Michael Fracasso

Saint Monday


CD-Review

Reviewdatum: 18.02.2012
Jahr: 2011
Stil: Rootsrock, Singer/Songwriter

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Redakteur(e):

Michael Stepien


Michael Fracasso
Saint Monday, Little Fuji, 2011
Michael FracassoVocals,acoustic & electric guitars,piano,percussion
Jim LewisElectric guitar,piano,vocals
George ReiffBass,percussion
Mark PattersonDrums,pecussion
Patty GriffinVocals,whistling (track 6)
Whit WilliamsElectric guitars (track 8)
Jimmy SmithBass (track 4)
Kevin RusselMandolin (track 9)
Steve BellonsPercussion (track 8)
Matt The ElectricianTrumpet (track 8)
Produziert von: Jim Lewis Länge: 32 Min 55 Sek Medium: CD
01. While The Night Is Young06. ADA, OK
02. Eloise07. Broken Souvenirs
03. Little Lover08. Gypsy Moth
04. Elisabeth Lee09. Working Class Hero
05. Saint Monday10. Another Million

Erstmalig konfrontiert wurde ich mit der Music von Michael Fracasso in meinem damaligen Stamm- Plattenladen "Mr. Dead and Mrs. Free" in Berlin. Wer sich für amerikanische Rootsmusik interessierte war hier immer richtig. Und Volker, der Mann hinter der Ladentheke kannte meine Vorliebe für Singer/Songwriter aus dem amerikanischen Süden. Als er die CD "Love & Trust", Michaels Debüt, anspielte, war ich allerdings von der hohen Tenorstimme des Wahltexaners ziemlich irritiert. Meine damaligen Helden wie Guy Clark, Jerry Jeff Walker oder Joe Ely klangen anders. Aber natürlich hatte ich mir die CD 1993 gekauft und die Scheibe wuchs mit jedem Durchlauf. Und sie wuchs mir sehr ans Herz. Noch stärker, vor allem was das Songwriting betrifft, geriet dem Mann, der ursprünglich aus einem kleinen Kaff in Ohio namens Mingo Junction stammte, der Nachfolger "When I Lived In The Wild". Obwohl ich beide CDs immer wieder gern gehört habe, habe ich den Musiker dann aber aus den Augen verloren. Bis vor kurzem seine siebte Scheibe "Saint Monday" ihren Weg in meinen Player fand.

Etwas ungewöhnlich war die Herangehensweise an das Album: Fracasso bat den Schriftsteller, Freund und Hobbygitarrist Jim Lewis ("The King Is Dead"), das Album zu produzieren. Der hatte so etwas zwar noch nie gemacht, sagte aber zu. Die Arbeit von Jim Lewis begann damit, dass er sich mit der Funktion des Produzenten auseinandersetzte. In einem Interview sagte er dazu: "That feel for things was meant to feed Fracasso’s, and it was expressed in an endless series of decisions, large and small: what instruments to use, what parts to play, which microphone, which take, how a line should be phrased, how much reverb do we need here, and maybe we should cut that verse, and maybe play this faster, or slower, or backward or not at all."

Unterstützt wurde Michael bei seinem aktuellen Album von einer Reihe exzellenter Musiker aus der grandiosen Musikszene Austins. Am Bass ist mit George Reiff ein Veteran der Austin-Szene zu hören. Der Mann spielte z.B. auf dem aktuellen Album der Band Of Heathens, bei J.D. Graham und vielen anderen. Drummer Mark Patterson (Robert Earl Keen,jr., Bruce Robison usw.) hat einen ähnlichen Background. Kevin Russel und Jimmy Smith von der großartigen Rootsrockband THE GOURDS sind bei einige Songs ebenso zu hören wie die Singer/Songwriterin Patty Griffin.

Mit den zehn Songs von "Saint Monday" präsentiert Michael Fracasso eine stilistische Vielfalt, die ich so nicht erwartet hätte. Der Opener While The Night Is Young ist Rootsrock in bester Austin-Tradition. Die Gitarren von Michael und Tim Lewis sind bei dem Song die dominierenden Instrumente. Eloise ist ein für mein Empfinden etwas flacher Popsong. Dieser eher negative Eindruck wird durch Michaels ungewöhnliche Stimme wett gemacht. Bei Little Lover gefallen mir die E-Gitarren sehr gut. Auch der Song ist m.E. etwas leichtgewichtig. Elisabeth Lee ist mein Highlight: Der mit einer akustischen Gitarre und etwas Schlagzeug spärlich instrumentierte Anfang hat die Eindringlichkeit früher Country- Blues-Aufnahmen. Wenn nach 30 Sekunden die volle Band mit verzerrten und verfremdeten E-Gitarren einsetzt, entsteht eine düstere Stimmung, die mich an eine meiner Lieblingsbands der 90er erinnert: JUNKHOUSE aus Kanada, um den heutigen Blackie & The Rodeo Kings Musiker Tom Wilson.

Das Titelstück ist wieder deutlich pop-orientierter. Die wunderbare Melodie geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Toller Song. ADA OK ist schöner Countryrock mit dem Duettgesang von Michael Fracasso und Patty Griffin im Zentrum. Die beiden Stimmen passen ausgezeichnet zueinander. Das kurze Gitarrensolo ist total auf den Punkt gespielt und veredelt den Song.
Broken Souvenirs ist mit knapp 2 Minuten der kürzeste Track und einfach ein netter Song mit einer hübschen Melodie.Die beiden elektischen Rhythmusgitarren bei Gypsy Moth kommen wunderbar leichtfüssig daher und begleiten die schöne Gesangsmelodie kongenial. Die hohe Stimmlage von Michael passt richtig gut zu dem Song. Der Song ist mein zweites Highlight von "Saint Monday". Tim Lewis hat hier auch einen ausgesprochen guten Job als Produzent gemacht. Die verzerrten Gitarren im Hintergrund und die Trompete von Matt The Electrician sorgen für zusätzliche musikalische Spannung. Die Idee, einen so oft gecoverten Song wie Working Class Hero von John Lennon auf die CD zu bringen fand ich auf den ersten Blick unsinnig. Nachdem ich die Interpretation von Michael Fracasso gehört habe, habe ich allerdings meine Meinung geändert. Viele Coverversionen halten sich doch sehr stark ans Original. Michael und seine Musiker machen aber etwas ganz Eigenes aus dem Song. Das fängt beim leicht verschleppten Rhythmus von Bass und Drums an, die ein leichtes Jazz-Feeling erzeugen. Die Schichtung von mehreren elektrischen und akustischen Gitarren erzeugt eine spannende Basis für Michael Fracassos Stimme und abwechselnd Mandoline und E-Gitarre, die die melodische Untermalung der Stimme übernehmen. Eine wirklich gelungene Coverversion! Die CD schließt mit der Ballade Another Million, bei der der Gesang allein von einem Piano begleitet wird.

Nach knapp 33 Minuten ist die neue CD von Michael Fracasso zu Ende und hinterläßt bei mir ein angenehmes Gefühl. Sie wird sicher öfters in meinem Player liegen. "Saint Monday" ist für mich die Wiederentdeckung eines Musikers und für alle, die gern Musik aus der texanischen Musikhauptstadt Austin hören ein dicker Tipp. Aber auch alle anderen sollten der CD und Michael Fracasso eine Chance geben.

Michael Stepien, 13.02.2012

 

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