Neil Young

Live At The Filmore East

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 19.11.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Neil Young
Live At The Filmore East, Reprise Records, 2006
Neil Young Guitar, Vocals
Danny Whitten Guitar, Vocals
Jack Nitzsche Electric Piano
Billy Talbot Bass
Ralph Molina Drums, Vocal
Produziert von: Paul Rothchild Länge: 43 Min 21 Sek Medium: CD
1. Everybody Knows This Is Nowhere4. Wonderin'
2. Winterlong5. Come On Baby Let's Go Downtown
3. Down By The River6. Cowgirl In The Sand

Ja, der Neil. Kaum spricht er, ungefähr seit 1861, von seinen "Archive Series" und dass alles heraus kommt was er da seit Jahrhunderten gesammelt und konserviert hat... schon geht das los hier!
Jahrzehntelang war er ja nicht mit den Soundmöglichkeiten zufrieden, aber mittlerweile scheint er damit einigermaßen seinen Frieden geschlossen zu haben und es wird ja auch Zeit, denn schließlich ist er auch schon über 60 und selbst wenn er 100 Jahre alt wird, wird die Zeit kaum ausreichen um seine Scheune voll unveröffentlichter Mitschnitte zu entleeren. Also los geht's.
Und zwar ins Frühjahr 1970, zweifellos eine sehr gute, wenngleich arbeitsintensive Phase in Youngs Karriere. Schließlich hatte er zehn Monate zuvor erst sein zweites Album "Everyboy Knows This Is Nowhere" rausgebracht, in der Zwischenzeit mit CROSBY, STILLS & NASH die LP "Déjá Vu" eingespielt - stand kurz vor der Veröffentlichung - und im kommenden September sollte schon "After The Goldrush" erscheinen.
Er fand trotzdem noch die Zeit, mit seiner Begleitband CRAZY HORSE Konzerte zu geben. Für gewöhnlich liefen die so ab, dass Neil die erste Hälfte allein und akustisch bestritt, bevor sich für den elektrischen Part CRAZY HORSE zu ihm gesellten. Ein Konzept, das ähnlich auch CSN&Y verfolgten.
Es gibt da [inzwischen längst illegale; Red.] Aufnahmen, aus dem Februar desselben Jahres, die bezeugen wie so was ablief. Leider ist da bei den "schwingenden Schweinen" ein recht mulmiger Sound zu hören. Aber man bekommt einen guten Eindruck und wenn nicht die Qualität der Songs so hoch wäre und man sie so gut kennen würde, wäre man streckenweise von dem lahmen Vortrag Neils wenig berührt. Zurufe nach etwas Schnelleren quittiert er schon mal mit: "I just live up-tempo and play down-tempo".

Also wohl keine schlechte Idee sich für "Live At The Filmore East" gleich dem elektrifizierten Part zu widmen. Wenn man mir die Auswahl für ein paar Songs aus jenen Tagen überlassen hätte, hätte sie kaum anders ausgesehen. Everybody Knows This Is Nowhere gehört sowieso, für mich, zu den besten Titeln von Neil und die Band war damals in einer Form das auch richtig rüberzubringen. Danny Whittens Heroinsucht war noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie sein Spiel negativ beeinflusste und er ergänzt sich ganz hervorragend mit Neil. Ich würde sagen, besser als Neil Young und Stephen Stills.
Das leicht melancholische Winterlong war damals schon fest im Programm, obwohl erst für das 74er Album "On The Beach" Studioaufnahmen gemacht wurden, die aber schließlich erst auf dem Sampler "Decade" erschienen. Tut dem Vortrag hier in keinster Weise einen Abbruch, die Band hatte den Song voll drauf und, ja, trotz kleiner Haken gefällt mir das hier sogar noch einiges besser. Klasse, der Fistel-Backgroundgesang von Whitten und Drummer Molina.
Down By The River schleppt sich etwas schwerfälliger als gewohnt heran, was dieser Mörder-Ballade nichts anhaben kann, denn auch so groovt die Band perfekt und liefert natürlich die passende Grundlage für Neils Soloexkursionen. Die waren damals noch längst nicht so verzerrt und krachend wie das ab Ende der 70er klang. Also irgendwie noch angenehmer zu hören und deutlich ist auch der Unterschied zum Spiel von Danny Whitten, auch wenn beide die Chance zum experimentieren nutzen. Mir gefällt die Aufnahme jedenfalls total gut. Wie viele Bands konnten/können mit solch einfachen Mitteln so eine Spannung halten? Über 12 Minuten! Der Song gehört zweifellos in die Top Five von Youngs Gesamtwerk.
"This is a song from my new album" erzählt Neil vor Wonderin'. Er hatte da wohl schon den Überblick verloren. Tatsächlich erschien der Track, in einer Doo-Wop Version, erst 1983 auf dem Rockabillyalbum "Everybody's Rockin'". Hier wird er in knapp zwei Minuten abgehandelt und ist im typischen Country-Folk Stil Youngs gehalten. Sehr schöne Gitarrenlicks von Whitten.
Ein weiterer meiner Lieblingssongs folgt mit Come On Baby Let's Go Downtown, welches CRAZY HORSE ja auf ihrem Debütalbum spielten und es ist offensichtlich auch Danny Whitten der diesen Titel hier singt. Hervorragender Country-Rock, der sofort Lust auf einen Abend in den Bars der Stadt macht.
Der Einstieg zu Cowgirl In The Sand klingt zunächst etwas ungewohnt, aber wahrscheinlich hat man damals noch etwas herumprobiert. Hier ist man etwas schneller als ich das in Erinnerung habe, fast etwas gehetzt. Die Gitarrensoloorgien leiden darunter nicht. Ausgiebig drehen sich Neil und Danny in immer neuen Kreisen umeinander und schrauben sich in schwindelnde Höhen wie in brodelnde Tiefen. Fantastisch.

Der einzige Wehrmutstropfen dieser Scheibe ist die Spielzeit von nicht mal einer ¾ Stunde. Da wäre doch noch Platz gewesen für ein paar Bonus Tracks, denn man hat damals durchaus verschiedene Programme gespielt, die u.a. auch Cinnamon Girl enthielten.
Egal, es gibt dieses Teil jedenfalls auch mit einer zusätzlichen DVD, auf der man sich dann das Ganze visuell reinziehen kann. Bestimmt noch mal, sofern die Bilder brauchbar sind, ein gesteigertes Erlebnis. Und hier wie da gilt wie immer für Live-Aufnahmen: Turn it up!

Epi Schmidt, 19.11.2006

 

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