Mike Zito

Blue Room


CD-Review

Reviewdatum: 19.12.2018
Jahr: 2018
Stil: Blues Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Mike Zito
Blue Room, Ruf Records, 2018
Mike ZitoVocals, Guitar
Doug ByrkitBass Guitar
Brian ZielieDrums
Produziert von: Kevin Gerdes Länge: 51 Min 00 Sek Medium: CD
01. Hollywood06. Shoes Blues
02. Pull The Trigger07. Ways About You
03. It's All Good08. Soundcheck
04. Gravy Jam09. Lightening Bug
05. Lovering10. Rocket Man

Mittlerweile kennt jeder Blues- und Blues Rock-Interessierte den Namen Mike Zito. Weil er dessen hervorragende Alben schätzt, weil auf geile Gitarrenarbeit steht, weil er rauen straigth-in-your-face Gesang mag oder einfach, weil er auf gute Songs steht.
Richtig bekannt wurde er hierzulande als Mitbegründer der ROYAL SOUTHERN BROTHERHOOD, bei der er sich die Gitarrenarbeit mit Devon Allman teilte. Seit er auf Solopfaden wandelt, veröffentlicht er ein tolles Album nach dem anderen und profiliert sich nebenbei noch als Produzent für Kolleginnen und Kollegen. Auf Solopfaden wandelte er allerdings auch früher schon, als er nämlich beschloss, die Coverband-Szene zu verlassen und es mit eigenen Songs zu probieren. Das führt uns 20 Jahre zurück, in den Keller eines Hauses in der Nähe von St. Louis, in dem an einem einzigen Tag das Album “Blue Room“ eingespielt wurde.

Richtig gelesen: Ein Tag! Keine Overdubs – vom Gesang mal abgesehen – und kaum Schlaf in der Nacht zuvor, da natürlich ein Gig gespielt werden musste. Und entsprechend klingen diese Songs. Keineswegs hingeschludert, aber man spürt die aufgekratzte Verfassung des Trios. Mit Hollywood geht‘s sehr funky los. Groovt total ansteckend, würde man heutzutage sicher etwas “sauberer“ produzieren, aber der Sound von Zitos Gitarre ist beispielsweise so richtig klasse. Gut das daran nichts “poliert“ wurde.
Wie mir Mike einst im Interview erzählte, wurde er auch stark von Eddie Van Halen beeinflusst. Glaubt man sonst nicht so, wenn man seinem Gitarrenspiel zuhört, aber wenn‘s in den Solopart von Pull The Trigger geht, dann nickt man plötzlich wissend. Ja, gibt es schon deutliche Parallelen.
Insgesamt geht‘s recht funkig zu, was dem jahrelangen Spielen in Clubs geschuldet sein dürfte, denn so kriegt man zumindest die Mädels recht schnell auf die Tanzfläche und dann folgen die Jungs schon früher oder später. Im Allgemeinen. Wenn so flinke Finger wie Mike hat und einen so coolen Rhythmus vorlegen kann, wie in Gravy Jam, beeindruckt man zwangsläufig jeden Zuhörer. Was den Beitrag von der Rhythmusabteilung nicht schmälern soll, im Gegenteil, denn die sind ja ebenso verantwortlich für diesen Beat. Trotzdem: Normal bin ich kein Freund von Trios, weil spätestens in den Soli die Unterstützung der zweiten Gitarre fehlt, aber so wie Mike Zito das kompensiert, das nötigt schon gehörigen Respekt ab. Im fast 8-minütigen Blues-Jam Lovering toben sie sich für mich zwar etwas ausufernd aus, aber irgendwo muss die Energie ja hin.

Und davon haben die drei reichlich. Und die kanalisieren sie in boogie-fizierte Texas-Blues Songs, wie Shoes Blues und auch in ansatzweise ruhigere Stücke, wie Ways About You. Auch in dieser pulsierenden Nummer spürt man diese Aufgekratztheit, befeuert durch die Euphorie ein Album aufzunehmen und natürlich den Gig in der Nacht zuvor sowie die durch den fehlenden Schlaf aufgerauten Nerven.
Natürlich gehört ins Programm auch ein Blues in bester Roots-Manier, aber auch hier folgt Zito nicht ausgetretenen Pfaden, sondern drückt dem seinen eigenen Stempel auf. Dem Puristen wird hier womöglich zuviel soliert, aber den erwähnten Umständen entsprechend, müssen hier schon Zugeständnisse gemacht werden.
Erneut fast acht Minuten beansprucht die Funk-Nummer Lightening Bug. Zitos Stimme klingt hier schon reichlich beansprucht, wie das gegen Ende eines Gigs der Fall ist. Die Finger gleiten umso flüssiger und der Gitarrist zeigt noch einmal, was er damals schon alles drauf hatte.
Man muss diese rohe Art der Aufnahme mögen, aber wer Zitos spätere Arbeiten zu schätzen weiß, kriegt hier einen tollen Einblick, wo der Sänger/Gitarrist musikalisch herkommt und wie er sich entwickelt hat.
Als Bonus gibt‘s dann noch eine sehr bluesige, leicht an Hendrix erinnernde Version von Elton Johns Rocket Man. Natürlich wird‘s auch hier noch einmal recht heftig und der “Blue Room“ bekommt eine eher rote Farbe. Blueser mit etwas weiter weiter gestecktem Interessengebiet sollten dem hier unbedingt mal ein oder zwei Ohren leihen und sich an einer erfreulichen Wiederveröffentlichung freuen.

Epi Schmidt, 16.12.2018

 

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