Nickelback

Dark Horse

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 01.12.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Marc Langels


Dark Horse, Roadrunner Records, 2008
Chad KroegerGesang & Gitarre
Mike KroegerBass
Ryan PeakeGitarre & Gesang
Daniel AdairSchlagzeug & Gesang
Produziert von: Robert John "Mutt" Lange, Nickelback & Joey Moi Länge: 43 Min 38 Sek Medium: CD
01.Something In Your Mouth07. Never Gonna Be Alone
02. Burn It To The Ground08. Shakin' Hands
03. Gotta Be Somebody09. S.E.X.
04. I'd Come For You10. If Today Was Your Last Day
05. Next Go Round11. This Afternoon
06. Just To Get High

Seit ihrem Karriere-Start als Post-Grunge-Band ("Leader Of Men") haben sich NICKELBACK in den letzten acht Jahren zu einem lupenreinen Stadion-Rock-Act gemausert, der Hits am Fließband produziert. Schließlich können NICKELBACK bereits auf 27 Millionen verkaufte Platten (und das in Zeiten von Tauschbörsen und CD-Brennern) sowie 13 Hit-Singles und einen Grammy verweisen. Ähnlich erfolgreich dürften im Vergleichszeitraum nur noch BON JOVI gewesen sein. Auf der anderen Seite können NICKELBACK (gerade im Vergleich mit den Herren aus New Jersey) mit Fug und Recht behaupten, dass ihre Platten eben aber vor allem eines sind: harter Rock. Das gilt auch dann, wenn die meisten Menschen NICKELBACK nur über das Radio kennen und sie dann logischerweise nur mit den Singles und dem Stücken aus dem Radio-Airplay verbinden und sie daher für eine Balladen-Band halten (ein Schicksal, das in ähnlicher Form auch TOTO ereilt hat).

Man muss kein Prophet sein, um der Band aus Kanada auch mit ihrem neuesten Werk "DARK HORSE" wieder einen weltweiten Erfolg und mindestens drei (aber eher vier) erfolgreiche Singles zu prophezeien. Denn NICKELBACK machen auch auf diesem Album alles richtig: hier ist wieder alles vertreten, was das Fanherz begehrt: große Rock-Songs mit hymnischen Chören (Something In Your Mouth, Burn It To The Ground, Next Go Round, Just To Get High, Shakin' Hands, S.E.X., This Afternoon), eine große Balladen-Dichte (Gotta Be Somebody, I'd Come For You, Never Gonna Be Alone, If Today Was Your Last Day) und vor allem mitreißende Melodien, wohin das Ohr auch hört. Dementsprechend stieg das Album auch sofort auf Platz 4 in Deutschland ein, in den USA gelangte es auf Platz 2 und in ihrer Heimat Kanada setzte es sich an die Spitze der Verkaufscharts. Dabei dürfte es "Dark Horse" jedoch schwer fallen an den Erfolg von "All The Right Reasons" heranzureichen, denn der Vorgänger war doch um einiges stärker.

Es ist schon verblüffend, wie NICKELBACK es schaffen, die exakt richtige Mischung aus gesunder Härte für die Album-Käufer und ruhigeren Stücken für die Radio-Stationen zu finden. Dabei sind NICKELBACK immer sofort deutlich zu erkennen. Das liegt natürlich an der markanten Stimme von Frontmann und Bandkopf Chad Kroeger, der sowohl die Rock-Songs als auch die Balladen gleich ausdrucksstark vortragen kann. Auf der anderen Seite hat die Band ihre musikalische "Sprache" gefunden, die sich doch von vergleichbaren Bands wie 3 DOORS DOWN oder HINDER abhebt. Zudem schreiben die drei Kanadier und ein Amerikaner einfach durchgängig gute bis sehr gute Songs.

Einschränkend muss man aber auch einfügen, dass der Härtegrad auf "Dark Horse" - gerade im Vergleich zu den beiden letzten Alben - doch ein wenig zurückgefahren wurde. Ob das am Produzenten liegen mag? Denn produziert wurde das Werk von Robert John, genannt 'Mutt', Lange, der zuvor im Rockbereich für seine Arbeit mit Bands wie FOREIGNER ("4"), DEF LEPPARD ("High'n'Dry", "Pyromania" und "Hysteria"), BRYAN ADAMS ("Waking Up The Neighbours") aber vor allem durch AC/DC ("Highway To Hell", "Back In Black", "For Those About To Rock (We Salute You)" und "Who Made Who") weltberühmt wurde. In den letzten Jahren produzierte er dann verstärkt Pop- und Country-Bands.

Aus meiner Sicht hört man das dem Album aber zum Glück nur an einigen wenigen Stellen an, wer hier produziert hat. Denn Lange hat in der Vergangenheit die Tendenz dazu gezeigt, Alben so lange zu produzieren, bis alle Ecken und Kanten verschwunden waren. Das ist in meinen Augen keine gute Voraussetzung für ein Rock-Album. Zudem konnte man Lange in der Vergangenheit eine gewisse Gleichmacherei im Sound vorwerfen (so klingen bei den von Lange produzierten Werken von DEF LEPPARD und BRYAN ADAMS doch deutliche Parallelen besonders bei den Hintergrundchören durch). Auch auf "Dark Horse" ist mit Never Gonna Be Alone ein solches Stück vorhanden, das problemlos auch auf den vorherigen Alben von DEF LEPPARD oder BRYAN ADAMS hätte erscheinen können.

Natürlich wird dieses Album (wie jene von BON JOVI) kontrovers diskutiert werden. Einigen Kritikern wird sauer aufstoßen, dass eine Band über einen so langen Zeitraum mit derselben Methode erfolgreich sein kann. Da sollten sie dann mal bei AC/DC oder KISS nachfragen. Aber der Vergleich mit Rock-Legenden wird für eine Band wie NICKELBACK ganz selbstverständlich abgelehnt. Begründungen lassen diese Kritiker dann lieber mal bleiben. Erfolg zieht eben Neider an - und nur wenige Bands waren in den letzten Jahren so erfolgreich wie NICKELBACK.

Zudem wird gerne über die mangelnde musikalische Befähigung der Bandmitglieder gelästert. Wenn aber jede Band spieltechnisch so hervorragend sein müsste wie beispielsweise DREAM THEATER, wäre wenig Platz für andere Gruppen. Ich denke bei solchen Argumenten sollte man lieber ein wenig vorsichtig sein, denn ansonsten könnte die eigene Lieblingsgruppe auf einmal ganz schnell hinten rüber fallen. Da die Musikhörer aber ganz genau wissen, was sie hier geboten bekommen, können sie meist selber beurteilen, ob sie NICKELBACK mögen oder eben nicht.

Ein wirkliches Manko sind aber leider die häufig wenig originellen Songtexte. Chad Kroeger schreibt meines Erachtens nach zu häufig über Sex in allen seinen Formen. Dies aber - wie es in anderen Kritiken gerne gemacht wird - alleine als Sexismus und Frauenfeindlichkeit darzustellen, ist mir wiederum zu plump. Es mag sein, dass es den meisten Zuhörern nicht auffällt, oder es ihnen nichts ausmacht, aber die Texte gehören zur Musik wie die Gesangsmelodien und sollten daher entsprechend ausgearbeitet werden. Zumal Chad Kroeger auch ganz anders kann. So hat er auf jedem Alben immer auch Stücke mit einer Aussage gehabt. Hier zeigt er in Just To Get High die Gefahr des Drogenmissbrauchs am Beispiel eines Freundes auf. Auch in früheren Texten setzte sich Kroeger mit ernsten Themen auseinander. So widmete er Side Of A Bullet dem von einem Fan ermordeten früheren PANTERA-Gitarristen Dimebag Darrell. Never Again von "Silver Side Up" setzt mich familiärer Gewalt auseinander. Ich finde, diese Seite seiner Lyrics sollte Kroeger weiter verfolgen und nicht in zigfacher Art und Weise über Matrazensport "philosophieren".

Nach Selbstaussage der Band wollte sie wieder Qualität abliefern und sich aufs Neue bewähren, um die Wertschätzung der Fans zu verdienen. Mal abgesehen von den Texten, ist ihnen das zweifelsohne mit "Dark Horse" auch wieder gelungen, denn das Album liefert guten Stoff für die heimische Stereo-Anlage oder das Auto-Radio. NICKELBACK machen immer noch das, was sie am besten können und versuchen nicht, sich als Band neu zu erfinden. Wo das bei einer erfolgreichen Band hinführen kann, hat man abschreckend genug bei BON JOVI und "Lost Highway" gesehen.

Marc Langels, 01.12.2008

 

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