Neal Morse

So Many Roads

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 30.03.2010
Jahr: 2010
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Neal Morse
So Many Roads, Radiant Records, 2010
Neal MorseGesang, Keyboards & Gitarre
Elisa KrijgsmanGitarre & Gesang
Henk DoestKeyboards
Wilco van EsschotenBass & Gesang
Jessica KoomenGesang, Keyboards & Percussion
Collin LeijenaarSchlagzeug & Gesang
Produziert von: Neal Morse Länge: 213 Min 04 Sek Medium: CD
Disc 1Disc 2
01. At The End Of The Day01. Question Mark Medley
02. Leviathan02. Help Me
03. The Way Home03. Testimedley
04. Author Of Confusion/I'm The GuyDisc 3
05. That Crutch01. Walking On The Wind
06. We All Need Some Light02. So Many Roads
07. Lifeline03. Strangers In Your Soul

Er gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten, die der Progressiven Rock-Musik vor allen in jüngerer Zeit ihren unverkennbaren Stempel aufgedrückt haben: Neal Morse. Zunächst als kreativer Kopf hinter SPOCK’S BEARD, dann als treibende Kraft bei der Supergruppe TRANSATLANTIC und in der Zwischenzeit auch als Solo-Künstler.

Dabei war schon immer sein Hang zu ausschweifenden Arrangements eines der Trademarks seiner Musik. Zudem hat Neal Morse es geschafft einen Sound zu kreieren, der eben immer unmissverständlich nach „typisch Morse“ klingt. Das mögen einige Zuhörer als Wiederholung kritisieren, aber Anhänger des Herren wissen um die Vorteile, dass sie eben immer genau das bekommen, wofür sie bezahlen. Und Alben wie “?“, “Sola Scriptura“ und “Lifeline“ (um jetzt nur mal bei den jüngeren Solo-Veröffentlichungen zu bleiben) sind einfach spannende, musikalisch hochwertige Alben.

Häufig scheiden sich auch die Geister an Morses Hang dazu, sein Christentum offensiv und ausgiebig - auch in seiner Musik - auszuleben. Nun ja, sicher gibt es die ein oder andere Stelle, an der ich auch gut auf die wiederkehrenden Lobpreisungen verzichten könnte. Aber meistens gelingt es ohne Probleme, über dieses Glaubensbekenntnis hinwegzuhören. So auch über weite Strecken in diesem Fall.

“So Many Roads“ ist ein Dokument der “Lifeline“-Welt-Tournee, bei dem Morse erneut von einer recht jungen Begleitband unterstützt einen bunten Querschnitt seines kompletten musikalischen Schaffens, inklusive der Flagschiffe SPOCK’S BEARD und TRANSATLANTIC, bietet. Aber auch Raritäten wie etwa That Crutch von seinem “Song From The Highway“-Album werden gespielt. Dabei klingt Morse wie eine Mischung aus Tom Petty und Bob Dylan.

Es ist schon eine kurze Anekdote wert, wie Morse eigentlich zu seiner Backing-Band kam. Deren Drummer Colin Leijenaar hatte Morse geschrieben und behauptet, nicht nur könnten er und seine Freunde die komplexen und anspruchsvollen Songs spielen, sondern sie so spielen, dass sie klingen als wären es ihre eigenen. Morse war erst einmal skeptisch, schließlich umgibt er sich auf seinen Alben mit absoluten Top-Musikern wie Mike Portnoy & Jordan Rudess (DREAM THEATER), Roine Stolt (THE FLOWER KINGS), Paul Gilbert (MR. BIG) oder Pete Trewavas (MARILLION). Aber er gab den jugendlichen Musikern eine Chance und wurde von ihren musikalischen Fähigkeiten überzeugt.

Nun bieten die fünf Musiker und eine Musikerin dreieinhalb Stunden Prog-Rock vom Feinsten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Band wirklich mehr tut, als die Stücke auf exzellente Weise nachzuspielen, aber auch das ist ja schon mal etwas. Und bevor man diese Songs nicht von anderen Musikern live besser umgesetzt hört, kann man nicht anders als beeindruckt sein. Sicherlich fehlen hier eine ganze Menge Stücke, die eigentlich in jede Morse-Setlist gehören müssten, aber bei dem umfassenden Schaffen von Morse ist das leider wohl nicht möglich.

Highlights der Performance sind meines Erachtens nach unter anderem die unglaublich dynamische Version des SPOCK’S BEARD-Klassikers At The End Of The Day, der unentdeckte TRANSATLANTIC-Welthit We All Need Some Light (wie kann dieses Lied eigentlich nicht in der Heavy Rotation der Radistationen sein?), dem abgedrehten Leviathan (so schnelle Passagen hat Morse zuvor noch nie geschrieben) und dem ebenfalls extrem herausfordernden Author Of Confusion/I’m The Guy. Hier beweisen auch die übrigen Mitstreiter, dass sie exzellente Sänger sind. In diesem Kanon im Mittelteil nicht durcheinander zu kommen ist schon eine wahre Meisterleistung.

Wer nun schon so viel hervorragende Musik geschrieben hat wie Neal Morse, der muss bei einem Konzert oder auf einer Tour schon ein paar Abstriche machen, weil er gar nicht jeden Abend alles spielen könnte, was die Fans hören wollen. Dazu greift Morse auf den Kunstgriff des Medleys zurück. So werden die beiden Alben “?“ und “Testimony“ jeweils zu etwas mehr als halbstündigen Kurz-Zusammenfassungen gerafft. Dabei gebührt der Band erneut ein großes Lob: denn es ist das eine, dieses musikalisch komplexe Material überhaupt so gut spielen zu können, es ist aber noch etwas ganz anderes es dann noch in einer komprimierten Version darzubieten, ohne selber verloren zu gehen. Da gehört schon ein großes musikalisches Können dazu, vor dem ich hier symbolisch den Hut ziehe.

Generell bleibt festzuhalten, dass die Band vor allem in den rockigen, treibenden Passagen auflebt. Die ruhigen Momente sind wahrlich auch nicht von schlechten Eltern, aber wenn sie rocken und rollen dann klingt es wirklich so, als wäre hier eine wirkliche Band am Werk und nicht ein Solo-Künstler mit seiner Backing-Band. Zudem hat Morse seine allzu offensichtlichen „religiösen Beschwörungen“ hier deutlich zurückgefahren (obwohl sie ja in allen Texten stecken), so dass auch atheistische Prog-Rocker bedenkenlos zugreifen können. Zusammen mit dem letzten Live-Album “? Live“ ergibt “So Many Roads“ eine recht allumfassende Werksschau des US-Amerikaners, bei denen lediglich die Würdigung von “Sola Scriptura“ und einige Klassiker seiner beiden anderen (Ex)-Bands fehlen.

Marc Langels, 28.03.2010

 

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