Michael Lee

Michael Lee


CD-Review

Reviewdatum: 28.06.2019
Jahr: 2019
Stil: Blues Rock
Spiellänge: 47:46
Produzent: Nick Choate & Nick Jay

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Plattenfirma: Ruf Records


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Delbert McClinton

B.B. King

Freddy King

Titel
01. Heart Of Stone
02. Don't Leave Me
03. Weeds
04. Praying For Rain
05. Love Her
06. This Is
 
07. Can't Kick You
08. The Thrill Is Gone
09. Fool Of Oz
10. Here I Am
11. Go Your Own Way
Musiker Instrument
Michael Lee Electric Guitar, Acoustic Guitar, Vocals
Blaine Crews Drums
Scott Lee Bass
Colin Campbell B3, Rhodes
Preston Lewis Saxophone
Evan Templeton Trumpet
Jordan Carr Trumpet

So ist das heutzutage: Michael Lee hat sein Debüt bereits 2014 veröffentlicht und sich in Texas und drumherum durch alle einschlägigen Clubs gespielt. Richtig bekannt wurde er aber durch seinen Beitrag bei “The Voice“ (das Format kennt man hierzulande ja auch), B.B. Kings The Thrill Is Gone. Anscheinend haben sich bereits über sechs Millionen User das im Internet angeschaut.

Wenn er genauso viel von dieser Scheibe hier verkauft, wird der Texaner mehr als froh sein. Nun, seine Chancen sind auf jeden Fall dadurch gestiegen, dass ihn die nimmermüde deutsche Blues Rock-Plattenfirma Ruf Records unter ihre Fittiche genommen hat. Hier ist man ständig auf der Suche nach neuen Blues-Talenten und scheint hier ein weiteres Mal fündig geworden zu sein.

Also, TV- und Internethype hin oder her, diesem leicht bübischen Gesicht auf dem Cover, hätte man die Stimme kaum zugeschrieben, die einem da aus den Boxen entgegen kommt. Das klingt mindestens nach einem drei Mal so alten Herrn und die Hautfarbe müsste auch deutlich dunkler sein. Komplett live eingespielt hat man dem Vernehmen nach (tippe mal, die Bläser kamen hinterher aufs Band) und es klingt auch äußerst direkt, was Lee und Gehilfen hier fabriziert haben. Dazu sehr rau. Groovt heavy und wurde in Soul und R&B tief getränkt.

Don't Leave Me kommt deutlich ruhiger und sanfter angelegt. Nichtsdestrotz sehr erdig und große Gimmicks nicht. Einfach Feeling pur. Wer die gospelhaften Background-Sängerinnen sind, darüber schweigt sich das Cover aus, aber in diesem Song ist Anthony Farrell für das feine B3-Solo verantwortlich und Charley Wiles steuert eine zweite Gitarre bei.

Wenn der Hausbesitzer in den Garten schaut und es wuchert das Unkraut, greift er zur Heckenschere oder Sense. Mr. Lee greift zur Gitarre und schreibt den Song Weeds. Klingt ja irgendwie auch besser. Voller Schwung, triebhafte Bläsersätze und erneut diese wahrlich tolle Stimme. Da denkt man öfter an die großen Soulsänger von einst.

Bleiben wir noch kurz beim Gärtnern: Praying For Rain  kommt da auch schon einmal vor – gerade in diesen Tagen - , aber hier geht’s doch eher um einen Heavy-Highwater-Blues. Düstere Bläser, düsteres Szenario und eine derbe Delta -Blues-Gitarre. Nach solchen Song ist man immer froh, wenn es eine kleine Auflockerung gibt. Love Her versetzt uns in eine eher beschwingte Stimmung und bringt wieder jede Menge Soul mit ein.

This Is besticht mit der gefühlvoll eingesetzten Wah-Wah-Gitarre und der ruhigen und doch spannungsvollen Atmosphäre. Und wieder diese Stimme! Geschaffen um diese Musik aus Gospel, Soul und Blues zu singen.

Dabei können die Jungs auch gut rocken, wie Can't Kick You unterstreicht. Michael Lee sieht sich stark von Freddie King und Delbert McClinton beeinflusst. Von ersterem hat sein Gitarrenspiel etwas und von McClinton die Art tolle Songs zu schreiben, die locker rocken können und auch Tiefgang haben.  Mit Ausnahme von The Thrill Is Gone hat Lee alle Songs hier selbst geschrieben. Ja, und in der Tat, an den großen King muss man sich erstmal heranwagen. Und die Version ist ihm in der Tat gelungen. Sowohl sein Gitarrenspiel – prägnant, aber nicht übertrieben - , als auch, und besonders, sein wundervoll “knödelnder“ Gesang sind ein Genuss.

 Bei Fool Of Oz fließt eine Menge Southern Soul und R&B mit ein,  während bei Here I Am wieder der melancholische Blues die Oberhand gewinnt. Ein klassischer 12-Takter beschließt dann das Album. Allerdings wird bei Go Your Own Way nach gut zwei Minuten ein Kick-Down vorgenommen und das Ding rauscht plötzlich dahin, wie die Feuerwehr. Bis es wieder in einen schwerfälligen, nahezu psychedelischen Groove verfällt.

Ein wunderbares, äußerst frisches Album hat Michael Lee da mit seiner Band aufgenommen. Da freut man sich, den doch hoffentlich bald in unseren Landen auf der Bühne zu sehen. Vielleicht beim nächsten Blues Caravan?

 

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