Marianne Faithfull

Live In Hollywood


DVD-Review

Reviewdatum: 23.10.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Live In Hollywood
Live In Hollywood, Eagle Vision, 2005
Länge: ca. 143 Min Medium: DVD
1. Trouble In Mind10. Working Class Hero
2. Falling From Grace11. Incarceration Of A Flower Child
3. Mystery Of Love12. Strange Weather
4. Ballad Of Lucy Jordan13. Guilt
5. She14. As Tears Go By
6. No Child Of Mine15. Sister Morphine
7. Last Song16. Crazy Love
8. Kissin' Time17. Broken English
9. Times Square18. Why D'Ya Do It

Marianne Faithfulls Leben glich lange Zeit einer Berg-und-Talfahrt und so konnte sie über die Jahre auch ihr künstlerisches Dasein stets spannend gestalten, weil sie es verstand, diese Quelle zu nutzen. Mit unterschiedlicher Anerkennung durchwanderte sie die Dekaden und schenkte so manch interessantem Werk ihre spröde und über viele Ecken und Kanten gestolperte Stimme samt den dazugehörigen, stets in den Seelen der Menschen schürfenden Texten, die der Tralala-Poesie des Mainstreams immer den Rücken zuwandte.

Die jetzt vorliegende DVD (plus ca. 50-min. Bonus-Live-CD mit 11Titeln) zeigt die Grande Dame des düsteren, lebensnahen Songs in einem Konzert aus dem Jahre 2005 vor andächtig bis frenetisch jubelndem Publikum in New York City.
Man darf diese DVD wohl als Werkschau ihrer wechselvollen Karriere betrachten, denn die zurückliegenden 40 Jahre im Pop-Business werden zumindest mit jeweils einem (wenn nicht mehr) wichtigen Song berührt, so dass die ehemalige Klosterschülerin halbwegs umfassend portraitiert wird.
Das reicht dann vom 1964-er Jagger/Richards-Erstlingshit As tears go by bis zu ausgesuchten Titeln ihres immer noch aktuellen Albums "Before The Poison", auf welchem sie die kongeniale Allianz mit P.J. Harvey und Nick Cave einging, um mal wieder einen wirklich erwähnenswerten Glanzpunkt ihrer Karriere zu kreieren.

Ihre musikalischen Weggefährten während dieses an Höhepunkten nicht armen Konzerts rekrutieren sich aus recht bekannten Szenegrössen wie Bassist Fernando Saunders (Jeff Beck, John McLaughlin, Lou Reed), ihrem alten, schon aus "Broken English"-Tagen bekannten Gitarristen Barry Reynolds (Joe Cocker, Grace Jones, Black Uhuru, Sly And Robbie), dem filigranen New Yorker Drummer Courtney Williams (der schon mit 16 bei RUN DMC mitspielte), dem wohl eher unbekannten Keyboarder Daniel Mintseris und dem um so ruhmreicheren Lew Soloff (BLOOD SWEAT AND TEARS), der in einigen Stücken beseelte bis furiose Trompetensoli bläst.

The Lady herself wirkt in ihrem Gestus zwar etwas behäbig, doch als Dame mit fast 60 Lebensjahren und einer nicht gerade unerheblichen Drogenkarriere, darf sie sich das ohne Weiteres erlauben. Marianne Faithfulls Stärke liegt zweifellos in der intensiven und ausdrucksstarken Gesangsperformance. Die Frau weiss nur zu gut, wie sie ihre dunkle, brüchige und sehr reife Stimme einzusetzen hat, um mit ihren begrenzten vokalistischen Mitteln ein Maximum an Emotionalität zu erzeugen. Man braucht anfänglich ein paar wenige Songs, um sich an Faithfulls Klangfarbe zu gewöhnen. Doch spätestens beim dritten, vierten Song zieht sie den Hörer in ihren Bann.

Die Band musiziert meist gelassen und nie überheblich, steigert sich aber mitunter in wahrhaft rauschverdächtige dynamische Welten, woran insbesondere Lew Soloff mit rasanten Karussellfahrten und Trommler Williams mit kraftvollem und interessantem Drumming ihren gehörigen Anteil besitzen. Im Laufe des Gigs baut die Combo einen vibrierenden Spannungsbogen auf, der sich am Ende mit den Gassenhauern Broken English und dem Eifersuchtsdrama Why d'y do it in einem heissblütigem Crescendo entlädt. Und das Publikum rast . . . zu Recht.

Als Bonus-Feature hält die DVD, neben einem Videoclip des Songs There is a ghost, ein sehr informatives Interview mit der Künstlerin vor, in welchem sie sehr auskunftsfreudig kurze und bisweilen auch längere Insider-Kommentare zu diversen Songs und Phasen ihrer Karriere preisgibt.
Mrs. Faithfull zeigt sich hier als sympathische, fein geschminkte Lady mit Charakter und der Gelassenheit einer Künstlerin, die viel erlebt, viel durchgemacht und vieles überstanden hat und nun mit durchaus berechtigtem Stolz auf eine 40 Jahre währende Karriere zurückblicken darf.
Sehr empfehlenswert.

Frank Ipach, 23.10.2005

 

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