Neal Schon

The Calling


CD-Review

Reviewdatum: 17.10.2012
Jahr: 2012
Stil: Instrumental Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Neal Schon
The Calling, Frontiers Records, 2012
Neal SchonGitarre & Bass
Steve SmithSchlagzeug & Percussion
Igor LenKeyboards
Gastmusiker
Jan HammerMoog
Produziert von: Neal Schon Länge: 55 Min 36 Sek Medium: CD
01. The Calling07. True Emotion
02. Carnival Jazz08. Tumbleweeds
03. Six String Waltz09. Primal Surge
04. Irish Field10. Blue Rainbow Sky
05. Back Smash11. Transonic Funk
06. Fifty Six12. Song Of The Wind II

Neal Schon ist am bekanntesten dafür, die AOR-Legende JOURNEY mitbegründet zu haben. Dann erinnert der Name Schon auch an die frühen Werke von SANTANA, bei dem sich der damals blutjunge Gitarrist seine ersten Meriten verdiente und teilweise den Meister sogar an die Wand spielte. Und wieder andere denken an die kurzlebigen, aber äußerst gelungenen Projekte H.S.A.S. (zusammen mit Ex-MONTROSE- und Ex-VAN HALEN-Sänger Sammy Hagar), HARDLINE (mit denen er das Debüt-Album “Double Eclipse“ einspielte) sowie die beiden BAD ENGLISH-Werke (zusammen mit John Waite). Aber erst zuletzt denkt der Hörer bei dem Namen Neal Schon an dessen bereits erstaunlich umfangreiches Solo-Werk. Neun Alben hat er bereits abseits mehr oder weniger im Alleingang eingespielt (die beiden ersten erschienen zusammen mit dem Tasten-Genie Jan Hammer). Und das zehnte Werk hört auf den Titel “The Calling“.

Und was für ein Streich ihm dabei gelungen ist. Neal Schon frönt hier seinen Leidenschaften abseits des Mainstream-Hard Rock und AOR. Hier bietet er fast schon metalartige Fusion-Songs mit komplexen Rhythmen und jede Menge Soli zum „mit der Zunge schnalzen“. Da legt er gleich zum Opener mit dem Titeltrack einen Song vor, wie ihn ein Joe Satriani auch nicht besser hätte schreiben oder spielen können. Das Stück groovt fett und heavy mit einer nahezu hypnotischen Melodie, die den Hörer in ihren Bann zieht. Von dort aus geht es nahtlos in den herrlichen Fusion-Kracher Carnival Jazz. Auch dabei zeigt sich Schons Stärke. Er muss sich gar nicht immer in den Vordergrund spielen, sondern kann auch mal seinen Mitmusikern Solo-Spots einräumen, die hier Pianist Igor Len zu sehr feinen Läufen nutzt und das Lied wunderbar abrundet.

Auf diese Weise könnte man fast für jeden Song etwas finden, was man hervorheben könnte. Aber zumindest zwei Tracks möchte ich noch herausheben. Das wäre zum einen das jazz-rockige Fifty Six, das mich von der Ausrichtung her ein wenig an seine Kollaboration mit Steve Lukather von TOTO auf der brillanten CD “Six String Theory“ (veröffentlicht von Lee Ritenour) erinnert, die damals den Titel Sixty Eight trug. Hier duelliert sich Schon nicht mit Luke, dafür aber mit seinem alten Gefährten Jan Hammer am Moog-Synthesizer. Und dann wäre da noch die andere Kooperation mit Hammer und seinem Moog, die auf den Titel Tumbleweeds hört und zwar nicht zum Träumen aber doch zum genau Hinhören einlädt.

Sicherlich vergesse ich jetzt das ein oder andere Highlight, wie das gefühlvolle Irish Field oder aber das wunderbare Song Of The Wind II, aber die Botschaft sollte mittlerweile angekommen sein. Neal Schon ist mit “The Calling“ ein exzellentes Instrumental-Album gelungen, das neben Schons unbestreitbaren Fähigkeiten vor allen Dingen dadurch punktet, dass es sich eben weit abseits dessen bewegt, was man sonst von Schon gewohnt ist. Der Gitarren-Maestro beweist auf allen Tracks sein Gespür für Melodien, er will keine Flitzefinger-Attacken reiten, keine Geschwindigkeitsrekorde brechen – er weiß, dass da andere kaum zu überbieten sind. Stattdessen konzentriert sich Schon auf seine Stärke und das ist gut so. Schon zeigt, dass er weit mehr kann, als er es bei JOURNEY rauslässt. Er spielt hier Licks und Soli, wie man sie sonst von Joe Satriani, Steve Vai, Steve Lukather oder aber Tony MacAlpine hören würde. Wer also diese Musik liebt, ist bei “The Calling“ dazu berufen, genau hinzuhören.

Marc Langels, 13.10.2012

 

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