Michael Walker

Laurel Canyon

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 30.12.2007
Jahr: 2007
Verlag: Rogner & Bernhard

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Laurel Canyon, Rogner & Bernhard, 2007
ISBN: 978-3-8077-1032-7
Umfang: 352 Seiten
Preis: 19,90 € zzgl. Versandkosten

Zu Beginn war alles einfach, beschaulich, gemütlich, liebenswert und ruhig. Am Anfang stand der Entdeckergeist, der künstlerisch geprägte Idealismus, die musikalische Aufbruchsstimmung, geschürt durch die Elektrifizierung des Folk und die folgende, blumenreiche Hochzeit zwischen Country-, Rock- und Folk- und Singer-Songwritermentalität. THE BYRDS, BUFFALO SPRINGFIELD, Joni Mitchell, Frank Zappa, THE MAMAS & THE PAPAS, insbesondere deren gewichtige Vorsteherin Cass Elliott bewässerten innerhalb des sagenumwobenen Laurel Canyon musikalisches Neuland, und die Früchte, die alsbald darauf erwuchsen, waren so betörend süß, dass es einem die Sinne vernebelte.

Michael Walker, selbst Bewohner des Laurel Canyon und geschätzter Journalist für diverse Postillen wie 'The New York Times' und 'Los Angeles Times' machte sich also auf, den Geheimnissen des Canyon ein wenig intensiver zu folgen, um sie anschließend in diesem sehr unterhaltsamen und spannenden Buch zu veröffentlichen. Hierzu befragte er in endlosen Interview-Sessions diverse Zeitzeugen (Gail Zappa, Chris Hillman, Graham Nash, Pamela Des Barres u.a.) und ehemalige Bewohner des Canyon, um quasi einen schillernden Regenbogen aus irrwitzigen Anekdoten und frappierenden Insider-Informationen zu gestalten.
Der Leser wird schnurstracks in diese brodelnde Sechziger Jahre-Ära versetzt, in der Hippietum und Bohème als konterkulturelle Strömungen die verkrusteten Gesellschaftsstrukturen und eingleisigen Denkweisen aufzuweichen versuchte, nicht zuletzt durch freizügigen Genuß bewußtseinserweiternder Drogen.
Die Musik, die seinerzeit dabei entstand, besitzt bis heute prägenden Charakter für Heerscharen Nachgeborener. Einflüsse von Bands wie THE BYRDS, THE EAGLES, Crosby, Stills, Nash & Young, Joni Mitchell und Jackson Browne lassen sich einfach nicht verleugnen. Der sogennannte Westcoast-Sound wurde zum Trademark, entwickelte sich aber im Laufe der folgenden Jahre zu einem immer starrer werdenden Gebilde und verriet unter Einflussnahme des großen Geldes und eines explodierenden Drogengenusses seine eigenen Wurzeln und degenerierte schließlich mehr und mehr zu einem dekadenten und snobistisch verklärten Kunstprodukt, das sämtliche Ecken und Kanten, jeglichen Charme verloren hatte. Ende der Siebziger Jahre war wirklich alles vorüber, die süßen Früchte des Laurel Canyon überreif, gärend, geplatzt und verfault. Ein zum Himmel stinkendes Gewirr aus fehlgeleiteten Träumen und Idealen.

Diese teilweise aberwitzige, zeitweilig sehr spannende, bisweilen anrührende, mitunter auch haarsträubende Geschichte erzählt uns Michael Walker in klarer, sehr differenzierter Sprache, meist sehr sachlich, selten einmal überschwänglich, nie aufschneiderisch und macht dieses sehr empfehlenswerte Buch zu einer aufregenden Reise in eine Welt, in der die Rockmusik noch frische Luft atmete und bereit war, in einem halsbrecherischem Spurt für aufsehenerregende Geschehnisse zu sorgen. Eine wichtige Zeit, eine Ära stilbildender Rock-Strömungen, doch leider auch der Beginn des Ausverkaufs im Rock'n'Roll-Business. Dieses absolut kurzweilige Buch sollte für jeden rockmusikalisch interessierten Liebhaber zur Pflichtlektüre werden.

Frank Ipach, 30.12.2007

 

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