Airbourne

München, Backstage, 21.12.2008

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 21.12.2008

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


München, Backstage, 21.12.2008
Aaaaaahhh... - für AIRBOURNE

Reden wir mal über Magie!
Es begab sich einstmals im Schwabinger Bräu. Wir schrieben den 20.10.1978 und AC/DC gaben sich das erste Mal als Headliner in München die Ehre. Die Bude war rammelvoll, roch nach Schweiß, verschüttetem Bier und Marihuana. Die Vorband war Scheiße, das Bier noch billig und die Zeit bis AC/DC auftraten zog sich bis ins Unendliche. Ein handfester Bierrausch war die Folge und der Rezensent drohte ordentlich zu versacken.
Aber dann war es endlich es soweit. Ein total durchgeknallter, hippeliger Spät-Pennäler rammelte mit einem schier endlosen Boogieriff auf die Bühne. Die Drums kamen mit einem Bums, der den (damals jungen und sehr betrunkenen) Rezensenten sofort daran erinnerte, Muttern versprochen zu haben Wattebäuschlein in die Ohren zu stecken. Scheiß egal jetzt, denn noch während dieses Gedankenganges und des noch immer andauernden Riffs enterte ein, dass lockige Haupthaar schüttelnder, rechts tragender Vokalist die Bühne.
-Und dann ging das ab, wie es noch nie zuvor im Leben des Schreibers abging. Der Rausch war wie weggeblasen, der Testosteron-Ausstoß mehr als unanständig und der bekiffte Bunny, der sich neben mir, obenrum nur mit einer Fransenlederweste bekleidet, die Nippel wund rieb, führte zu einer dauerhaften Scrotum-Verhärtung. Von der ersten Minute dieses Gigs war eine irre brizzelnde, einzigartige Magie zu spüren. Die Wildheit, Rohheit und Hoheit der fünf Jungens um AC/DC hinterließ bei jedem der ca. 800 Anwesenden prägendste Brandzeichen auf Arsch oder Buckel. Jesus, wer hatte (rückblickend), von einem Volksschauspieler Namens Walter Sedlmayr abgesehen, eine solch beißende Süffisanz zwischen, mitten und unter den Zeilen zu vermelden?! Wer konnte aus jedem Komma und jedem Strichpunkt einen solchen Zynismus durch die Zähne quetschen? Jawoll: Mister Bon "Have a Drink" Scott!

Zeitsprung; 30 Jahre später
Reden wir mal über Magie!
Es begab sich diesmal im Münchener Backstage. Wir schrieben den 21.12.2008 und AIRBOURNE, zufälliger Weise auch aus Australien (scheint tatsächlich ein fruchtbares Stückchen Erde zu sein), gaben sich die Ehre. Schon am Einlass eine mindestens vierreihige, lange Warteschlange. Ein paar "Haie" wurden noch ihre, zu 40 EURO das Stück, "Spekulationsobjekte" los und unzählige, leere Bierflaschen links und rechts der Menschenschlange kündeten von guten Voraussetzungen. Uns kümmerte aber die Schlange nicht weiter, denn wir durften, dank Roadrunner's Sylvie Atterer, die uns nachträglich noch auf die Gästeliste setzte, die "kleine Pforte" an der Seite benutzen.
Kaum in der Halle und gerade zweimal umgedreht machte es "zapp"!
-Und da war sie, die Magie! Es lag sicher nicht an der rammelvollen Bude. Auch nicht am überteuerten Bier oder dem "Rauchverbot". Es lag auch nicht an der, gar nicht so üblen, Vorband oder an den vielen jungen Hühnern. Es lag etwas in der Luft, was so mancher alter Knochen, der hie und da zu sehen war, auch zu wittern schien. Mehrere Blickwechsel unter uns "Alten" deuteten das jedenfalls an. Das Jungvolk vor der Bühne war jedenfalls bester Stimmung und soff sich schon mal gewaltig ein. Erste Bierbecher flogen. Noch bevor überhaupt ein Ton gespielt, war die Stimmung riesig. Ob die Jungen auch was witterten oder nur Party wollten, muss ich den Lesern schuldig bleiben. Es war kein Durchkommen in Richtung Bühne möglich. Als der schwarze Vorhang, der während der Vorband noch als Kulisse diente, fiel, ging ein erstes, ernstes Raunen durch die knapp 600 Kehlen. Die Amp-Batterie, die AIRBOURNE aufgestellt hatten war (für die kleine Halle) überaus beeindruckend! Der Gröl-Pegel stieg weiter an, ein paar "Linientreue" schwenkten die australische Flagge und der Inhalt der fliegenden Bierbecher stieg beständig...
-Und dann "zappte" es abermals! Ein schier endloses Boogieriff durchbrach die Halle wie Blitz und Donner. Scheinwerfer hüllten die Bühne in gleißendes Licht. Ein junger Lockenkopf, obenrum genauso unbekleidet wie einstmals Bon "Have a Drink" Scott wirbelte auf die Bühne und sprang, während er emsig solierte, regelrecht im Viereck!
Der Gedanke "Ey Alter, wo nimmst du die Kondition her" tat sich kurz auf, dann aber ergab sich auch der Rezensent den überaus beeindruckenden Schallwellen. Es brizzelte! Es brizzelte ganz gewaltig. Ich hatte echt nie mehr damit gerechnet, nochmal ein solches Brizzeln spüren und erleben zu können! Ein Jungbrunnen?! Nein, sicherlich nicht, aber ganz gewiss eine Viertelliter fassende Aufbauspritze!

AIRBOURNE fegten mit Stand Up For Rock 'n' Roll durch die Halle, dass die Fetzen flogen. Innerhalb von Sekunden bildete sich vor der Bühne eine Moshpit, die einem, sich lösenden, Bienenschwarm gleichkam. Innerhalb von drei Minuten schaffte es die Band einen zerebralen Flächenbrand auszulösen und das Backstage zum kochen zu bringen. Mit Hellfire gab es gleich noch einen auf die Mütze und der Punch, der mit dem irren Fat City folgte, streckte dann wohl den letzten Zweifler nieder. Die Band bangte. Die Jungen bangten, die Alten bangten; die Bierbecher, Tresen Kühlschränke und Garderobenständer bangten auch. Das folgende Diamond In The Rough brachte dann auch noch die Hallenwände zum Bangen. "Can't get enough..."! Genauso muss es wohl auch beim Aufeinandertreffen von Eisberg und Titanic gewesen sein...
Glänzende Augen, schreiende Münder, fliegende Haare, Arme voller Gänsehaut, flatternde Samenstränge und harte Brustwarzen all überall. Hat eigentlich schon einmal jemand seinen Doktortitel über die faszinierende Erotik brizzelnder Hardrockkonzerte gemacht? Wenn nicht: In AIRBOURNE findet sich das perfekte Studienobjekt und der Beweis des Machbaren!
Zwischendrin eroberte sich der Lockenkopf, mit Gitarre durch die Menge eiernd, den Tresen. Fetzte ein Solo raus, ließ sich 'ne Kiepe Bier einschenken, kippte es ex, schrammelte noch mal ein Solo raus und verschwand wieder in der Menge. Ist das Tausend und eine Nacht hier...?!
Doch es kam noch besser: Bei Whats Eatin' You flog die Kuh, beim nachgeschobenen Girls In Black schon eine ganze Herde. Suchend fielen die Augen auf einige Paradeexemplare "in Black". Scheiße, ich bin fast 50, geschieden, allein erziehend und hab' meinen 12-jährigen, pubertierenden Jungen dabei. Darf ich nun auf schaukelnde Möpse und und aus den Hosen spitzende Tangas gucken oder darf ich nicht...?
-Na also!!
Mit dem sensationellen Cheap Wine & Cheaper Women, in dessen Vorfeld Joel O'Keeffe sympathisch-theatralisch eine Pulle Roten öffnete, fand der Gig, noch bevor Runnin' Wild angestimmt wurde, seinen Höhepunkt. Kunstvoll zog die Band dieses herrliche Songmonster in die Länge. Die Kühe aller Länder hatten sich über dem Hallendach vereinigt und zappelten wie eine Traube heliumgefüllter Luftballons im kalten Dezemberwind. Was für eine Show!!!

Heartbreaker knallte uns um die Ohren wie eine Harley auf höchsten Umdrehungen, ehe Too Much, Too Young, Too Fast das viel zu frühe Ende einläutete. Die Halle tobte und brodelte wie ein Texas Twister und es dauert keine drei Minuten, bis Mister Lockenkopf und seine Mitstreiter mit einem fulminanten, geschätzt 10-minütigen Runnin' Wild auf die Bühne zurück kehrten. Spätestens jetzt hatte irgendjemand die Kühe von der Leine gelassen. Gab es zwischenzeitlich kein Halten mehr, so war jetzt die Hölle los. Aber Papa, wenn dass die Hölle ist, wirft mein Großer g'rad ein, dann is die aber voll geil!" (Siehste Junge, haste wieder was gelernt!)
Spätestens bei Runnin' Wild neigte sich des Rezensenten Blutdruck dem roten Bereich zu, verkrampften sämtliche Coronargefäße. Und noch bevor das Konzert mit einem Donnerschlag an Blackjack endete, graste der Schreiber seine, seit 1975 erlebten Konzertbesuche nach Vergleichbaren ab. Gut, MANOWAR waren, 1986 noch mit nackten Ärschen in Ledergamaschen gewandet, ein absoluter Hammer. IRON MAIDEN hatten im Zirkus Krone zur 1982er "Beast on the Road-Tour" einen Schmackes auf der Pfanne, der nie wieder erreicht wurde. MITCH RYDER war ein Jahr später in der Alabamahalle stockbesoffen, hat aber dann einen Gig hingelegt, der nie vergessen werden wird. Aber eine solche Magie wie hier bei AIRBOURNE habe ich nur bei oben erzählten AC/DC Konzert, bei RAINBOW 1977 und bei PINK FLOYDs 1978er grenzgenialer "Animals-Tour" erlebt. Herrgott (und Roadrunner), ich danke euch!

Langsam muss ich wohl zum Ende kommen. Wer diesen Konzertbericht bisher aufmerksam gelesen hat, dem wird, neben ein paar chauvinistischen Phrasen, nicht entgangen sein, dass einige unbeantwortete Fragen auftauchten. Natürlich häufen sich die zwangsläufig, wenn man einen Gig so aus dem Bauch heraus beschreibt, wie ich das gerade tue. Dennoch wartet jeder, der dieses Review bislang nicht so ganz nachvollziehen konnte und vielleicht noch nie Bekanntschaft mit dieser Art beschriebener Magie schließen durfte, auf irgendwelche Antworten.
Es gibt nur Eine!
Wer jemals behauptete es gäbe ihn nicht mehr; wer jemals tönte, er wäre vor lauter Kommerz verkommen; wer jemals glaubte, er wäre schon lange tot, dem sei eins gesagt: ER LEBT!!! Denn dass ist ROCK 'N' ROLL!!!

Christian "Grisu" Gerecht, 21.12.2008

 

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