Nathan East

Nathan East

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 29.10.2015
Jahr: 2015
Stil: Smooth Jazz

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Nathan East Homepage



Redakteur(e):

Frank Ipach


Nathan East
Nathan East, Concord Records, 2014
Nathan EastElectric Bass, Upright Bass, Vocals
Michael Thompson, Ray Parker Jr.Guitars
Jeff Babko, Greg PhillinganesKeyboards
Eric ClaptonLead Guitar
Stevie WonderHarmonica
Ricky LawsonDrums
Tim CarmonHammond B-3
David PaichWurlitzer Piano
Rafael PadillaPercussion
Michael McDonald, Sara BareillesLead Vocals
Tom Scott, Chuck FindleySaxophone, Trumpet
Produziert von: Chris Gero & Nathan East Länge: 65 Min 39 Sek Medium: CD
01. 101 Eastbound08. Can't Find My Way Home
02. Sir Duke09. Moodswing
03. Letter From Home10. Overjoyed
04. Moondance11. Yesterday
05. I Can Let Go Now12. Finally Home
06. Daft Funk13. Madiba
07. Sevenate14. America The Beautiful

Jahrzehntelang als exzellenter Sidekick am Bass gefragt, entschloss sich Nathan East vergangenes Jahr nun endlich, sein erstes Soloalbum einzuspielen und wurde gleich mit einer Grammy-Nominierung und wochenlangen Nummer Eins Platzierungen in den sogenannten Smooth Jazz Charts belohnt.
East darf immerhin stolz auf vierzig Jahre hingebungsvolle Arbeit und zahllose Studiojobs für allerlei Weltstars wie Eric Clapton, Michael Jackson, Phil Collins, Lionel Richie, George Harrison, Al Jarreau, Stevie Wonder und Whitney Houston zurückschauen. Nicht umsonst liest man auf seiner Website die augenzwinkernde Notiz: "Es ist gut möglich, dass Du dein Leben lang Nathan East gehört hast. Nur, Du hast es nicht gewusst."

Kaum verwunderlich, dass dem fast 60-Jährigen eine ansehnliche Horde namhafter Kumpels zur Seite stand (Ray Parker Jr, Ricky Lawson, Jeff Babko, Michael Thompson, Tom Scott, Greg Phillinganes, Eric Clapton), um ihm sowohl beim Musizieren als auch beim Komponieren unter die Arme zu greifen. Denn Nathan East, der schon in den 70s als Teenager für Barry White spielte, ist nun wirklich kein Fließband-Songwriter, sondern vertraut eher auf Fremdkompositionen bzw. Kollaborationen mit versierten Musikerkollegen. So finden wir auf Nathan Easts selbstbetiteltem Debutalbum neben Adaptionen bereits bekannter Songs von Pat Metheny, Van Morrison, Michael McDonald, Steve Windwood, Stevie Wonder, Bob James und Chuck Loeb nur einige wenige Tracks, die Nathan gemeinsam mit seinem Bruder Marcel East und seinem Co-Produzenten Chris Gero verfasste.

Kennt man Nathan Easts Zusammenarbeit mit seiner Stammkapelle FOURPLAY, die sich seit den frühen Neunziger Jahren mit zahlreichen Albumeinspielungen im Smooth Jazz Genre einen Namen machte, hat man sogleich den musikalischen Rahmen für Easts Soloarbeit umrissen. Recht zugänglicher, melodieverliebter, meist instrumentaler Jazz, der sich sanft und weich, teilweise mit opulenten Horn- und Streicherarrangements in die Gehörgänge schmeichelt und den Adrenalinspiegel nach einem langen, stressgeplagten Arbeitstag herunterregelt.
Nathan übernimmt mit seinem Bass häufig die führende "Stimme" und ersetzt beispielsweise so auf Sir Duke Stevie Wonders Vocals. Auf Steve Winwoods Can't Find My Way Home übernimmt er gleich selbst die Lead Vocals und verleiht dem alten BLIND FAITH Titel einen ätherischen, schwebenden Flow. Van Morrisons Moondance lässt er recht eindrücklich vom stimmgewaltigen Michael McDonald intonieren und formt die Nummer zu einem wuchtigen Big Band Swing Reißer.

I Can Let Go Now, dem melancholischen Schmachtfetzen von Michael McDonalds erster Soloscheibe (1982) spendiert unser Spiritus Rector die leidenschaftliche Stimme von Pop-Chanteuse Sara Bareilles, der es gelingt, dem Song eine anrührende Tiefe zu verleihen. Dem im Original relativ seicht dahin plätscherdem FOURPLAY Klassiker 101 Eastbound verpasst er eine gelungene Frischzellenkur durch einen akzentuiert pulsierenden Groove, südamerikanische Latino-Chöre, höchst prickelnde Slap-Bass-Sololicks und einem erfrischenden Fender Rhodes Solo von Jeff Babko, das Bob James' Klaviersolo von einst vergessen macht.
Wenn Mr. East auf Moodswing seinen Upright Bass auspackt, wird's dann auch mal richtig klassisch jazzig und sehr stimmungsvoll. Auf Stevie Wonders Overjoyed gibt sich der Meister der chromatischen Mundharmonika gar selbst die Ehre, wobei der Track bei aller blastechnischer Grandezza allerdings recht flau dahintröpfelt. Das eh schon ultrasofte Finally Home wird durch Nathan Easts verzärtelte Lead Vocals kaum vor dem Versumpfen gerettet und taugt höchstens für eine nächtliche Heimfahrt auf der menschenleeren Autobahn.

Sofern man nicht gerade ein extremer Verfechter des gediegenen Smooth-Jazz Genre ist, nähert man sich schnell der Erkenntnis, dass Nathan Easts Solodebut zwar jede Menge Licht, aber auch einige Schattenseiten vorzuweisen hat. Ein wenig mehr Lust auf Abenteuer, ein kleines bisschen Risikobereitschaft im Sinne einer extravaganteren Songauswahl hätten dem beliebten Sideman der Weltstars sicherlich noch besser zu Gesichte gestanden und ihm wahrscheinlich nochmals ein paar Pluspunkte eingebracht. So zieht man zwar seinen Hut vor dem immensen und beachtlichen Lebenswerk des Bassmannes aus Philadelphia, bleibt aber angesichts seines nicht vollends überzeugenden Solowerks etwas zwiegespalten zurück.

Frank Ipach, 27.10.2015

 

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