Nine Below Zero

Live At Rockpalast 1981 & 1996

( English translation by Google Translation by Google )

CD & DVD-Review

Reviewdatum: 15.02.2021
Jahr: 2020
Stil: Rock, Blues
Spiellänge: 150:13 (CDs), 157:39 (DVDs)

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Plattenfirma: MIG Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Rockpalast

Rory Gallagher

Gerry McAvoy

Lynyrd Skynyrd

Thin Lizzy

Outlaws

Titel
CD 1/DVD 1: 'Test Open Air, Loreley, 29.08.1981'
01. Don't Point Your Finger At The Guitar Man
02. Homework
03. True Love Is A Crime
04. Ridin' On The L+N
05. Helen
06. Sugar Beat
07. Sugar Mama
08. Rockin' Robin
09. Treat Her Right
10. You Can't Please All The People All The Time
11. Why Don't You Try Me
12. Three Time Enough
13. One Way Street
14. Pack, Fair & Square
15. Can't Say Yes Can't Say No
CD 2/DVD 2: 'Open Air Festival, Loreley, 23.06.1996'
01. It's Nothing New
 
02. Soft Touch
03. On The Road Again
04. Ridin' On The L&N
05. Tattoo'd Lady
06. Messin' With The Kid
07. I Wanna Be Loved (But Only By You)
08. The Loop
09. See See Baby
CD 3/DVD 2: 'Open Air Festival, Loreley, 23.06.1996'
01. Off The Handle
02. Laundromat
03. Let's Work Together
04. Don't Start Me Talkin'
05. Tore Up Over You
06. Medley: Tore Up / Bullfrog Blues
07. I'll Admit You're Gone
08. Moutain Road
09. Tico Tico
Musiker Instrument
Dennis Greaves Vocals, Guitar
Mickey 'Stix' Burkey, Brendan O'Neill Drums
Peter Clark, Gerry McAvoy Bass, Vocals
Billy Boy Harmonica
Guests:
Mark Feltham Harmonica
Brian Robertson Guitar
Robbie McIntosh Guitar
Lou Martin Keyboards
Paul Rose Guitar
De Dannan (Irish Band)

Die Korrektur gleich zu Beginn: Natürlich fand das erste Konzert aus dieser - gleichwohl sehr erfreulichen Veröffentlichung – nicht am 19. August 1981 statt, wie uns die Box auf der Rückseite glauben machen will. Das berühmte “Test Open Air“, mit dem die Rockpalast-Macher abchecken wollten, inwieweit ein Open-Air auf der Loreley angenommen würde, fand natürlich am 29./30. August 1981 statt. Was ja auch mehr Sinn macht, da es sich um einen Wochenenende handelte. Wohingegen der 19. ein Mittwoch war.

 

Nichtsdestotrotz wird wird mit dem hier enthaltenen Auftritt der britischen Pub-Rocker NINE BELOW ZERO eine Lücke geschlossen. Besagtes Open-Air wurde ja damals nicht live im Fernsehen übertragen. Nachdem inzwischen die Konzerte von THIN LIZZY (Headliner) sowie der OUTLAWS veröffentlicht wurden, fehlt eigentlich nur noch der Auftritt von 38 SPECIAL um diesen ersten Tag komplett zu machen. Hoffen wir, dass auch das noch veröffentlicht wird.

 

Eröffnet wurde dieses Open-Air, von NINE BELOW ZERO, die sicher in Deutschland noch nicht übermäßig bekannt waren, aber das störte weder Band noch Publikum. Sehr beeindruckend, die vier Briten hier eine energiegeladene Show abziehen. Allen voran Sänger/Gitarrist Dennis Greaves, dessen “Bocksprünge“ einem Pete Townshend alle Ehre gemacht hätten. Der Sound wird höchsten High-End Ansprüchen nicht gerecht, aber hier geht’s nun mal um Rock'n'Roll, um R&B und Blues, und da zählt Attitüde mindestens genauso viel. Einige Titel aus ihrem hervorragenden Live-Album vom Vorjahr, wie Ridin' On The L&N und Homework (kennen wir auch von der J. GEILS BAND) sind natürlich im Programm, die allesamt vom virtuosen Mundharmonikaspiel Mark Felthams profitieren. Was Power-Rock- und Blues-Harp angeht, gibt’s für mich keinen Besseren!

 

Ein paar ansatzweise ruhigere Stücke, wie Why Don't You Try Me (ist vielen auch durch Ry Cooder im Gedächtnis) sind auch im Programm, aber meist bricht sich das Adrenalin recht bald Bahn und es geht doch wieder sehr rockig auf der Bühne zu. Das schöne an so einem Konzert am Tag ist, dass man einen schönen Eindruck von der Location erhällt und wer jemals bei einem Open-Air auf der Loreley anwesend war, überkommt sicher ein wehmütiges Gefühl beim Blick vom Hand auf die Bühne.

 

15 Jahre später kann ich dann auch mitsprechen, denn an jenem 23. Juni 1996 war ich selber vor Ort. Da ich am Abend zuvor noch mit meiner eigenen Band auf dem Stadtfest meiner Heimatstadt (ca. 2 ½ Autostunden entfernt) gespielt hatte, wäre ich auf so eine “After-Show-Party“ am Sonntag eigentlich nicht scharf, aber schließlich lief dieser Tag unter dem Motto “Tribute to Rory Gallagher“ (der irische Sänger/Gitarrist war im Jahr zuvor verstorben) und da hat man gefälligst anwesend zu sein. Dass da dann hauptsächlich amerikanische Bands – von LYNYNRD SKYNYRD (Headliner) über MOLLY HATCHET bis zu THE BAND – spielten, die mit Gallagher sicher nicht so viel am Hut hatten, nun... , es war trotzdem ein Klasse-Tag.

 

Die benötigte Reminiszenz an Rory erfolgte letztlich zum einen durch Rorys Landsmann Eamon McCormack (der sich zu diesem Zeitpunkt Samuel Eddy nannte), der den Tag eröffnete und zum anderen durch NINE BELOW ZERO, welche die “Band Of Friends“ anführten, die dem angekündigten “Tribute“ gerecht werden sollten.

Dieses ist auf der zweiten DVD dieses Sets, bzw. der zweiten und dritten CD, verewigt. Am meisten Spaß hat man natürlich mit den zugehörigen Bildern und deshalb: DVD rein und sich freuen!

 

Alan Bangs (wer sonst?) übernimmt natürlich die anmoderation und allein der Beifall bei Rorys Erwähnung zeigt, dass nicht wenige aus diesem Grund hier sind.

Im Line-Up von NINE BELOW ZERO zu diesem Zeitpunkt die Weggefährten von Rory: Gerry McAvoy am Bass und Brendan O'Neill am Schlagzeug. An der Blues-Harp Billy Boy, der bei dem treibenden It's Nothing New gleich mal eine Kostprobe seines Könnens abliefert. Und, wie schon bei Gallagher, ist Gerry McAvoy mitverantwortlich für Bewegung und Power auf der Bühne.

 

Mit dem kernigen Soft Touch steigt die Stimmung weiter nach oben. Das powert schon richtig gut!

 

Mit CANNED HEATs On The Road Again tastet man sich so ganz langsam Richtung Rory voran. Bei diesem Boogie liefert Billy Boy, wie auch sonst, eine absolut überzeugende Performance ab. Selbst ich muss gestehen, dass Mark Feltham das wohl nicht besser gemacht hätte. 7 ½ Minuten bester Blues'n'Boogie. Und das folgende Ridin' On The L&N verfehlt seine Wirkung ebenfalls nicht. Und so geht’s direkt in den “Gallagher-Part“. Erwähnt werden sollte, dass Sound und Bild deutlich besser als 1981 sind. Darf man auch erwarten.

 

Danach brennt dann ein regelrechtes Feuerwerk ab. Lou Martin, langjähriger Keyboarder in Rorys Band ist der erste Gast und folgerichtig folgt mit Tattoo'd Lady der erste Gallagher-Song und die Begeisterung im Publikum steigt sicht- und hörbar. Auch vor dem Bildschirm kann ich mich eines Schauers nicht erwehren. Mark Feltham ist der nächste. Der Harp-Virtuose war sowohl in Gallaghers Diensten, als auch vor diesem Tag (und später wieder) bei NINE BELOW ZERO beschäftigt. Messin' With The Kid ist der Titel, der ihm die Basis für seine Blues-Harp-Kunststücke liefert. Und uns die Basis, für weitere Grins-Falten im Gesicht.

 

Dennis Greaves ist natürlich längst stilgerecht von der Gibson Gitarre zur Fender Stratocaster gewechselt. Ein weiterer Gitarrist gesellt sich für das Gallagher-Instrumental The Loop zu ihm: Robbie McIntosh, der einst den Gitarristen Honeymoon-Scott bei den PRETENDERS ersetzte und auf dessen Künste auch schon Sir Paul McCartney für einige Alben und Tourneen zurückgriff. Macht hier einen tollen Job, hat aber mit Feltham an der Harp eine sehr starke Konkurrenz. Da muss Robbie schon zum Slide greifen, um da auftrumpfen zu können. Freddy Kings See See Baby ist mir von Gallagher nicht geläufig, aber hier übernimmt Robbie den Leadgesang und zeigt sich auf der Gitarre weit blues-bewanderter, als man vermuten könnte. Und auch beim folgenden Off The Handle erfreut McIntosh mit ausgereiftem Slide-Spiel und seinem rauen Gesang.

 

Gleich zwei weitere Gitarristen folgen nun: Paul Rose, einst von Gallagher persönlich bei einem Wettbewerb zum Sieger erklärt und Brian Robertson, dereinst bei THIN LIZZY und kurzzeitig auch bei MOTÖRHEAD. Hier der Mann, der – wie Dennis Greaves verkündet - “den Jack Daniels in diese Band brachte“. Robertson ist auch der, der, mit enger Lederhose, strähnigen Haaren, Zigarette in der Hand und Sonnenbrille (dafür mit Sandalen), Hard-Rock-Flair auf die Bühne bringt. Optisch ein krasser Kontrast, werfen sich die Gitarristen bei Laundromat dann die Solo-Spots zu. So, wie man es bei so einem Line-Up erwartet.

 

Natürlich kriegt das zwischenzeitlich auch mal Jam-Session-Charakter, wie in Let's Work Together, aber der Zweck heiligt die Mittel, und die Mittel von Paul Rose sind nicht von schlechten Eltern!

Das muntere Wechselspiel geht dann weiter: McIntosh zurück für Don't Start Me Talkin, Tore Up (geht richtig gut ab), mit einem richtig aufdrehenden Lou Martin am Piano und danach ein Boogie (hat Elemente von La Grange wie von Shake Your Hips von den STONES)– von einem enthusiastischen McAvoy eingeklatscht – bei dem sowohl Billy Boy als auch Feltham mit ihren Blues-Harps begeistern, wie auch Robertson mit seiner Gibson "mitwühlt". Muss man zugeben, eine Sternstunde von “Robbo“ war's nicht.

 

Ansonsten aber sehr wohl. Erst recht, nachdem es in Bullfrog Blues übergeht. Da ist nicht nur McAvoy kaum noch zu halten. Das ist nicht höher zu treiben, sodass die irische Band DE DANNAN mit I'll Admit You're Gone eine, dem Anlass angemessene, melancholisch-besinnliche Note einbringt. Auch wenn viele wohl gerne weiter Party gemacht hätten. Auch die nächsten und letzten beiden Nummern bestreitet die Irish-Folk-Band und beendet damit diesen Set, der Rory Gallagher gewidmet ist und diesem fraglos gefallen haben dürfte.

Für die an diesem Tag Anwesenden sollte sich bald mit LYNYRD SKYNYRD noch ein weiteres denkwürdiges Konzert anschließen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

 

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