Michael Schenker

MSG

Revelation

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 29.09.2019
Jahr: 2019
Stil: Hard Rock
Spiellänge: 77:08
Produzent: Michael Schenker & Michael Voss

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Plattenfirma: Nuclear Blast


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

UFO

Scorpions

Rainbow

Titel
01. Rock Steady
02. Under A Blood Red Sky
03. Silent Again
04. Sleeping With The Light On
05.The Beast In The Shadows
06. Behind The Smile
07. Crazy Daze
08. Lead You Astray
09. We Are The Voice
 
10. Headed For The Sun
11. Old Man
12. Still In The Fight
13. Ascension
Bonus:
14. Armed And Ready (Live)
15. Bad Boys (Live)
16. Rock Bottom (Live)
Musiker Instrument
Michael Schenker Lead & Rhythm Guitar
Gary Barden Vocals
Graham Bonnet Vocals
Robin McAuley Vocals
Doogie White Vocals
Steve Mann Keyboards, Guitar
Chris Glenn Bass
Bodo Schopf Drums
Additional Musicians:
Ronnie Romero Vocals on We Are The Voice
Michael Voss Backing Vocals
Simon Phillips Drums

Ja, was würden wir bloß machen, hierzulande, hätten wir nicht unseren Michael Schenker? Schwermetallschmiede, die wissen, wo der Hammer hängt, finden sich auch in der Bundesrepublik mittlerweile zur Genüge, aber international kann man damit nur bedingt wuchern. Und jemand, der neben dem schweren Riff-Breitschwert auch ein feines Florett führen kann, welches einem direkt ins Metaller-Herz sticht, ja, da tut man sich dann doch schwer.

Zum Glück haben weiland die britischen UFO den blonden Michel von den SCORPIONS gestohlen und somit eine Hass/Liebe ermöglicht, von welcher der frühe Hard'n'Heavy Rock bis heute provitiert.

Zum Glück hat Schenker auch vor Jahren wieder in die Spur gefunden, und weil es noch etliche nicht-mehr-ganz-junge Rocker gibt, kann er seit einiger Zeit auf einen Fundus von alten und neuen Weggefährten zurückgreifen, die sich und uns einen zweiten bis dritten – oder ist es schon der vierte? - Frühling bescheren.

Was sich vor Jahren unter “Temple Of Rock“ zusammenscharte, ist mittlerweile zum MICHAEL SCHENKER FEST geworden, aber letztlich geht’s natürlich eigentlich um die MICHAEL SCHENKER GROUP, kurz: MSG.

Unter diesem Banner gab es bereits wundervolle Nostalgie-beladene Konzerte und auch ein Album namens “Resurrection“ erschien 2018. Natürlich mit dem bewährten Potpourrie der verschiedenen Sänger und das Rezept, dieweil es sich ja bewährt hat, hat man auch für “Revelation“ - dem diesjährigen Lonplayer – beibehalten. Ich meine, ob das jetzt eine “Offenbarung“ ist, das wird jeder selbst entscheiden müssen. Sicherlich wird man Michael nicht gleich ans V seiner typischen Gitarre nageln.

Los geht’s mit dem etwas arg pathetischen Rock Steady: “It all began long ago, you have to understand, the boy became a rock star, with a guitar in his hand...“, aber, um noch einmal aufs Albumcover zu sprechen zu kommen: Das ist ja auch etwas arg …, nun ja, wir sind bei Hard und Metal und da gehört eine gewisse Theatralik von jeher dazu. Immerhin, der Künstler hat penibel darauf geachtet, dass Michael an eine Dean Gitarre gebunden wird und nicht an eine Gibson Flying V, mit der man ihn in ersten Hälfte seiner Karriere assoziiert hat.

Zwischendurch rockt die Nummer dann doch ganz genehm und erhällt ihren Charme durch die Teilnahme aller Vokalisten. Hört sich zumindest so an.

Beim zweiten Song erinnert das Riff an frühe MSG-Großtaten a la Victim Of Illusion oder Cry For The Nations, erreicht dann deren Klasse zwar nicht – dazu wird es zu sehr durchgeknüppelt und Doogie White müht sich auch nicht sonderlich um Akzente - , aber immerhin, bei Schenkers Solo schmilzt man zumindest ein bisschen dahin. Silent Again, erneut ein klassisches Schenker-Riff, das die Nummer antreibt und McAuly bringt das auch gesanglich in die Rock-Hymnen-Spur. Rhythmisch ist mir's immer noch etwas zu stupid, aber allein von der Gitarre her macht das schon Spaß.

Ja, es sind (auch) diese Wiedererkennungsmerkmale, die den Reiz des Albums ausmachen. Etwa wenn Graham Bonnet The Beast In The Shadows sich nahe an alte Glanzzeiten kräht. Da kommen einem Songs wie Desert Song oder auch seine Zeiten bei RAINBOW in den Sinn. Eine Rock'n'Roll-Stimme, die so manchen Klassiker geprägt hat und auch Schenker legt hier an Agressivität zu. Weil wir eben von RAINBOW sprachen: Drei der hier vertretenen Sänger haben dort auch schon mitgewirkt (bei Richie sollte man sich der aktuellen Besetzung nie so sicher sein...) und Doogie White gehört zu ihnen. Ohne ihn würde Behind The Smile sicher mehr nach UFO klingen. Michael liefert hier jedenfalls wieder Zeugnis seiner Klasse ab.

MSG-Ur-Sänger Gary Barden passt für mich einfach am besten zu dieser Band. Leider kann er stimmliche Power von einst nicht mehr erreichen, aber Crazy Daze hat trotzdem noch dieses Dynamik, wie sie die ersten MSG-Alben prägte und – man muss es fast nicht mehr erwähnen – sein Lead-Gitarrist wirkt besonders inspiriert.

Teils, wie in Lead You Astray und auch in We Are The Voice wird fast schon metal-mäßig aufs Tempo gedrückt. In Letzterem ist übrigens RAINBOW-Sänger Ronnie Romero als Gast am Mikro zu hören. Bekennender Michael Schenker-Fan (wenn das Blackmore erfährt...), der er ist, legt er sich auch ganz schön ins Zeug, driftet, für mich, im Refrain aber irgendwie mehr Richtung SCORPIONS ab.

Aus der regulären Abteilung sticht noch Old Man hervor. Ein schwerer Stampfer, mit mal einem etwas anderen Ansatz. Natürlich aber trotzdem typischer MSG-Stoff. Nur die Plastik-Streicher im Hintergrund hätt's nicht gebraucht. Mit Still In The Fight liefert Graham Bonnet noch einmal einen Wachruf ab – diese Stimme hat doch sicher schon im Kindersalter sein Umfeld erschüttert! - und bei ihm kommt so eine Pedal-to-the-metal Nummer auch mit am besten.

Zum Schluss gönnt Schenker seinen Sängern die verdient/nötige Erholung und liefert mit Ascension eines seiner Instrumental-Stücke ab, bei denen man von jeher keinen Gesang vermisst. Wenigen Gitarristen kann ich so lange aufmerksam beim Solo-Spiel zuhören.

Wer die Möglichkeit hat, kauft das Digi-Pack mit Bonus-Tracks (vielleicht sollte ich mir ob des Covers gar die LP holen..) und erhält drei Live-Songs obendrein. Wo die aufgenommen wurden, darüber schweigt sich das Booklet aus, dafür schreibt man Armed And Ready bei den Credits Grahamt Bonnet aufs Banner, wo jeder weiß, dass Gary Barden die Lyrics geschrieben hat.

Davon abgesehen, die Songs kommen gut und druckvoll. Barden, wie gehabt, etwas schwachbrüstiger aber mit dem gewissen Feeling. Robin McAuley kann Bad Boys nicht aus dem SCORPIONS-Fahrwasser steuern, was Schenker aber zumindest im Solo schafft.

Zum Schluss eine der Rock-Hymnen (hier erfährt mittels Ansage, dass in Tokyo aufgenommen wurde): Rock Bottom verfehlt seine Wirkung bei mir nie und ich schätze, das wird den meisten Hörern so gehen. Eine ganze Viertelstunde tobt sich Michael hier aus und fordert von seinen Musikern enormes Durchhaltevermögen.

Auch deswegen ist “Revelation“ ein gutes bis sehr gutes Rockalbum geworden. Wie viele Titel einem letztlich über Jahre im Gehör bleiben, wird sich zeigen, aber Ausfälle, bei denen man vorspulen muss, sind hier jedenfalls keine dabei und für Gitarrenliebhaber ist Schenker nach wie vor immer zu empfehlen.

Schön auch, dass man im Booklet des unlängst verstorbenen Drummers Ted McKenna gedenkt und ihn gebührend würdigt.

 

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