Nijmegen, NL, 18.06.2005

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MOTÖRHEAD - SLAYER - VELVET REVOLVER - AUDIOSLAVE -
BLACK SABBATH - RAMMSTEIN

Zum zweiten Mal öffnete das Fields of Rock Festival die Pforten. Das erste Mal vor 2 Jahren, mit u.a. METALLICA als Headliner. Fields of Rock gibt es nicht jährlich, Fields Of Rock gibt es nur dann, wenn sich wirklich genug große Acts einfinden, um einen "gemütlichen Tag im Park" zu beschallen. Und ein gemütlicher Tag sollte es werden. Bei 30 Grad im Schatten war für viele die Musik Nebensache, man lag auf dem Gras, sonnte sich, und hörte nebenbei noch den grade auftretenden Bands zu. Knapp 50.000 Leute fanden ihren Weg in den Goffertpark in Nijmegen, ein wirklich schönes riesengroßes Gelände.

Die hervorragende Organisation fing schon bei den Parkplätzen an, leider waren die Dinger ca. 3-5 km vom eigentlichen Gelände weg, so dass der Fußmarsch dahin doch einiges dauerte, uns kam es vor, als hätten wir knapp hinter der deutschen Grenze geparkt.
Zu den Tönen von PAPA ROACH entern wir dann auch das Gelände, und für mich begann der Spießrutenlauf nach meinem Fotopass. Wollte mich doch tatsächlich einer der Ordner wieder zum Ausgang schicken!?! Ich war froh, dass ich endlich an der Mainstage angekommen war! Von Bühne links nach Bühne rechts und endlich wies mich ein kompetenter Mensch in Richtung Pressebereich, wo ich dann auch den ersehnten Fotopass entgegen nehmen konnte. Schöner Pressebereich übrigens: SCHATTEN! Den brauchte ich jetzt dringend.

Auf dem Festivalgelände selbst sind 4 Bühnen, eine MTV Stage, eine Tentstage sowie die Mainstages A & B. Letztere befinden sich auf der längsten Bühne Europas, 80 m lang ist das gute Stück. Zwei Bühnen nebeneinander deswegen, weil Ozzy nicht auf der gleichen Bühne wie RAMMSTEIN spielen wollte. Sachen gibt's...
Aber gut für die Zuschauer, die Hauptacts wechseln sich auf den beiden Bühnen ab, somit liegen zwischen Ende und Anfang max. 15-20 Minuten. Durch den engen Zeitplan hatte ich natürlich kaum Zeit, mir die Bands auf den anderen Bühnen anzuschauen und konzentriere mich auf die Mainstage(s). Rechts, Links und in der Mitte wurden die Mainacts auf Großbildleinwänden übertragen, das war auch bitter nötig, sonst hätte man weiter hinten nichts, aber auch gar nichts gesehen. Na ja, Ein Festival ist kein Clubkonzert...

Mit frisch geölter Kehle geht es dann los mit:

Motörhead

Motorhead Setlist: Dr Rock, Stay Clean, Love Like a Reptile, Killers, Over The Top, No Class, I Got Mine, In the Name of Tragedy, Dancing On Your Grave, Power, Going To Brazil, Killed By Death, Ace Of Spades, Overkill

"We are MOTÖRHEAD and we are here to kick your ass!" Meine Fresse sieht Lemmy bleich aus! Aber MOTÖRHEAD kickt Ass. Und das nun schon seit drei Jahrzehnten. Stay Clean, No Class, geil! Drei Leute und soviel Krach. Dreckiger Rock’n’Roll vom Feinsten. Generell die gleiche Setlist wie immer, einen neuen Track gab's auch zu hören: Killer, ein Banger in bester MOTÖRHEAD Manier, an den sich dann wieder die Klassiker anreihen.
MOTÖRHEAD machen das was sie immer machen und haben Erfolg, die Meute schwitzt und tobt, und nach dem "flotten Dreier" Killed by Death, Ace Of Spades und Overkill kriecht wohl jeder Fan zufrieden zum nächsten Bierstand.
Egal was ist, mit Lemmy und Co. liegt man nie falsch. Gerne hätte ich den Bomber auf der Bühne gesehen (groß genug war sie), aber das ließ sich wohl nicht mit den anderen Bands vereinbaren. Allen Interessierten kann ich auch das Fanzine zum 30th Anniversary ans Herz legen: Ein wirklich schönes Teil.

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Slayer

Slayer Setlist: South of Heaven, Silent Scream, Stain of Mind, Disciple, War Ensemble, Blood Red, Dead Skin Mask, Seasons in the Abyss, Postmortem, Raining Blood, Mandatory Suicide, Angel of Death

SLAYER habe ich, glaub ich, das letzte Mal 1987 auf der "Reign In Blood"-Tour gesehen. Damals hatte Kerry King noch Haare. Tom Araya trägt jetzt Vollbart und sieht mit dem grauen Kinnstück aus wie Saddams langhaariger Bruder. Cool! [Cool??? Red. Doch! Guck selbst! Jörg] Kerry King, seit geraumer Zeit schon gänzlich ohne Haaransatz, hat inzwischen den ganzen Schädel tätowiert, und ist auch so recht heftig mit bunten Bildchen gesegnet. Einzig Jeff Hannemann und Dave Lombardo sehen noch aus wie früher.
Aber genug der Äußerlichkeiten. SLAYER haben es immer noch drauf! Da wird gebangt bis der Nacken bricht, Tom schleudert die Haare, als wäre er noch mal 20. Ganz großes Kino was die vier Amis da bringen, die Riffs knallen punktuiert ins Publikum, Toms Stimme klingt immer noch so frisch wie vor 20 Jahren.
Die Setlist beinhaltet eigentlich alle Highlights der langen Karriere einer einzigartigen Band. Einziges Manko: weiter hinten auf dem Gelände ist der Sound zu leise, auf dem Weg zum Pressebereich kann man GOREFEST recht deutlich hören, aber das ist wohl der Preis, wenn man 3 Bühnen zeitgleich beschallt. Harry meinte auch, SLAYER müssen einen wegblasen, und das war zumindest im hinteren Bereich nicht der Fall.
Ich brauch jetzt erstmal ein kaltes Grolsch (davon wird man echt nicht besoffen, oder?) bevor...

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Velvet Revolver

... die Bühne betreten.

Velvet_Revolver Setlist: Sucker Train Blues, Do it For The Kids, Headspace, Superhuman, Fall To Pieces, Dirty Little Thing, Big Machine, It's So Easy, Sex Type Thing, Set Me Free, Mr. Brownstone, Slither

Eine leicht gekürzte Setlist, gegenüber dem gestrigen Konzert in der Grugahalle, ansonsten identisches Set und Stageacting. Eigentlich könnt Ihr Euch das Review hier durchlesen, was die Show betrifft stimmt alles ganz genau so. Ich könnte alles noch mal so abtippen, mach ich jetzt aber nicht. Nicht sehr einfallsreich die Ex-GUNNERS, aber das hatte ich auch nicht erwartet.
Pünktlich zu VR findet man auch reichlich Sleazemetaller in den ersten Reihen vor der Bühne. Aber auch heute ein überzeugendes, professionelles Konzert.
Jetzt sollten die Jungs mal für neues Material sorgen!

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Audioslave

Audioslave Setlist: Set It Off, Show Me How To Live, Spoonman, Like A Stone, The Worm, Be Yourself, Gasoline, Doesn’t Remind Me, Bulls On Parade, Sleep Now In The Fire, Black Hole Sun, Shadow On The Sun, Killing In The Name Of, Cochise

Naja, das konnte mich jetzt nicht wirklich vom Hocker hauen. Außer Spoonman war da nicht viel bei, was ich mochte. Ich hätte lieber SOULFLY (die zeitgleich mit SABBATH spielten) oder MACHINE HEAD (die auch zeitgleich spielten) auf der Mainstage gesehen.
Was meinte Metal Harry zu mir: "Hervorragende Musiker ohne Ausstrahlung". Recht hat er. Technisch einwandfreies Set, aber selbst das akustisch gebrachte Black Hole Sun konnte mich nicht begeistern. War es einfach nur zu heiß oder waren die wirklich so langweilig? Auch aus dem Publikum hörte man einiges Murren, da die Bands vorher doch recht gut einheizten wirkte AUDIOSLAVE beinahe als Showstopper.
Die - ohne Gesang - gespielten RAGE AGAINST THE MACHINE Cover brachten etwas mehr Stimmung auf, aber nee, das war nix. Zumindest nichts für mich.
Chris Cornell ist der falsche Fronter für RAGE AGAINST THE MACHINE, und RATM die falsche Band für Cornell. Oder ich bin vom falschen Planeten. Egal...

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... weil jetzt kamen ja

Black_Sabbath

Black_Sabbath Setlist: Intro - Sabbath Medley, N.I.B., After Forever, War Pigs, Fairies Wear Boots, Dirty Women, Symptom Of The Universe [instrumental] / Sweet Leaf [instrumental] / Electric Funeral, Iron Man, Into The Void, Black Sabbath, The Wizard, Sabbath Bloody Sabbath [Intro] / Paranoid
Encore: Sleeping Village [Intro] /Children Of The Grave

"No pictures @ Sabbath!" Und das heißt für mich eigentlich auch "No report about Sabbath".
Wie schon in Deutschland, wurde ca. 10 Min vor Showbeginn der wartenden Pressemeute klargemacht, dass außer Ozzy's Haus- und Hoffotograf niemand die alten Herrschaften knipsen dürfe. Und das liegt nicht am Veranstalter Mojo, nein, das liegt genau wie bei RAMMSTEIN nur am Management der Musiker. Ganz im Gegenteil, die Leute von Mojo hörten sich die Einwände der anwesenden Fotopresse, warum grade "er" unbedingt in den Graben müsse geduldig an, allerdings waren den Jungs und Mädels die Hände gebunden. Management sagt Nein.
Dabei gab es nichts zu verbergen. Zwar habe ich SABBATH selbst noch nie in Originalbesetzung gesehen, nur in ihren verschiedenen Inkarnationen, ebenso habe ich Ozzy diverse Male solo gesehen, sei es mit Jake E.Lee oder Zakk Wylde. Und? So gut wie heute habe ich sie noch nie erlebt!
Man muss sich ja mal vor Augen halten, dass da Herrschaften kurz vorm Rentenalter auf der Bühne stehen. Gut, Ozzy kennt man eh durch die MTV-Abenteuer seiner grenzdebilen Family, aber was der gute Junge stimmlich an diesem Tage zu leisten vermochte, war fantastisch. Sicher, er springt immer noch wie ein Frosch rauf und runter, klatscht in etwa so wie ein Dorftrottel bei 3 Promille, aber so hat er sich schon seit Jahrzehnten benommen, nix neues also. Auch die Wasserdusche kennt man schon seit Jahren. Und diesmal schaffte er es sogar, das dankbare Publikum zu benetzen!
Toni Iommi ist die Coolness himself, steht er doch die ganze Show über in seiner schwarzen Lederjacke auf der Bühne (und das bei 30 Grad). Geezer Butler's Haar ist zwar schütterer geworden, er zupft seinen Bass aber wie vor Jahrzehnten. Das größte Lob jedoch gehört Bill Ward: Mit fast schlohweißem Haar, zu einem Zopf gebunden, sitzt er mit nacktem Oberkörper hinter seiner Schießbude und trommelt was die Arme hergeben. Sagenhaft. Bei den Temperaturen schaffe ich es ja kaum mein Bierchen zum Mund zu führen. Bill wird auch von Ozzy bei der Bandvorstellung besonders gewürdigt.
Überhaupt spielen BLACK SABBATH sehr präzise, auf den Punkt genau und supertight. Von Ozzy sind keine Aussetzer zu bemerken. Absolut fantastisches Set, in dem einige Klassiker leider nur als Intro oder als Instrumental eingeflochten wurden. Aber besser so als gar nicht. Sleeping Village hätte ich trotzdem gerne komplett gehört. Geniale Performance, der eigentliche Headliner des Tages!

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Rammstein

Setlist: Reise, Reise, Links 2-3-4, Keine Lust, Feuer frei! , Sehnsucht, Morgenstern, Mein Teil, Stein um Stein, Stripped, Du riechst so gut, Du hast, Asche zu Asche, Amerika, Rammstein, Sonne, Ich will

Auch von RAMMSTEIN kann ich leider keine Fotos anbieten, von den 65 akkreditierten Fotografen durfte nur knapp die Hälfte ins Photopit, und die waren von RAMMSTEIN handverlesen. Warum ich nicht dabei war entzieht sich leider meiner Kenntnis... [nicht gebückt? Red.] und da BLACK SABBATH ihr Review bekamen, bekommen RAMMSTEIN auch eins.
RAMMSTEIN lieferten wie immer ein Feuerwerk an Pyros ab. Diese Bühnenshow ist, glaub ich zumindest, in deutschen Landen unübertroffen. Da rummst es an jeder Ecke, Feuerwände brennen ab, und ich weiß jetzt auch, wofür die ca. 30 Feuerlöscher an der Bühnenseite waren. Nicht auszudenken, wenn die Pyros unkontrolliert am Nachmittag hochgegangen wären.
Spätestens mit Links 2-3-4 hatte die Band das Publikum und auch mich fest im Griff, es wurde gebangt was das Zeug hält. Man mag zu der Band ja stehen wie man will, diese Show sollte man unbedingt mal gesehen haben. Grandios.
An den Rand der Geschmacklosigkeit geraten RAMMSTEIN nur bei Mein Teil, in dem ein blutverschmierter Till Lindemann einen Statisten erst mit seinem Fleischermesser-Mikrophon jagt und schlussendlich in einem großen Kessel kocht (und zwar mit einem Flammenwerfer). Haken wir das mal unter David Copperfieldeskem Zauberstück und als schlechten Witz ab...
Ansonsten ist die Lightshow tatsächlich der Hauptakt. RAMMSTEIN sind technisch und akustische Perfektionisten, überlassen nichts dem Zufall. Beim DEPECHE MODE Cover Stripped surft Bassist Oliver Riedel in einem Schlauchboot über die Köpfe der Menge, bei Du riechst so gut hantiert Till Lindemann mit einem Feuerbogen und schießt Feuerpfeile über das Publikum. Während Amerika prasselt ein rot-weiß-blauer Konfettiregen auf das Publikum nieder (und das wirklich heftig, es müssen einige Tonnen an Papier gewesen sein) und der Song ist wirklich keine Lobhudelei auf George Dubbel-Jus Ländle! Die (Light-)show muss man einfach gesehen haben, sie ist zu schwierig zu beschreiben. Da bewegt sich die gesamte Bühne, Lichteffekte überall und RAMMSTEIN knallen ihre Songs ins Publikum.
Bei der ersten Zugabe Rammstein machen wir uns nach einem langen heißen Tag auch auf den Weg nach Hause, der Parkplatz ist schließlich noch einige Kilometer entfernt, und unsere Heimatorte noch weiter, und die Müdigkeit kommt auch langsam durch.
Für den unwissenden Passanten muss es übrigens wie eine Völkerwanderung ausgesehen haben, na ja 48.000 Leute marschieren alle den gleichen Weg und das mitten in der Nacht...

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Ende vom Lied: Absolut gelungenes Event. Beste Organisation, Trinkwasser gab es kostenlos bei der Hitze. Für die Leute in den ersten Reihen wurden nasse Schwämme ins Publikum geworfen, die Fans erfrischten sich und warfen den Schwamm zurück. Lustig anzusehen übrigens. Klasse Sound, über Großbildleinwände konnte man die Details verfolgen, Essen und Trinken gab’s in reichlicher Auswahl. Umgerechnet kostete ein 0,2 Grolsch 1.80 €, Pommes oder Frikandel 2 €. Nix zu meckern eigentlich.
Ich würde mich freuen, wenn es nächstes Jahr wieder so ein schönes Festival mit großen Namen gäbe!

Rock on, Fields of Rock!

Jörg Litges, 25.06.2005

 

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