Neil Young

Carnegie Hall 1970

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 07.10.2021
Jahr: 2021
Stil: Folk, Rock
Spiellänge: 91:40
Produzent: Neil Young & Niko Bolas

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Plattenfirma: Warner Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt

Titel
CD 1:
01. Down By The River
02. Cinnamon Girl
03. I Am A Child
04. Expecting To Fly
05. The Loner
06. Wonderin'
07. Helpless
08. Southern Man
09. Nowaddays Clancy Can't Even Sing
10. Sugar Mountain
 
CD 2:
01. On The Way Home
02. Tell My Why
03. Only Love Can Break Your Heart
04. Old Man
05. After The Goldrush
06. Flying On The Ground Is Wrong
07. Cowgirl In The Sand
08. Don't Let It Bring You Down
09. Birds
10. Bad Fog Of Loneliness
11. Ohio
12. See The Sky About To Rain
13. Dance, Dance, Dance
Musiker Instrument
Neil Young Vocals, Guitar, Harmonica, Piano

In Neils “Archive Servies“ sind bereits einige Solokonzerte aus den frühen Tagen seiner Karriere erschienen, die allesamt seine Qualitäten als Songschreiber, Musiker und Sänger unterstrichen haben. Für einen damals Mitte Zwanzigjährigen beachtlich gereift und fundiert.

Seine Fans wissen, dass Veränderungen bei ihm die Regel sind und so hat er nun “The Neil Young Official Bootleg Servies“ ins Leben gerufen. Inwieweit diese Nachfolger oder Ergänzung zu seiner “Archive Series“ werden, das wird die Zeit zeigen. Angeblich sind bereits fünf weitere Alben geplant.

 

Wie der Name schon sagt, liefert Young hier sein eigenes “Bootleg“, gehörte er doch zu den am meisten raubkopierten Künstlern, was Konzerte angeht. Gerade dieses “Carnegie Hall 1970“ fand wohl besonderes Begehr unter den Sammlern. Sicher auch, weil die Fans früher nicht so leicht an (Live-) Aufnahmen aus jener Zeit kamen. Von der miserablen Qualität, für die man oft Unsummen ausgab, können viele noch ein Lied singen. An jenem 4. Dezember 1970 spielte Neil Young zwei Shows in der ehrwürdigen New Yorker Carnegie Hall. Anscheinend stammen die – mehr oder weniger – bekannten Mitschnitte von der zweiten Show, wohingegen Neil die erste für weitaus besser hält und die von keinem Bootlegger aufgezeichnet wurde. Nun..., wer hätte an seiner Stelle etwas anderes verlauten lassen?

 

Aber sei es, wie es will, in besserem Sound wie diesen hier, kriegt man sicher keinen seiner damaligen Auftritte. Die Setlist scheint wieder völlig durcheinandergewürfelt zu sein. Wo häufig Down By The River am Ende der Show stand, legt Neil hier direkt damit los. Vorher sagt noch ein Sprecher “Part one of the evening concerts“ durch. Nur um sicher zu gehen. Neil wird frenetisch begrüßt, hat er doch mit BUFFALO SPRINGFIELD, CROSBY, STILLS, NASH & YOUNG und mit seinen Soloalben (bzw. mit CRAZY HORSE) schon einiges an Renommee vorzuweisen. Und mit dem Opener und dem folgenden Cinnamon Girl “liefert“ er sozusagen auch. Das Vorspiel zu Cinnamon Girl erinnert an World On A String wird aber dann doch recht schnell vom Publikum identifiziert. Wie überhaupt die Anwesenden häufig schon das Gitarrenvorspiel mit Applaus begrüßen, um dann, wenn sie den Song final erkannt haben, nochmals einen Applaus nachzulegen. Sind halt freundliche Menschen, die New Yorker. Bei The Loner klatschen sie kurzzeitig sogar im Takt. Ich nehme an, ein strafender Blick von Neil hat sie gestoppt.

 

In der Carnegie Hall bringt er es erst nicht übers Herz und es wird fast komödiantisch, wenn Neil den Song immer wieder abbricht, weil er mit dem Mitklatschen der Leute nicht klar kommt. Die gute Stimmung bleibt aber erhalten und letztlich weißt Neil die Leute richtig ein: “Don't clap, just sing“. Das steigert sich in nahezu Simon & Garfunkel-hafte Sphären. Will schon was heißen.

 

Der Sound ist wirklich beeindruckend gut. Wenn man das etwas lauter macht, muss man sich fast schon Mühe geben, den Sänger mit seiner Gitarre nicht im selben Raum zu wähnen. Oder sich selbst in der Carnegie Hall, was aber etwas schwerer fällt. Und nicht anders verhält es sich, wenn Neil sich ans Piano setzt. Und einmal mehr demonstriert, dass Expecting To Fly zu einer seiner schönsten melancholischen Balladen gehört und viel zu oft übersehen wird. Einmal mehr zeigt Neil seine Klasse als Akustikgitarrist, in Songs wie I Am A Child und auch seine Stimme erstrahlt nahezu. In Southern Man scheint sie mir noch (an-) klagender als sonst zu klingen, während es in On The Way Home im Vergleich zu anderen Aufnahmen nahezu fröhlich zugeht. So wirken Nummern anders, wenn sie an anderer Stelle im Programm platziert sind.

 

Helpless kann man natürlich überallhin stecken und beim Refrain schweben vor meinem geistigen Auge (Ohr?) die Stimmen von Crosby und Nash förmlich herbei. Ebenso bei Ohio. Hier spürt man geradezu, wie das Publikum von dem Song “elektrifiziert“ wird und Young bearbeitet seine Akustikgitarre teils so kräftig, dass man Angst um die Saiten bekommt. Ein Jubelsturm folgt dieser Performance. Ein wahrer Segen, dass damals so gut mitgeschnitten wurde und bei der Restaurierung ebenso sorgfältig gearbeitet. Entsprechend toll klingt es. Im Vergleich deutlich klarer, als zum Beispiel beim „Live At Massey Hall 1971“-Konzert.

Beim abschließenden Dance, Dance, Dance scheint Neil zu Beginne zu improvisieren, driftet gar in Richtung Love Is A Rose ab, bevor er dann doch auf den eigentlich Song einschert. Dadurch wird keine so eine Mitstampf-Nummer draus, bei besagtem Massey Hall-Konzert, die New Yorker steigen letztlich doch ein bisschen auf den Song ein. Der ausgeblendete Jubel ging sicherlich noch einige Minuten länger. Ich bin absolut gespannt, ob das mit den angekündigten Veröffentlichungen noch zu toppen ist, aber bei Neil Young ist – wie immer – alles möglich. Tut mir leid für den Geldbeutel der Fans, aber ein weiteres must-have.

 

 

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