Mike Zito

Gone To Texas


CD-Review

Reviewdatum: 21.06.2013
Jahr: 2013
Stil: Roots Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Mike Zito
Gone To Texas, Ruf Records, 2013
Mike ZitoVocals and Guitars
Jimmy CarpenterSaxophone, Vocals, Percussion
Rob LeeDrums
Scot SutherlandBass
Lewis StephensB 3 and Piano
Susan CowsillVocals
Special Guests:
Sonny LandrethSlide Guitar on Rainbow Bridge
Delbert McClintonVocals on The Road Never Ends
Produziert von: Mike Zito Länge: 62 Min 05 Sek Medium: CD
01. Gone To Texas08. The Road Never Ends
02. Rainbow Bridge09. Subtraction Blues
03. I Never Knew A Hurricans10. Hell On Me
04. Don't Think Cause You're Pretty11. Voices In Dalls
05. Death Row12. Wings Of Freedom
06. Don't Break A Leg13. Let Your Light Shine On Me
07. Take It Easy

Der "Greyhound" (Bus), den Mike Zito in seinem letzten Album bestiegen hat, hat ihn nach Texas transportiert. Drogen und andere Probleme trieben ihn fort von Heimat und Familie und man kann es ein bisschen verstehen, warum er den Lone Star State so preist, da er dort wohl zu Ruhe und neuen Lebensgeistern gefunden hat. Außer in Texas, ist Zito auch beim deutschen Ruf Records Label angekommen und findet dort wohl eine ebenso passende wie befruchtende Unterkunft.
Nach den eher feuchten Sümpfen Louisianas und dem New Orleans Groove, den er mit der ROYAL SOUTHERN BROTHERHOOD - wo auch Devon Allman mit von der Partie ist - zelebriert hat, wird es Richtung Mexiko naturgemäß etwas trockener und staubiger.
Groovig bleibt es aber, wie der Opener Gone To Texas gleich klar macht. Und dass sich Zito auch gesanglich weiterentwickelt hat, hört man auch umgehend. Ist es die geschundene Seele, die aus diesen Zeilen spricht? Auf jeden Fall hört man ihr gleich gebannt zu und die Band, THE WHEEL, zelebriert dazu einen herrlich dahingleitenden Rhythmus, der Mike's Reise unterstreicht. Besonders gut macht sich das Saxofon von Jimmy Carpenter und der knorrige Gitarrensound von Zito.

Ganz ohne Louisiana bleibt es nicht, denn bereits im zweiten Song, Rainbow Bridge, gibt’s Besuch von dem Slide-König Sonny Landreth, der mit seinem typischen Spiel und Sound hier Glanzlichter setzt. Rockt und rollt und bluest und grooved. Einfach geil. Hier wird auch der Backgroundgesang von Susan Cowsill deutlicher, was den Sound zusätzlich bereichert.
Ständig zu rocken, das war noch nie Mike Zitos Stil und Kraft hat ihn seine Reise auch gekostet, sodass ruhiger dahinziehende Songs, wie I Never Knew A Hurricane, auch mal sein müssen und tatsächlich sind solche Swamp-Balladen ja auch was Schönes. Wunderbar stimmungsvoll die Hammond B 3 von Lewis Stephens.
Dass Zito auch selbst eine raue Slide-Gitarre zu spielen versteht (und ebenso singt!), zeigt das schwerfällige . Da bläst einem der Wüstenstaub um die Ohren und wirbeln einem die herrenlosen Noten gegen die Stirn, während die Orgel bedrohlich brodelt. Puh, da kommt man sogar beim Zuhören ins Schwitzen.
Da kommt das eher entspannte - wenngleich spannend erzählte - Death Row recht, bei dem Mike im Delta-Blues-Stil nur zu einer stampfenden Trommel auf der Akustik-Slide-Gitarre seine Geschichte erzählt.
Back to New Orleans und somit leicht jazzig und funkig geht’s mit (wer wollte das schon?). Animiert sofort zum Aufstehen und mittänzeln. Klar, dass hier das Saxofon wieder gut kommt und auch Hammond und Gitarre liefern hier perfekte Soli ab. Irgendwie denke ich im Laufe des Albums auch öfter an Carl Carlton …

Take It Easy ist eine weitere tolle Ballade, die den Hörer gefangen nimmt. Das ist wirklich beeindruckend, wie Zito einen hier vereinnahmt und mit seiner Intensität an den großen Frankie Miller erinnert. Genau hinhören!
Bei Delbert McClintons The Road Never Ends gastiert der Ausnahme-Songschreiber selbst und zusammen zelebrieren sie einen tollen Boogie von HEAT-Qualitäten.
Beim leicht sperrigen Subtraction Blues fühle ich mich an John Hiatt erinnert. Diese holprige Art zu singen und spielen und alles locker, wie in einer Jam-Session, klingen zu lassen, hört man bei dem auch oft. In Hell On Me wird’s zunächst flotter, aber auch schnell wieder düster-groovig, irgendwo zwischen Tom Waits und TITO & TARANTULA.
Diese Vergleiche/Hinweise sollen nur die Vorstellung beflügeln, denn Zito kann natürlich durchaus als selbstständig gelten. Das muss man alles erst einmal so hinkriegen und mit Wings Freedom liefert er schließlich noch eine Southern-Midtempo-Nummer, die Ohrwurmqualitäten hat und wie man sie in den 70ern gern bei den Vertretern des Southern Rock gehört hat.
Mike Zito hat hier zweifellos ein tolles Album vorgelegt, in dem er seine Sucht und Probleme aufs Beste verarbeitet hat, und auf dem er auch von der Zusammenarbeit mit den Jungs von der ROYAL SOUTHERN BROTHERHOOD hörbar profitiert.
Let You Light Shine On Me singt er zum Schluss, bluesig und allein zur Gitarre. Möge dieses Licht hell und lange scheinen.

Epi Schmidt, 14.06.2013

 

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