Marillion

With Friends At St. David's

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 19.05.2021
Jahr: 2021
Stil: Progressive Rock, Art Rock
Spiellänge: 131:27
Produzent: Michael Hunter

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Plattenfirma: Edel

Promotion: Networking Media


Redakteur(e):

Nachgehakt

Kay Markschies

Wolfgang Wetzel

Martin Schneider

Titel
CD 1 :
01. Gaza
02. Beyond You
03. Seasons End
04. Estonia
05. The Hollow Man
06. The New Kings
 
CD 2:
07. The Sky Above The Rain
08. Zeperated Out
09. Ocean Cloud
10. Fantastic Place
11. This Strange Engine
Musiker Instrument
Steve (h) Hogarth Lead Vocal
Mark Kelly Keyboards
Ian Mosley Drums
Steve Rothery Guitar
Pete Trewavas Bass
Guests:
Margaret Hermant In Praise Of Folly String Quartett
Maia Frankowski In Praise Of Folly String Quartett
Nicole Miller In Praise Of Folly String Quartett
Annemie Osbourne In Praise Of Folly String Quartett
Sam Morris French Horn
Emma Halnan Flute
Jamie Hutchinson French Horn
Morgane Maelle French Horn
Jonathan Harris French Horn

MARILLION waren anderen Bands schon immer ein bisschen in Sachen Vermarktung voraus. Nicht nur, dass die Band frühzeitig die Zeiten der Zeit erkannt hat, als es darauf ankam und sich über Internetkampagnen die Alben durch die größten Anhänger hat vorfinanzieren lassen. Vielmehr haben die Jungs aus Aylesbury seit dieser Zeit auch eine eigene Studio-Infrastruktur aufgebaut, mit der sie unabhängig von Plattenfirmen sich der Aufnahme neuer CDs widmen und Livegigs mitschneiden können.

Das führt dazu, dass gefühlt seit einem Jahrzehnt jede entscheidende Phase einer Tournee mitgeschnitten und veröffentlicht werden kann - auf CD oder DVD/Blu-ray.

Da könnte manch einer vermuten, dass dieser „Overkill“ an Veröffentlichungen sich auf die Qualität der Inhalte auswirken könnte. MARILLION haben aber stets Wert daraufgelegt, dass sich die veröffentlichten Konzerte durch Besonderheiten auszeichnen. Die Veröffentlichungen zu den MARILLION-Weekends haben selten gespielte Stücke mit im Gepäck, der Mitschnitt aus der Royal Albert Hall ist sowie inzwischen legendär und mit „With Friends At St. David‘s“ erreicht uns nun ein letztes Zeugnis des Tourneelegs mit Kammer-Orchester.

Und ich geb´ es zu: Immer, wenn eine Band versucht, ihre Songs symphonisch zu veredeln, bin ich im Vorfeld eher skeptisch als hoffnungsfroh, weil einige Musiker diese Versuche auch gut in den Sand gesetzt und die ursprünglichen Songs eher musikalisch überfrachtet haben.

Diese Gefahr ist bei MARILLION nicht so schnell gegeben. Im Gegenteil, der Progrock der Band lebt von den sphärischen Keyboardklängen Mark Kellys und dem unvergleichlichen Rothery-Gitarrensound, die sich wunderbar noch durch Orchesterklänge bereichern lassen.
Die Magie von „With Friends At St. David‘s“ ergibt sich jedoch aus einem ganz anderen Umstand: der feierlichen Intimität, die sonst bei normalen MARILLION-Konzerten auch eher selten einzufangen ist.
Das führt unter anderem dazu, dass Steve Hogarth die Songs nicht wie üblich eher belustigt ankündigt, sondern zu vielen Tracks die Hintergründe des Textes vorab erklärt. Insbesondere die einleitenden Worte zu Estonia treiben einem fast die Tränen in die Augen.

Das Live-Repertoire der Band ist inzwischen so groß, dass man vorab nie genau weiß, mit welchen Songs man auf einem Konzert zu rechnen hat. Gerne werden auch ganze Album am Stück gespielt. Das führt inzwischen oftmals dazu, dass selbst Klassiker wie Easter oder The Great Escape aus dem Programm fliegen.

MARILLION legen auf der neuen Liveplatte den Fokus eher auf die längeren Kompositionen. Ocean Cloud und This Strange Engine sind Viertelstünder, die dem Hörer eine gewisse Aufmerksamkeit abverlangen. Aber ich glaube, die Band tat gut daran, in dieses orchestrale Umfeld keine vierminütigen Hits zu setzen.

Soundtechnisch ist die Platte – wie eigentlich immer – über jeden Zweifel erhaben. Michael Hunter ist inzwischen so etwas wie das sechste Mitglied der Band und weiß genau, wie das britische Quintett klingen muss.

Für „With Friends At St. David‘s“ muss der Hörer – schon allein wegen der Länge der Songs - etwas Zeit mitbringen. Dafür wird man mit einer unheimlich dichten Atmosphäre belohnt, die die Sehnsucht nach Livekonzerten beim Zuhörer mit Sicherheit noch einmal ansteigen lassen wird.
Auch ich hoffe, dass Hogarth & Co inzwischen schon an neuem Material gebastelt haben und sich meine angestaute Lust an Livegigs sich schon bald wieder in einem MARILLION-Konzert entladen kann.  

Redakteur: Kay Markschies

 


 

Mein Einstieg in das MARILLION-Universum fand 1985, natürlich mit deren Erfolgsalbum „Misplaced Childhood“, statt. Ein Volltreffer, sodass noch schnell eine Eintrittskarte für das Konzert in der Düsseldorfer Philipshalle ergattert wurde. Während hier noch Fish am Mikro stand, übernahm diesen Posten 1989 der nicht weniger charismatische Sänger Steven Hogarth.

Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gezogen und weitere MARILLION-Auftritte hinzugekommen. Letztmalig sah ich die Band an zwei aufeinanderfolgenden Abenden anlässlich ihres Abschlusskonzertes im Essener Kolosseum im Dezember 2019, ebenfalls unter Mitwirkung des „With Friends Orchesters. Die Setlist dieser Abende deckt sich bis auf Zeparated Out (der Song fehlte in Essen) mit den Songs des Albums „With Friends At St. David's“, sodass beim Hören unweigerlich wieder einige Bilder ins Gedächtnis finden.

Mit dem Album „With Friends At St. David's“ ist es MARILLION hervorragend gelungen, die Atmosphäre des Konzertes auf Konserve zu transportieren. Nicht nur diejenigen, die einem der phantastischen Konzerte beiwohnten, dürften gleich beim Start der CD/LP eine dicke Pelle auf der Haut bekommen. Hierfür sorgt zumindest bei mir nicht nur der frenetische Beifall zu Beginn des Konzertes, sondern natürlich der druckvolle Opener Gaza, der mit den orchestralen Zutaten seine ganz eigene Note erhält. Über 18 fette Minuten wird dieser Song zelebriert und sorgt für manch wohlige Schauer.

Fans von MARILLION die einzelnen Stücke des Konzertes vorzustellen oder zu beschreiben wäre wie Eulen nach Athen zu tragen. Alle Songs dieses Liveauftrittes dürften hinreichend bekannt sein. Was jedoch den Unterschied zu den Studioaufnahmen respektive der „üblichen“ Liveauftritte macht, ist eben die feine Würze, die das Orchester beiträgt. So kommen die sowieso schon sehr getragenen Songs wie bspw. Seasons End, Ocean Cloud, Estonia oder The Strange Engine noch einen Hauch epischer daher, jedoch ohne dass die Stücke in Pathos oder Kitsch abdriften. Generell spielt das Orchester („In Praise Of Folly String Quartet“) sehr verhalten auf, verleiht den Songs durch ihre klassischen Tupfer aber eine ganz eigene, vielschichtigere Note.

Obwohl es nicht ganz fair ist, einzelne Mitglieder der Band hervorzuheben, möchte ich doch Steve Rothery und Steve Hogarth ganz besonders erwähnen. Rothery vermag es einfach immer wieder, durch sein gefühlvolles Gitarrenspiel zu verzaubern. Unnachahmlich, wie er sekundenlang mit geschlossenen Augen völlig versunken in seiner Ecke steht und seine Soli spielt. So zurückhaltend und fast schüchtern, wie er auf der Bühne auftritt, so extrovertiert wirbelt Hogarth über die Bühne. Hogarth ist einfach der Entertainer vor dem Herrn und wie geboren für den großen Auftritt. Eine dermaßen freundliche Zugewandtheit dem Publikum gegenüber habe ich bislang nicht erlebt. Während dies „live vor Ort“ erlebt werden kann, lässt sich Hogarths Empathie auf diesen Tonträgern allein durch die sympathischen Ansagen der Songs oder die kleinen Geschichten drumherum erahnen.

„With Friends At St. David's“ wurde perfekt eingefangen und gibt die Stimmung, die ich in Essen live erleben durfte, bestens wieder. Freunde der Band, die in diesem Jahr leider auf einen Liveauftritt verzichten müssen, kann der Tonträger ein wenig über die Wartezeit bis 2022 hinweghelfen. Wer ein wenig tiefer in die Tasche greifen möchte, dem empfehle ich jedoch die Live-Bluray. Hier wird neben dem hervorragend ausbalancierten Ton das Konzert fast live in die Wohnstube gebracht. Ein Augen- und Ohrenschmaus!

Redakteur: Wolfgang Wetzel

 


 

Auch als glühender Verfechter der FISH-Ära komme ich nicht umhin, MARILLION einige überragende Momente in der Hogarth-Phase zu attestieren. "Brave" natürlich, vor allem aber in jüngerer Vergangenheit "F.E.A.R." und "With Friends From The Orchestra". Nicht zu vergessen einige großartige Livedokumente.

Nach dieser Einleitung kann man ahnen, dass "With Friends At St. Davids", bei dem das Konzept Band mit Orchestermusikern auf eine Bühne transportiert wird, bei mir einen Stein im Brett hat. Gut die Hälfte der Stücke des Konzerts sind auf der Studiovariante gar nicht enthalten. Damit ist garantiert, dass es einiges zu entdecken gibt. Exemplarisch sei der knapp 20igminütige Opener Gaza hervorgehoben, der nie zuvor so dramatisch und fesselnd präsentiert wurde.

Frontman Steve Hogarth erweist sich sehr mitteilungsfreudig und gibt dem Auditorium längere Erläuterungen zu einzelnen Kompositionen. Das ist nicht nur informativ, es grenzt die einzelnen Stücke noch deutlicher voneinander ab und fokussiert das Publikums auf die nächste Darbietung.

Natürlich ist das Album geprägt von der inzwischen für MARILLION typischen gefühlvollen, melancholischen Aura. Einzige Ausnahme: Zeparated Out, bei dem die Briten mal unbekümmert losrocken und sogar einen kurzen Abstecher zu LED ZEPPELINs Kashmir einflechten. Kommt gut und zeigt, dass das Konzept auch mit härteren Songs funktionieren würde. Ansonsten sind es die üblichen Verdächtigen, die den stärksten Eindruck hinterlassen: Ocean Cloud, The New Kings, The Sky Above The Rain...

"With Friends At St. Davids" überzeugt auf ganzer Linie und gehört im mittlerweile nahezu unübersichtlichen Wust an offiziellen und lediglich direkt über die Band erhältlichen Konzertmitschnitten zu den Empfehlenswertesten.

Redakteur: Martin Schneider

 

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