Megadeth

Rust In Peace Live

( English translation by Google Translation by Google )

CD & DVD-Review

Reviewdatum: 24.09.2010
Jahr: 2010
Stil: Thrash Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Megadeth
Rust In Peace Live, Universal Music, 2010
Dave MustaineGesang & Gitarre
Dave EllefsonBass & Gesang
Chris BroderickGitarre & Gesang
Shawn DroverSchlagzeug & Gesang
Produziert von: Kerry Asmussen (DVD) & Ryan Greene (CD) Länge: 74 Min 03 Sek Medium: CD & DVD
01. Holy Wars...The Punishment Due09. Rust In Peace...Polaris
02. Hangar 1810. Holy Wars Reprise
03. Take No Prisoners11. Skin O' My Teeth
04. Five Magics12. In My Darkest Hour
05. Poison Was The Cure13. She-Wolf
06. Lucretia14. Trust
07. Tornado Of Souls15. Symphony Of Destruction
08. Dawn Patrol16. Peace Sells

1990 war ein Jahr der Veränderung: nicht nur, dass Deutschland offiziell wiedervereint wurde. Auch im Bereich Rock und Metal tat sich einiges. ALICE IN CHAINS läuteten mit “Facelift“ eine weitere Stufe des Grunge ein, SANCTUARYs “Into The Mirror Black“ ist wohl das beste Album, das kaum einer kennt, JUDAS PRIEST ließen ihren “Painkiller“ vom Stapel, SLAYER zeigten auf “Seasons In The Abyss“ neue Abgründe auf, PANTERA legten mit “Cowboys From Hell“ den Grundstein für ihre Karriere, QUEENSRYCHE erreichten mit “Empire“ neue Höhen in den Charts. Aber an MEGADETH und deren Meisterwerk “Rust In Peace“ kam niemand heran im Jahr 1990.

Dabei hatte MEGADETH-Mastermind Dave Mustaine seine Band vor dem Album erst Mal fast runderneuert. Einzig Bassist Dave „Junior“ Ellefson war weiterhin dabei und neu hinzugestoßen waren Marty Friedman an der Gitarre sowie Schlagzeuger Nick Menza. Diese Vier schafften das, was vorherigen MEGADETH-Besetzungen nicht gelungen war: ein Album ohne Fehl und Tadel, ohne Ausfall. Mit jeder Menge großartiger Songs, tollen Soli und klasse Rhythmusarbeit. Auch 20 Jahre nach der Veröffentlichung gehört “Rust In Peace“ noch immer zu den zehn, wenn nicht gar fünf besten Thrash-Metal-Alben aller Zeiten.

Nun hat sich in den letzten Jahren eine Idee durchgesetzt, nämlich besonders würdige Alben neu aufzulegen, neu abgemischt und angereichert um Bonus-Material. Diesen Weg sind bereits PANTERA gegangen und auch QUEENSYRCHE haben dies bereits angekündigt. MEGADETH haben stattdessen eine Tour zum 20. Jubiläum ihres bahnbrechenden Albums gespielt und dabei ein Live-Album und eine DVD aufgenommen, auf denen das gesamte “Rust In Peace“-Album zu sehen ist.

Aus Sicht eines Fans, der mit “Rust In Peace“ zu MEGADETH bekehrt wurde (die Alben davor fand ich eher durchwachsen mit einigen großartigen aber auch einigen unterdurchschnittlichen Songs), wäre der Traum gewesen, Marty Friedman und Nick Menza zumindest für einen Song auf die Bühne zu holen. Aber das klappte wohl auch aus mehreren Gründen nicht (unter anderem dem, dass Friedman mittlerweile in Japan lebt). Aber es wäre nach der Rückkehr von Ellefson das i-Tüpfelchen auf dem Konzert gewesen. Und sowohl Shawn Drover (Schlagzeug) als auch Chris Broderick (Gitarre) hätten wohl nichts dagegen gehabt, schließlich haben sie sich häufig genug selber als Fans der damaligen Besetzung „geoutet“.

Aber auch in der aktuellen Zusammenstellung überzeugen MEGADETH absolut. Die beiden „Jungen“ haben ihre Parts drauf und die beiden „Alten“ scheinen durch die Leidenschaft der Fans und ihrer Neben-Leute ebenfalls mit neuem Feuer dabei zu sein. MEGADETH beweisen bei diesem Konzert im „The Palladium“ in Los Angeles, dass sie immer noch zu den ganz Großen im Business gehören (und nicht nur zu den so genannten „Big Four“ im Thrash Metal, sondern im Metal überhaupt). Aber das hätte wohl nach dem überragenden “Endgame“-Album ohnehin wohl niemand mehr bezweifelt.

Es ist schon fantastisch zu sehen und zu hören, wie die Fans abgehen, wenn MEGADETH Song für Song das gesamte “Rust In Peace“ in Original-Reihenfolge spielen. Jedes Lied wird frenetisch bejubelt und aus voller Kehle und tiefstem Herzen mitgesungen. Das altehrwürdige Palladium mit seiner Theater-Atmosphäre mag zunächst merkwürdig anmuten für so einen Metal-Gig, erweist sich mit seiner erhabenen Schönheit aber als der genau richtige Rahmen für dieses Konzert, das den Abschluss der US-Tournee zu 20 Jahren “Rust In Peace“ darstellte.

Natürlich liegt bei einem Album, beziehungsweise einer DVD, wie “Rust In Peace Live“ der Fokus auf eben diesem Album. So verwundert es nicht, dass sowohl die CD als auch die DVD mit eben diesen Stücken beginnen, obwohl laut Setlist zunächst drei andere Songs gespielt wurden, die aber alle drei dann als „Zugabenblock“ mit drei weiteren Songs später doch noch auftauchen. Über die Songs noch viele Worte zu verlieren, wäre wie die berühmten Eulen nach Athen oder die nicht minder bekannten Tulpen nach Amsterdam zu bringen.

Die Lieder werden denn auch mit der nötigen Konzentration und Hingabe von der Band dargebracht. Dabei fällt natürlich der ein oder andere Fehler sowohl beim Gesang als auch bei den Gitarrenspuren auf. Aber auf der anderen Seite gibt es der Aufnahme eine zusätzliche Authentizität, denn die wenigen Verspieler oder falschen Gesangs-Töne beweisen auch, dass hier nicht nachbearbeitet wurde, oder gar Spuren im Studio nachträglich korrigiert wurden. Zudem muss man ja auch klar sehen, dass das Material eben nicht einfach, sondern im Gegenteil komplex und anspruchsvoll ist, auch für Profi-Musiker.

Eine optische Kleinigkeit, die mich aber besonders gefreut hat, ist der Umstand, dass Shawn Drover sein Drumkit für diese Tour etwas modifiziert hat: es sieht nun exakt so aus, wie jenes, das damals Nick Menza auf der “Rust In Peace“-Tour in Europa spielte. Damals stand ein gerade 18-jähriger Schüler in der ersten Reihe der Düsseldorfer Philipshalle und hielt Menzas Kit für das coolste aller Zeiten. Sicher Drover spielt etwas technischer und versierter als Menza, der sehr treibend und groovend agierte, aber das sind lediglich Nuancen.

Auf der DVD gibt es zudem noch ein kleines Feature, bei dem hauptsächlich die Fans zu Wort kommen, die aus allen Regionen der USA angereist waren, um an diesem Abend dabei zu sein. Aber auch Einblicke hinter die Kulissen werden gewährt, inklusive Aufnahmen aus dem Warmspiel-Raum, in dem sich die Band zum Playback warmspielt.

Einen Wermutstropfen hat die DVD aber und das ist der Schnitt. Hier wird durch allzu viele, schnell aufeinanderfolgende Cuts Hektik verbreitet. Dabei wäre es wünschenswert, auch mal etwas länger bei Chris Broderick zu verweilen, wenn er eines der Soli spielt, oder aber Shawn Drover mal beim Drumming richtig über die Schulter schauen zu dürfen. Zudem sind die Kameraleute nicht immer da, „wo die Musik spielt“. Ebenfalls etwas verwunderlich erscheint die Entscheidung, von den an dem Abend gespielten 18 Songs, zwei nicht zu veröffentlichen (The Right To Go Insane, Headcrusher). Gerade auf der DVD hätte das wohl kaum zu Platz-Problemen geführt.

Insgesamt gesehen aber ist “Rust In Peace Live“ der perfekte Traum für jeden MEGADETH-Fan und auch jeder Metal-Fan, der bislang nicht mit Mega-Dave und seiner Band in Berührung gekommen ist sollte an diesem Paket seine helle Freude haben. Hier wird in knapp 80 Minuten Metal-Geschichte zelebriert, wie sie besser nicht sein kann. MEGADETH sind in Hochform, das Publikum ist ekstatisch, die Lokalität ist perfekt gewählt und das dargebotene Material genügt allerhöchsten Ansprüchen. Wer dieses Werk nicht kauft, mag entweder keine Live-Alben oder mag keinen Metal. Der Rest der Welt hat keine Entschuldigung.

Marc Langels, 23.09.2010

 

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