Metal Church

Distillator
Bliksem

Saarbrücken, Garage, 08.05.2016

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 13.05.2016
Stil: Heavy Metal, Thrash Metal

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Metal Church Homepage



Redakteur(e):

Marc Langels


Metal Church, Bliksem, Distillator,
Saarbrücken, Garage, 08.05.2016

Seit 1981 existieren METAL CHURCH, doch erst nach 35 Jahren schaffen es die Ur-Metaller um Band-Leader Kurt Vandehoof und den „verlorenen Sohn“, Mike Howe, erstmals in Saarbrücken aufzutreten. Die Landeshauptstadt des Saarlandes präsentiert sich an diesem Tag von ihrer schönsten Seite, strahlender Sonnenschein treibt die Temperaturen auf Werte knapp unter 30 Grad und sollten es die Musiker geschafft haben (der Tourbus der beiden Supportbands BLIKSEM und DISTILLATOR steht schon um kurz nach zehn Uhr neben der Garage), dann konnten sie einen herrlichen (Mutter-)Tag hier verbringen.

Wie sich aber zeigt, hält das traumhafte Wetter offenbar den einen oder anderen Headbanger davon ab, an diesem Abend in die Garage zu pilgern und führt dann stattdessen zu anderen Aktivitäten wie etwa Motorradtouren und ähnlichem. Denn leider ist die Location leider noch recht leer, als um Punkt 19 Uhr mit DISTILLATOR die erste Band die Bühne entert. Etwas weniger als 100 Fans tummeln sich in der Halle, und so kommt es zu der seltenen Begebenheit, dass bei einem Metal-Konzert zu Beginn mehr Fotografen in der ersten Reihe stehen als Zuschauer (auf einen Fotograben wurde an diesem Abend verzichtet).

Photo-Credit: Marc Langels

Hier gibt es weitere Impressionen von DISTILLATOR.

Das Trio aus den Niederlanden bietet etwas mehr als eine halbe Stunde seinen Old-School-Thrash-Metal, der spürbar von solchen Bands wie etwa DESTRUCTION, SODOM oder auch frühen KREATOR geprägt wurde. Da gehören auch mal wieder Nieten (wenn auch kleine) und ein Patronen-Gurt zur Bühnen-Bekleidung, allerdings sehr dezent. Trotz des spärlichen Zuspruchs bietet die Band ihre Nummern dann mit dem richtigen Enthusiasmus und nutzt dabei sehr bewegungsfreudig die Bühne. Natürlich könnten Licht und Sound etwas besser sein – und gerade der letztere sorgt auch dafür, dass die Nummern irgendwie immer wieder ein gutes Stück weit gleich klingen. Trotzdem haben die Jungs ihren Spaß und das überträgt sich – zumindest teilweise - auch auf die anwesenden Zuschauer. Ein ordentlicher Opener, dem allerdings die richtigen Killer-Songs fehlen, um mehr als einen „nur“ guten Eindruck zu hinterlassen.

Photo-Credit: Marc Langels

Nach dem Old-School-Thrash von DISTILLATOR ist es nun Zeit für Old-School-Metal. Die Belgier BLIKSEM hatten bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Album "Gruesome Masterpiece" überzeugen können. Nun gilt es das auch auf der Bühne zu bestätigen. Live kommen die Stücke fast noch wuchtiger als auf der Platte. Aufsehenerregend ist hingegen der Anblick von Sängerin Peggy Meeussen. Eine Frontfrau mit zahlreichen Tätowierungen und einem rosa Kleidchen sieht man auf Metal-Bühnen nicht allzu oft. Dafür überzeugt sie mit einer starken Gesangs-Performance. Sie singt, schreit und manchmal keift sie auch aus Leibeskräften, dass es eine wahre Freude ist.

Photo-Credit: Marc Langels

Hier gibt es weitere Impressionen von BLIKSEM.

Trotzdem trauen sich die Zuschauer immer noch nicht so recht ran an die Bühne und auch der Applaus kommt noch recht zögerlich von dem sich langsam füllenden Auditorium. Aber dafür bietet der Auftritt des Quintetts keinen wirklichen Anlass. Sicher, viele Posen wirken etwas zu routiniert und auch der Kontakt zum Publikum könnte etwas ausgiebiger sein, aber das sind eigentlich die einzigen Kritikpunkte, die man hier anbringen könnte. Vielmehr liegt es vermutlich daran, dass die Zuschauer mit dem Material der Band einfach nicht vertraut sind und daher der berühmte Funke nicht so überspringt. Und im Endeffekt sind die Fans natürlich auch gekommen, damit ihnen ordentlich die heilige „Metal Messe“ gelesen wird und die gibt es eben nur in der „Metal Kirche“.

Diese beginnt ihren Gottesdienst dann nach erfreulich kurzer Umbauphase mit einem echten Ausrufezeichen. Wo viele andere Bands mittlerweile mit dem Opener des aktuellen Werkes die Bühne entern, da wählen METAL CHURCH mit Fake Healer gleich mal einen Klassiker, um die mittlerweile schätzungsweise 450 bis 500 Headbanger direkt mal auf Betriebstemperatur zu bringen. Und prompt wird es sowohl in der Halle als auch vor der Bühne auf einen Schlag mal richtig voll. Und sowohl von der Performance als auch was den Sound betrifft, gibt es einen echten Qualitäts-Quantensprung zu verzeichnen.

Photo-Credit: Marc Langels

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Sänger Mike Howe. Die Rückkehr des „verlorenen Sohnes“ hat der Band offensichtlich einen neuen Schuss Vitalität verpasst. Und auch Howe scheint beflügelt, denn er kann kaum einen Moment stillstehen, sondern tänzelt lässig oder hüpft wie ein Gummiball über die Bühne, animiert das Publikum und überlässt den Zuschauern gerne mal das Singen der Refrains. Dabei hätte er das gar nicht nötig, denn seine überaus markante Stimme klingt so kraftvoll wie eh und je. Die lange Abstinenz aus dem Musikbusiness scheint ihm auf jeden Fall nicht geschadet zu haben – vielleicht hat sie ihm sogar eher noch dabei geholfen, mit 50 Jahren noch so vital und bei voller Stimme zu sein. Dabei lässt er sich auch nicht von ein paar Mikrofon-Problemen und einem Mikro-Wechsel bei Gods Of 2nd Chance irritieren.

Photo-Credit: Marc Langels

Die Setlist dieser Tournee beweist denn auch, wie sträflich unterbewertet METAL CHURCH eigentlich sind (im Prinzip geht es ihnen ebenso wie ARMORED SAINT, die ebenfalls ein deutlich höheres Ansehen und zwar nicht nur in Insider-Kreisen genießen sollten). Zum anderen zeigt es auch, wie stark das aktuelle Album, “XI“, ist. Es haben zwar nur drei davon in die Auswahl geschafft, aber Reset, No Tomorrow und Killing Your Time, fallen selbst gegen Klassiker der Marke In Mourning, Date With Poverty, Watch The Children Pray, No Friend Of Mine und Badlands nicht ab. Dabei fällt auf, dass sich die Band heute insgesamt auf nur sechs Alben (das Debüt, “The Dark“, “Blessing In Disguise“, “Hanging In The Balance“, “The Human Factor“ und das aktuelle Werk) konzentriert.

Das Quintett präsentiert das Material mit Spielfreude, Präzision und gnadenloser Power. Dafür werden sie auch von der ersten Minute an frenetisch abgefeiert. Und die Ankündigung von Howe, dass die Band etwa zehn Minuten nach der Show alles signierten beziehungsweise für Fotos mit jedermann zur Verfügung stehen werde löst dann noch mehr Begeisterung aus. Schließlich muss man für solche Aktionen bei anderen Bands noch mal ganz schön tief in die Tasche greifen und dazu dann auch noch Restriktionen in Kauf nehmen. Das Konzert vergeht denn auch fast wie im Flug. Nach gerade einmal 68 Minuten verlässt die Band dann zum ersten Mal die Bühne, bevor sie kurze Zeit später dann für die finalen Zugaben Badlands und The Human Factor wieder zurückkehrt.

Photo-Credit: Marc Langels

Hier gibt es weitere Impressionen von METAL CHURCH.

So kommt der Auftritt der Band zwar nur auf knapp eineinhalb Stunden Dauer – aber dafür sind es knapp 90 Minuten, an die sich die Zuschauer sicherlich noch lange erinnern werden. Angesichts der nicht gespielten Nummern aus dem umfassenden Back-Katalog der Band eigentlich eine Schande, aber dann hätten METAL CHURCH natürlich gut und gerne doppelt so lange spielen können/müssen, um alle Wünsche zu befriedigen. Und so verlässt hier niemand murrend die Halle sondern vielmehr froh darüber, dieses Konzert erlebt haben zu dürfen. Und mit dem guten Gefühl, dass es METAL CHURCH endlich mal nach Saarbrücken geschafft haben – und hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Vielen Dank an dieser Stelle noch an Philipp Adelsberger von NUCLEAR BLAST für die Akkreditierung.

Marc Langels, 08.05.2016

 

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