Marshall Tucker Band

Live On Long Island 04-18-80


CD-Review

Reviewdatum: 23.10.2008
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Steve Braun


Live On Long Island 04-18-80, Shout! Factory, 2006
Doug GrayLead Vocals, Percussions
Toy CaldwellLead Guitars, Lap- & Pedal-Steel, Lead- & Background Vocals
George Mc CorkleRhythm Guitar
Tommy CaldwellBass, Backgound Vocals
Jerry EubanksSax, Flute, Fender Rhodes, Background Vocals
Paul RiddleDrums
Produziert von: Doug Gray Länge: 107 Min 23 Sek Medium: CD
CD 1CD 2
01. Running Like The Wind01. Fire On The Mountain
02. Last Of The Singin' Cowboys02. In My Own Way
03. It Takes Time03. Desert Skies
04. Cattle Drive04. 24 Hours At A Time
05. See You One More Time05. Can't You See
06. Sing My Blues06. Searchin' For A Rainbow
07. Take The Highway07. This Ol' Cowboy
08. Heard It In A Love Song
09. Ramblin'

Am Abend als dieses Konzert aufgezeichnet wurde, dem 18. April 1980 in Long Island NY, war keinem der Beteiligten klar, dass dieses Konzert traurige Geschichte schreiben würde. Es war das letzte Konzert der Urformation der MARSHALL TUCKER BAND.
Nur 10 Tage später starb Tommy Caldwell, der Bassist und Sunny-Boy der Band, an den Folgen eines verheerenden Auto-Crash's. Das klingt jetzt furchtbar pathetisch, doch es sollte danach tatsächlich nichts mehr so sein wie vor diesem tragischen Unglück. Große Bands sind immer mit großen Persönlichkeiten untrennbar verbunden: für SKYNYRD sind das bspw. Ronnie VanZant und Allen Collins, Duane Allman und Berry Oakley für die ABB, Danny Joe Brown und Duane Roland für Molly Hatchet und eben Toy & Tommy Caldwell für die MARSHALL TUCKER BAND. Tommy schrieb zwar bedeutend weniger Songs als sein Bruder Toy, war aber das was man gerne als die "Seele" einer Band bezeichnet. Derjenige, der intern für das Feuer und die Wärme sorgt. Bei Live-Shows war er der uneingeschränkte Publikumsliebling. Er kommunizierte ausgesprochen gerne mit den Fans, so auch an jenem 18.4.1980....

Es wäre auch ohne die historische Dimension des Ereignisses ein denkwürdiger Abend geworden. Es ist unvorstellbar, daß diese Bänder, wie andere übrigens auch [ich verweise auf "Stompin' Room Only"], jahrzehntelang in den Archiven irgendwelcher Company's vor sich hin staubten. Nie wieder, und das sage ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, nie wieder sollte sich die MTB in einer vergleichbaren Spielfreude präsentieren!

Die MARSHALL TUCKER BAND [im folgenden szene-üblich nur noch MTB genannt] wurde 1970 in Spartanburg, South Carolina gegründet, als George McCorkle und Paul Riddle sich mit Tommy Caldwell zusammentaten. Diese brachten die Mitglieder ihres bisherigen Projekts ins Boot, dass aus einer "Kernschmelze" zweier Bands zustande kam: Doug Gray und Tommy Caldwell spielten R&B- und Motown-Sachen, während Bruderherz Toy und George McCorkle eher dem Hardrock zugetan waren. Das erklärt letztendlich auch die stilistische Bandbreite der MTB.
Namensgeber der Band war ein Schlüsselanhäger, den Tommy Caldwell eines Abends im Proberaum fand. Dieser Schlüsselbund gehörte einem stadtbekannten Pianisten, der sich Marshall Tucker nannte und einigen Bandmitgliedern persönlich bekannt war. Jener Marshall Tucker hatte in dem alten Lagerhaus in der Spring Street, in dem die Band übte, einige Zeit einen Plattenladen besessen und besagten Schlüssel schlichtweg vergessen. [vgl. dazu: www.southern-rock.de] Die Namenssuche war somit spontan beendet.
Die MTB etablierte sich nicht nur innerhalb kürzester Zeit, sie wurde gar einer der wichtigsten integrativen Mitglieder in der SR-Szene. Die Verbindungen zur CHARLIE DANIELS BAND, WET WILLIE und den anderen Capricorn-Künstlern ging weit über gewöhnliche Musikerfreundschaften hinaus.

Die MTB stand im absoluten Zenit ihrer Karriere, als man am 18. April 1980 in Long Island auf der Bühne stand. Sie hatten kurz zuvor ein ziemlich lahmes Album, "Tenth", herausgebracht, das es zu promoten galt. Siehe da: live -und zwar Take 3 bis 6- ließen sich diese müden Nummern, namentlich It Takes Time und See You One More Time, doch ganz gut an, was an der Dynamik dieses besonders gelungenen Gigs gelegen haben mag. Kein Hit wird ausgelassen, sei es nun Fire On The Mountain, Take The Highway oder Searchin' For The Rainbow.
Eine Bank sind natürlich die mitreißend inszenierten Klassiker der Band: Ramblin', 24 Hours At A Time und Can't You See - nach diesen Tracks war die Stimmung auf den Siedepunkt. Drei Zugaben gab's für die frenetisch jubelnden Massen, darunter das flockig-groovende This Ol' Cowboy, ebenfalls einem Meilenstein der Band.

Nie wieder sollte die MTB zu dieser ursprünglichen Form finden. Der Tod Tommy Caldwell's war eine heftige Zäsur - vor allem sein Bruder Toy, der maßgebliche Songwriter, war am Boden zerstört. Die folgenden vier Album waren einfach nur schröcklich und er warf 1984 völlig ausgebrannt das Handtuch.
Die Band wurschelt ohne Toy bis in die heutigen Tage vor sich hin. Sie war die einzige SR-Band der ersten Stunde, die sich nie auflösten. Aber außer dem Sänger Doug Gray ist mittlerweile keiner der Urformation mehr dabei und über einen Großteil des Outputs nach Tommys Tod, legt man ohnehin besser den Mantel des Schweigens. Die letzten beiden Album geben allerdings wieder zu Hoffnungen Anlaß, was in erster Linie an dem neuen Gitarristen Chris Hicks liegt, der bereits in den frühen 90ern bei den OUTLAWS für Furore sorgte.

Keine andere Band des Southern-Rocks verschmolz so viele unterschiedliche Stilrichtungen wie Rock, Blues, Country, Bluegrass und auch Jazz zu einer derart gelungenen Mixtur. Völlig klar, daß das nicht jedermanns Sache war - der Respekt vor der musikalischen Leistung der MTB eint aber alle Southern-Rock-Fans.
Das Doppel-Album "Live On Long Island 04-18-80" der MARSHALL TUCKER BAND ist für mich eine der besten Live-Scheiben, die der Southern-Rock jemals hervorgebracht hat, ohne SKYNYRDs "One more from the road" erreichen zu können. Aber daß diese legendäre Scheibe einmal getoppt wird, werde ich zu meinen Lebzeiten ohnehin nicht mehr erleben. Guten Gewissens kann ich zudem jedem Southern-Fan die Live-DVD "Live From The Garden State" von 1981, bereits mit dem etwas farblosen Franklin Wilkins am Bass, empfehlen.

Steve Braun, 23.10.2008

 

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