Lance Keltner

Nürnberg, Hirsch, 20.01.2003

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 20.01.2003

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Nürnberg, Hirsch, 20.01.2003

Und da war sie wieder. Meine Frage. Bin ich der einzige "Idiot", der am Montagabend 150 km mit dem Auto fährt um sich einen amerikanischen Sänger/Gitarristen in einem kleinen Club anzusehen?
Der einzige, bin ich nicht. Da ist noch mein Kumpel Jörg und tatsächlich auch noch ca. 30 andere Verwegene. Dass es nicht viel mehr werden, hat man sich bei den "Hirsch-Betreibern" wohl schon gedacht, denn, zu meiner Überraschung, ist nicht im Saal, sondern in der Bar angerichtet. Also quasi im Eingangsbereich, wo sonst der Merchandising-Stand steht, hat man eine Bühne aufgestellt. Naja, verpasst man beim Durst löschen wenigstens nichts von der Show...

Vorband gibt's natürlich keine (wär bei 10 Euro Eintritt auch wirklich verwunderlich) und so dauert es gar nicht lange, bis ein schwarz gekleideter "Jüngling" die verstreuten Bandmitglieder sammelt und die Bühne entert. Urplötzlich wird's aufgrund der Gegebenheiten auch ganz schön laut. Möglichkeiten zur Flucht gibt's nicht viele (es sei denn aufs Klo) und so gewöhnt man sich halt einfach an den Pegel.
Mit Ride The White Horse von ihrer aktuellen CD legen Lance Keltner und seine Cowboy Vampires los. Gefolgt von Welcome Back vom selben Album. Überhaupt bin ich überrascht, relativ viele Songs aus dem 2002er Album präsentiert zu kriegen. Bedingt durch die Samples, die bei vielen Songs auf "Lance Keltner" verwendet wurden, hätte ich nicht damit gerechnet. Tatsächlich hat die Band einen silbernen Kasten auf der Bühne stehen, der von Co-Gitarrist Mark Younger-Smith bei den entsprechenden Songs kurz bedient wird. Wie auf der CD fällt es aber selten wirklich auf, und wenn, dann sogar positiv! (Und das aus meinem Munde...).

Wenig Light-Show gibt's natürlich in diesem Rahmen auch, also bleibt alles an der Band hängen. Und da vor allem an Lance Keltner! Erstens spielt er eine absolut geile Slide-Gitarre und zweitens hat er eine Klasse-Stimme, die sich leider bei den vorhandenen Lautstärken und teilweisen Soundproblemen nicht so durchsetzen kann. Umso beachtlicher was er gesanglich leistet. Hin und wieder erinnert mich sein Gesang an Chris Robinson (Black Crowes), nur mit noch mehr Power!
Das kommt auch bei dem Rocker Way Of My People gut. Dann ein älterer Song, House Of Blue Light. Steht aber den neueren Songs in nichts nach.

Leider reißt ihm schon recht bald eine Saite an seiner "Main-Guitar" (sieht mir sehr nach einer Zemaitis-Gitarre aus) und es dauert fast bis zum Ende der Show, bis sich endlich jemand ihrer annimmt und eine neue Saite aufzieht. So muss er seine Telecaster öfter, für seine "offenen Stimmungen", umstimmen. Diese Pausen überbrückt er aber ganz unterhaltsam mit ein paar Anekdoten.

Es folgt Streets Of New Orleans mit seinem hypnotischen Groove.
Wenn die Jungs nur bekannt genug wären, dann wäre Light A Candle bestimmt ein Riesen-Balladen-Hit. Zum Glück wird's aber eigentlich nie richtig balladesk.

Lance dominiert das Geschehen auf der Bühne, aber hin und wieder überlässt er auch Mark Younger-Smith ein Solo, welches dieser gerne aufnimmt und sich mit fetzigen Riffs und sparsamen aber effektiven Läufen bedankt. Leider ist er im Vergleich zu Lance ein ganzes Stück leiser - trotzdem hört man, dass er einen "damn good job" verrichtet. War nicht umsonst mal bei Billy Idol, der Mann.

Für Dirty Knees schaltet Mark auch wieder einen Drum-Loop ein, der bei diesem Song am deutlichsten auffällt. Kommt tatsächlich richtig gut diese Synthese aus Techno und Hartem Rock.
Mal schnell gestimmt, und schnell eine Anekdote: Beim letzten Besuch in Deutschland ist Lance mit seiner Band von Frankfurt aus zum Auftritt in Lorsch mit der Bahn aufgebrochen. Bei der Ankunft mussten sie feststellen, dass es mindestens drei Lorsch in Deutschland gibt und sie natürlich das falsche erwischten. Schließlich haben sie es aber dann doch noch zum Gig geschafft. Trotzdem ist er froh, dass es nur ein Nürnberg hierzulande gibt.

Throwing Stones vom 99er Album "Empty V" ist der nächste Song. Einer meiner Favoriten.
Es folgt Bye Bye Donkey - ein weiterer Riff-Rocker! Und da - plötzlich - mitten im Song "Whose that knockin' on my door...". Hey, das kenn' ich!! Ja, da wird schnell mal Rod Stewarts Hot Legs eingeflochten und, bei Gott, Rod wäre froh, wenn er das heute noch mit so einer Power wie Lance Keltner singen könnte!

Die Single Abilene wird präsentiert und von Voodoo Doll verfolgt. Mensch die hätten wirklich mehr Publikum verdient, dann würde es sicher noch mehr abgehen. So stehen Jörg und ich vier Meter von der Bühne entfernt immer noch alleine in der "ersten Reihe".

Zur Zugabe bekommt Lance auch wieder seine Haupt-Gitarre zurück und fetzt damit noch mal durch Devil And The Deal.
Zwischendurch habe ich schon mal nach Show Me gerufen und mit dem letzten Song hält die Band das Versprechen von vorhin. Schon fast brachial wird dieser Ron Wood-Song "rausgeprügelt". Kein Wunder, dass diesmal gleich 2 Saiten an Lance' Gitarre reißen. Egal, war eh der letzte Song. Die Band verabschiedet sich und ich ärgere mich schon, dass ich am 30. Januar nicht zu seinem Auftritt in Frankfurt gehen kann (weil ich mit meiner Band am gleichen Tag in Frankfurt spiele!).
(Spinnst Du? Macht lieber Vorband bei Lance und seht zu, dass paar Leute kommen! Die Chefredaktion ist entsetzt!)

Lediglich einen besseren Sound und etwas mehr Licht hätte ich mir gewünscht, ansonsten: Ein absolut begeisterndes Konzert!
Ach so: Ein paar mehr Idio... ääh Zuschauer hätten es natürlich auch sein dürfen.
Woanders bezahlt man bis zum zehnfachen (!!!) für so ein tolles Konzert.
Ich gebe trotzdem nicht auf - bis zum nächsten mal Lance!

Epi Schmidt, 25.01.2003

 

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