Motörhead

Kiss Of Death

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 26.08.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland

Tim C. Werner


Motörhead
Kiss Of Death, Steamhammer/SPV, 2006
Ian "Lemmy" Kilminster Bass & Vocals
Phil Campbell Guitar
Mikkey Dee Drums
Produziert von: Cameron Webb Länge: 46 Min 11 Sek Medium: CD & LP
1. Sucker8. Christine
2. One Night Stand9. Sword Of Glory
3. Devil I Know10. Be My Baby
4. Trigger11. Kingdom Of The Worm
5. Under The Gun12. Going Down
6. God Was Never On Your SideBonus Track (CD only):
7. Living In The Past13. Whiplash

Eines gleich vorweg: MOTÖRHEADs 2004er Longplayer "Inferno" ist seit dem 29. August 2006 nicht mehr das aktuelle Studiowerk des Britendreiers und darf deshalb - endlich! - vor dem historischen Hintergrund aller Veröffentlichungen gesehen werden. Ergebnis dieser Betrachtung: Der beste Output seit langem. Möglicherweise Meilenstein.

Aber genug von den ollen Kamellen. Wenden wir uns dem Heute zu: Die beste MOTÖRHEAD-Scheibe ist immer die Neue. Schon aus dem einfachen Grund, dass die Männer immer noch spielen und immer noch Schallplatten aufnehmen. Wir erinnern uns: Die Band wird bald 31, ihr Frontmann Lemmy, der maximo líder des Rock'n'Roll, wird bald 61 Jahre alt!
MOTÖRHEAD können dabei nicht reduziert werden auf Alben wie "Bomber", "Overkill", "Ace Of Spades" und "No Sleep 'Til Hammersmith". Ihre Legtitimation beziehen sie aus der Gegenwart und insbesondere aus der Tatsache, dass sie in der Rockszene eine immer noch mehr als relevante Band darstellen. Allein vier Studioalben seit dem Jahr 2000 zeigen dies überdeutlich. Und außerdem gibt es jetzt MOTÖRHEAD-Merchandising bei H&M.

Die neue Scheibe also heißt "Kiss Of Death" und steht seit Ende August in der Auslage meines Plattendealers. Natürlich - auch das ist bei Mr. Kilmister und seinen Kollegen Ehrensache - erscheint der Tonträger auf Vinyl (Für Digitalfreaks: CD auf Wunsch).
Sie ist nach - jetzt aufgepasst - "On Parole" (1976), "Motörhead" (1977), "Overkill" (1979), "Bomber" (ebenfalls 1979), "Ace Of Spades" (1980), "Iron Fist" (1982), "Another Perfect Day" (1983), "Orgasmatron" (1986), "Rock'n Roll" (1987), "1916" (1991), "March Ör Die" (1992), "Bastards" (1993), "Sacrifice" (1995), "Overnight Sensation" (1996), "Snake Bite Love" (1998), "We Are Motörhead" (2000), "Hammered" (2002) und "Inferno" (2004) bereits das neunzehnte Studioalbum. Wir dürfen uns also nächstes oder übernächstes Jahr - nach den Feierlichkeiten zum Dreißigsten im Jahre 2005 - auf ein weiteres Bandjubiläum freuen: Die zwanzigste Platte.

Aber zunächst zurück zur neunzehnten: Nach dem straighten, schnellen und harten, sehr Heavy-Metal-lastigem "Inferno" (2004) sind MOTÖRHEAD im Jahre 2006 wieder erdiger geworden. Flotte, mitunter lockere Rocknummern zeigen dies mehr als deutlich (Christine, Sword Of Glory, Be My Baby, Under The Gun). Nach Aussage von Herrn Kilmister höchstselbst ist dafür auch und gerade der Produzent Cameron Webb (u.a. SOCIAL DISTORTION, ZEBRAHEAD, und schon bei "Inferno" an den Reglern) verantwortlich. Zitat: "Cameron ist der beste Produzent, den wir je hatten - besser noch als Howard Benson. Er hat das dritte Auge, wie wir sagen. Er weiss genau, wann ein Take gut genug ist und wann nicht. Er sieht aus wie ein harmloser Student, aber er kennt keine Gnade".
Bezeichnenderweise sind nur drei Tracks des Albums jenseits der Vier-Minuten-Marke angesiedelt, der große Rest bleibt darunter, der treibende Opener Sucker liegt mit nur 2.59 Minuten vorne.
Die Düsternis vergangener Tage findet sich nur noch in dem bösen Living In The Past und dem fast schon progressiven Kingdom Of The Worm. Mein Favorit: Die eruptive Halbballade God Was Never On Your Side mit ihrem nachdenklichen, von Bitterkeit geprägtem Text.

Fazit: MOTÖRHEAD haben sich mit "Kiss Of Death" an der hohen Messlatte von "Inferno" vorbeigemogelt und mit einer leichten Stilmodifikation ein modernes und doch klassisches Rockalbum abgeliefert. Wer Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee (noch) nicht kennt, der sollte zuerst "Kiss Of Death" hören.

Tourdaten:
02. bis 25.11.2006 - Vereinigtes Königreich
27.11.2006 - B-Brüssel, Ancienne Belgique
28.11.2006 - NL-Heerhugowaard, De Waerdse Tempel
29.11.2006 - Düsseldorf, Philipshalle
01.12.2006 - Magdeburg, AMO
02.12.2006 - Leipzig, Haus Auensee
03.12.2006 - Bremerhaven, Stadthalle
05.12.2006 - Berlin, Columbiahalle
08.12.2006 - Lingen, Emslandhallen
09.12.2006 - Trier, Messeparkhalle
11.12.2006 - Stuttgart, Congresscentrum
12.12.2006 - München, Zenith

Tim C. Werner, 26.08.2006

"Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn", so steht es geschrieben nach den Rezensionen der hier agierenden Autorinnen/Autoren. Na gut, gebe ich an dieser Stelle meinen Senf dazu ab.

Kollege Werner ist ein MOTÖRHEAD-Fachmann. Wenn der "Inferno" mit dem Status eines Klassikers in Verbindung bringt ist da gewiss auch was dran. Aber mal der Reihe nach...
"Bomber" aus dem Jahre 1979 ist auch so ein ewiger Evergreen. Ja nee, is klar. Bomber, der Titelsong selber, keine Frage. Aber der Rest? Klasse, oft bluesiger Stoff, aber warum spielen die Motörköppe nicht mal ein bisschen mehr davon "alive"? Eingebettet zwischen "Overkill" (auch 1979) und dem genialen "Ace Of Spades" (1980) geht heutzutage schnell unter, dass Lemmy & Co. es eigentlich nie schafften, einer außergewöhnlichen Leistung sprich einem formidablen Album ein zweites qualitativ ähnliches Werk folgen zu lassen. Klar gab es Hammer-Alben wie "Orgasmatron" (1986) oder "Bastards" (1993), doch es wurde auch leider reichlich viel, milde gesagt, Füllmaterial präsentiert. Klar, die Meinungen gehen da weit auseinander, zumal immer wieder prima Songs wie aus dem Nichts auftauchten. Eine Schwalbe macht jedoch noch keinen Sommer, und die Neunziger und beginnenden ersten Jahre des neuen Jahrtausends ließen mich in Sachen "MOTÖRHEAD" fast zu einem ewig Gestrigen mutieren.
Dann kam "Inferno" (2004) und ein absoluter Sahneauftritt beim Arrow Rock Festival im gleichen Jahr. "Inferno" mag nicht die Wellen wie seinerzeit "Ace Of Spades" geschlagen haben, die Zeiten sind andere geworden. Das allerdings tut dem Fazit keinen Abbruch, dass es sich hierbei um ein Album handelte, welches wie der 80er-Output als ein "Werk wie aus einem Guss" zu betrachten war. Nicht einen Schwachpunkt beinhaltend, hatten die Herren Kilmister, Campbell und Dee der legendären Besetzung mit Fast Eddie Clarke und Philthy Animal Taylor endgültig den Rang abgelaufen. Nur, bei MOTÖRHEAD folgten solchen Highlights stets, wenn nicht gar Tiefschläge, dann zumindest jedoch Niedergänge. Und hier liegt der "casus cnactus". "Kiss Of Death" knüpft an die Leistungen des Vorgängers an. The best MOTÖRHEAD ever? Ja, für mein Verständnis on stage sowieso, Vinyl- bzw. für die digitalen Jünger/innen auf CD endlich auch. Experimenteller (no panic, for MOTÖRHEAD-conditions only) als vor zwei Jahren, jedoch ohne einen Millimeter von den Wurzeln abweichend.

Sucker, One Night Stand und der groovende Schädelspalter Devil I Know geben einem bei rasiermesserscharfem Sound gleich so was von auf die Glocke, als hätte es die Jahre zwischen 2004 und jetzt nicht gegeben. Trigger wirkt vielleicht ein wenig ideenlos, aber für einen typischen Band-Brecher reicht es allemal. Under The Gun geht erneut megamäßig in die Beine, ehe God Was Never On Your Side die Band von einer eher ungewohnten Seite zeigt. Ich sag mal: Halb-Ballade vom Feinsten!
Schöne Grüße von RAMMSTEIN bei Living In The Past, allerdings mit allen motörhead'schen Trademarks. Christine ist so ein Boogie-Monster, wie es sich so manche vielleicht nur einmal im Leben aus dem Ärmel schütteln können. Die Herren Kilmister, Campbell und Dee rocken hier dermaßen das Haus, dass Örtlichkeiten, deren Bedachung lediglich aus Dachpappe besteht, dringendst auf ein Engagement (Tourdaten siehe Bericht Tim Werner) verzichten sollten.
Leider geht es im letzten Drittel des Album zwar überdurchschnittlich heftig, aber nicht immer spektakulär und wie von "Inferno" her gewohnt groovig zur Sache. Bitte nicht missverstehen, der Hammer kreist immer noch, doch nicht immer so locker flockig lässig wie vor zwei Jahren.
Der Bonus-Track Whiplash wird gekonnt von METALLICA auf MOTÖRHEAD umgetrimmt und sorgt für einen in dieser Form nicht erwarteten weiteren Höhepunkt.

"Ace Of Spades", "Inferno" und "Overkill" bleiben unerreicht, gefolgt von ... "Kiss Of Death"! Wenn das mal nix ist.

Jürgen Ruland, 08.10.2006

 

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