Neil Young

Le Noise

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 07.10.2010
Jahr: 2010
Stil: Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Neil Young
Le Noise, Reprise Records, 2010
Neil YoungVocals, Guitars
Produziert von: Daniel Lanois Länge: 38 Min 01 Sek Medium: CD
01. Walk With Me05. It's An Angry World
02. Sign Of Love06. The Hitchhiker
03. Someone's Going To Rescue You07. Peaceful Valley Boulevard
04. Love And War08. Rumblin'

Ähnlich wie Bob Dylan, scheint Neil Young in den letzten Jahren von einem regelrechten "Veröffentlichungstrieb" besessen. Was dem Herrn Dylan seine "Bootleg Series" ist, das ist dem Herrn Young seine "Archive Series" und dazwischen folgt natürlich auch immer brandneues Material.
Mit Daniel Lanois haben sie nun produzententechnisch eine weitere Gemeinsamkeit. Herr Lanois ist uns zwar voranging als erste Adresse auf dem U2-Produzentenstuhl bekannt, aber schon für Dylans "Time Out Of Mind" - damals ja fast so eine Art "Comebackalbum" - zeichnete er verantwortlich und von Peter Gabriel über Scott Weiland bis zu Willie Nelson und den NEVILLE BROTHERS verlangte es gar viele Künstler nach der Studiohilfe von Daniel Lanois. Neil Young war gleich gar so angetan, dass er sein neues Album - in einem Wortspiel - nach ihm benannt hat: "Le Noise".
Der gemeine Neil Young Hörer denkt bei dem Titel natürlich zunächst mal an "den Lärm", den Neil immer dann aus seiner Gitarre drischt, wenn er nicht gerade auf dem Akustiktrip ist. Aber tatsächlich ist es der Name seines Landsmannes, der den Albumtitel bestimmt.

Die Musik auf dem Album bestimmt Neil allein. Ganz allein. Vielleicht hatte er keinen Bock auf Mitmusiker, nachdem im Sommer sein langjähriger Freund und Begleitmusiker Ben Keith verstorben ist. Vielleicht ist es aber auch nur eine von Neils Launen. Scheppern und lärmen tut es jedenfalls wie eh und je. Vorsicht mit der Lautstärke, die erste Nummer beginnt gleich mit einem heftig angeschlagenen Akkord und Neil lädt ein: Walk With Me. Mit zwei E-Gitarren begleitet Neil seinen erstaunlich stabilen Gesang. Die Verzerrung für diesen schleppenden Song hat er ziemlich hochgedreht, sodass seine Feedback-Orgien problemlos aufheulen. Da fühlt man sich gleich, wie zu seligen "Ragged Glory" Zeiten. Fast fällt gar nicht auf, dass weder Bass noch Schlagzeug präsent sind.
Die Eröffnungsakkorde zu Sign Of Love scheinen mir schon öfter Verwendung in Neils Werk gefunden zu haben. Zumindest bei Drive Back, vom Album "Zuma". Auch hier knödelt sich Neil sehr achtbar durch den Gesang und der Gitarrensound ist wieder heftigst komprimiert und verzerrt. Herrlich! So klingt nur einer.
Someone's Going To Rescue You brodelt gleichfalls schlurfend dahin. Bricht am Schluss etwas abrupt ab, und Neil tendiert hier mehr zu seiner Fistelstimme, aber trotzdem bleibt die Spannung erhalten und wird von einem feinen Riff untermalt.
Neben dem E-Sound ist auch Mr. Youngs Akustikgitarrensound legendär. So schlägt nur einer die tiefe E-Saite an. Ja, die Kriege der vergangenen Jahre haben den Kanadier sehr beschäftigt. Gar ein ganzes Album hat er dem gewidmet. In der ersten Akustiknummer auf diesem Album, mit leicht spanisch/mexikanischem Flair, und entfernter Verwandtschaft zu Hey Hey My My, wird er da nochmals deutlich: "They tried to tell them and they tried to explain why daddy won't ever come home again."

So wie zum Beginn von It's An Angry World bruzzelt es ja häufiger bei Neil, aber das hier hat doch wieder eine besondere Güte. Hätte er sich nur dazu durchringen können, das mit einer Band - vorzugsweise CRAZY HORSE - aufzunehmen, ein weiterer Hit und Live-Klassiker wäre ihm gewiss gewesen. Na, wer weiß, was noch kommt.
Zum eher verhaltenen Soundgewitter von The Hitchhiker wird’s autobiografisch. Als "Tramper" schlägt sich Neil Young von seinen Wurzeln in Kanada und den ersten "Drogenkontakten" nach Kalifornien ("the land of opportunity") durch und macht Bekanntschaften mit Paranoia, Vaterschaft, dem Leben auf dem Lande und ... weiteren Drogen. Gegen Ende zitiert er seinen eigenen Song Like An Inca, vom Album "Trans" (1982).
Das melancholische Peaceful Valley Boulevard kommt wieder akustisch, und Neils Stimme stellenweise brüchig. Erinnert natürlich an sein "Harvest Moon" Album. Die Szenerie entspricht der Musik und klingt wenig hoffnungsvoll, sie mit einem "A child was born and wondered why" endet. Vielleicht nicht der Song, um ihn spät nachts allein zu hören.
So richtig fröhlich wird man bei Rumblin' sicher auch nicht, aber Herr Youngs Klangkollagen sind schon von besonderer Güte. Das strikt so kein Zweiter so zusammen und auch wenn es nur Neils dünne Stimme und zwei Gitarren sind, schwingt sich der Song zu einer kleinen Hymne auf. Den hätte ich doch glatt etwas länger als 3 ½ Minuten gewünscht.
Letztlich ist "Le Noise" vielleicht nicht das Album, das man zu jeder Zeit bevorzugt auflegen wird, aber die Angst, dass ohne Band (und trotzdem mit verzerrten E-Gitarren) es nur nach Rückkopplungsorgie a la "Arc" klingen wird, waren unbegründet. "Le Noise" reiht sich problemlos in Youngs Katalog ein und verdient es öfter gehört zu werden.

Epi Schmidt, 06.10.2010

 

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