagen mir Menschen, dass meine Musik sie bewegt, und das ist einfach schön. Meine Band ist phantastisch. Diese Musiker sind ebenfalls voller Liebe und Respekt für meine Musik. Schau, ich bin jetzt über dreißig Jahre im Geschäft und jetzt habe ich die Möglichkeit mit einer großartigen Band meine eigenen Songs aufzuführen. Das macht mir einfach Freude.

HOM: Ich hatte heute das Gefühl, das Konzert war eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Es kamen sehr viel Emotionen und Spielfreude von der Bühne zum Publikum, aber es kam sehr wenig zurück. Meinst Du nicht, in einer unbestuhlten Halle wäre da mehr gekommen.

M.B.: Halt! Du musst der Musik, die ich spiele, zuhören. Wenn ich die ganze Zeit schnelle Sachen spielen würde, okay. Es kommen auch einfach ältere Leute zu meinen Konzerten, die sitzen wollen. Die Sache ist die, ich mache sehr gefühlvolle und ruhige Musik. Die Leute haben reagiert. Sie saßen da, und es hat ihnen gefallen. Ich brauche nicht diese überschäumenden Reaktionen. Ich bin keiner dieser irischen Künstler, denen es darum geht die Leute zum Toben zu bringen. Uns geht es darum Stimmungen und Atmosphäre zu transportieren. Ich hab in die Gesichter geschaut und die Leute haben den Auftritt genossen. Weißt Du, das ist einfach eine andere Art von Konzert. Ich habe die Reaktionen des Publikums gefühlt, auch, wenn sie sie nicht offen gezeigt haben. Du verstehst, was ich meine? Wir haben viele langsame, ruhige Momente... das ist es. In meiner Show sind viele Momente, zu denen ich das Publikum mitnehmen möchte. Das ist es auch, was das neue Album ausmacht. Ich habe eine Geschichte entwickelt und der Zuhörer schließt seine Augen und begibt sich mit mir auf eine Reise. Ich hab das alles nicht zu konkret gemacht, denn ich will die Fantasie der Zuhörer nicht beschneiden. Es ist ein Konzeptalbum in einem sehr freien Sinn...

HOM: Lass mich hier mal einhaken. Die Story, die hinter "Two horizons" steckt, entspringt die Deiner Fantasie oder basiert sie auf alten irischen Überlieferungen?

M.B.: Der Ort der Handlung, existiert wirklich. Die Geschichte mit der Harfe ist frei erfunden. Ich bin ein großer Fan der keltischen Harfe, aber es gibt sie nicht in den Überlieferungen, diese besondere alte Harfe mit den magischen Eigenschaften. Für mich ist es ein Symbol, mein persönlicher Heilliger Gral.

HOM: Aber die Harfe ist eins der irischen Nationalsymbole.

M.B.: Deswegen hab ich die Idee auch beinahe wieder verworfen. Aber dann dachte ich: Was soll's? Die Leute lieben die Harfe und Irland ist das einzige Land mit einem Musikinstrument im Wappen. Weißt Du, bei allen Alben die ich jemals gemacht habe, war die Harfe das letzte Instrument, das aufgenommen wurde um noch einige Klangfarben hinzuzufügen. Dieses Mal hab ich es genau umgekehrt gemacht. Die Harfe, die auch im Mittelpunkt der Handlung steht, sollte auch die Musik dominieren. So haben wir die einzelnen Songs um die Harfenpassagen herum aufgebaut.

HOM: Das Album ist großartig. Es bringt die mystischen Momente, für die CLANNAD berühmt waren, in Deiner Musik hervor.

M.B.: Ja, aber dennoch könnte es nie ein CLANNAD-Album wie "Two horizons" geben, weil ich doch viele Dinge ganz anders angehe. Alleine diese Vielzahl an Instrumenten, die bei mir eingesetzt werden, hat es bei CLANNAD nie gegeben.

Die Tücken der Technik... mitten im Interview stelle ich fest, dass das Aufnahmegerät den Dienst eingestellt. Moya Brennan nimmt das aus dem Augenwinkel zur Kenntnis, und meint: "Mach Dir nichts daraus. Merk dir einfach ein bisschen was, von dem was ich sage..."

HOM: "Two horizons" und seine Storyline drängt sich geradezu für eine audiovisuelle Umsetzung auf. Würde Dich das reizen? Gibt es eventuell sogar Pläne dafür?

M.B.: Es gibt einfach wirtschaftliche Zwänge, die das verhindern. Wir sind nicht in der Lage eine aufwändigere Bühnenproduktion als derzeit zu gestalten. Und selbst wenn... ich fände es ohnehin sehr viel reizvoller "Two horizons" als eine Art Ballet umzusetzen, anstatt als Film. Das wäre wirklich eine Herausforderung. Wenn Du Dir die Story nochmals vor Augen führst... diese Reise über mehrere Kontinente. Ich habe übrigens ganz bewusst die Episode in Afrika eingebaut, weil mir der direkte Weg von Irland nach Amerika doch viel zu klischeehaft war. Aber Du hast recht. In "Two horizons" steckt schon eine Menge an Potential drin, um mehr daraus zu machen als 'nur' ein Album.

Ein Angestellter der Hausverwaltung kommt zu uns und bittet uns das Gespräch doch Backstage fortzuführen. Moya schaut kurz auf... "Zwei Minuten noch..."

HOM: CLANNAD haben 1997 eine Pause eingelegt. Ist denn da ein Ende abzusehen?

M.B.: Die Pause war dringend nötig. CLANNAD waren an einem Punkt, an dem es kein Problem gewesen wäre, sofort ein zweites "Landmarq" abzuliefern, oder nochmal fünfundzwanzig Folgen von "Robin of Sherwood" musikalisch zu bestücken. Vielleicht hätte das sogar unserem Publikum gefallen, aber CLANNAD waren immer eine Band, die Grenzen ausgelotet hat, und dafür nicht immer geliebt wurde. Es war Zeit, dass jeder eine Weile seine eigenen Wege geht, aber wir arbeiten an einem neuen Album. Wann es erscheint, kann ich Dir nicht sagen. Das kann in zwölf Monaten sein, oder in achtzehn, aber das spielt auch gar keine Rolle. Das Album wird für viele eine faustdicke Überraschung werden. Es haben sich viele gute Ideen bei meinen Brüdern angesammelt und dazu kommt, dass ich heute in der Lage bin, bessere Songs zu schreiben, als früher. (Plötzlich wird Moya sehr ernst.) Es wird aber definitiv keine Konzerte mehr geben!

Die Enttäuschung muss mir ins Gesicht geschrieben stehen.

M.B.: Na ja, zumindest wird es keine Tourneen mehr mit CLANNAD geben. Das ist einfach zu anstrengend und dafür... - dabei lächelt sie wieder - ...habe ich ja jetzt meine eigene Band. Wir werden sicher ohne große Ankündigung ab und an in Leo's Tavern auftreten oder wir geben mal ein Konzert in London um eine DVD aufzuzeichnen. Ich weiß, man soll niemals nie sagen, aber aus heutiger Sicht kann ich mir nicht vorstellen, dass wir noch mal in größerem Maßstab gemeinsam touren werden. Die Zeit ist einfach vorbei.

Zeit auch, sich zu verabschieden. Moya ist schon fast backstage entfleucht, als sie sich noch einmal umdreht. "Danke, dass du mein Album magst." Dazu fällt mir nicht mehr viel ein, außer: 'Wir sehen uns dann sicher in London, wenn ihr die DVD aufnehmt.'

Martin Schneider, 05.02.2004

 

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