Oasis

Don't Believe The Truth

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 26.05.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Oasis
Don't Believe The Truth, SINE/Sony BMG, 2005
Noel Gallagher Vocals
Liam Gallagher Guitar
Gem Guitar
Andy Bell Guitar
Zak Starkey Drums
Paul "Strangeboy" Stacey Piano, Mellotron
Martin Duffy Piano
Lenny Castro Percussion
Terry Kirkbride Drums (Mucky Fingers)
Produziert von: D. Sardy, Noel Gallagher Länge: 43 Min 01 Sek Medium: CD
1. Turn Up The Sun (Andy Bell)7. Guess God Thinks I'm Abel (Liam Gallagher)
2. Mucky Fingers (Noel Gallagher)8. Part Of The Queue (Noel Gallagher)
3. Lyla (Noel Gallagher)9. Keep The Dream Alive (Andy Bell)
4. Love Like A Bomb (Liam Gallagher, Gem)10. A Bell Will Ring (Gem)
5. The Importance Of Being Idle (Noel Gallagher)11. Let There Be Love (Noel Gallagher)
6. The Meaning Of Soul (Liam Gallagher)

"Don't Believe The Truth" - nicht der Wahrheit glauben? Ja, was in aller Welt soll ich denn noch glauben? Hättet's nicht besser "Never Trust A Politician" oder ähnlich nennen können, Euer sechstes Studioalbum?
Und da geht es doch schon wieder los, eigentlich ist es Euer siebtes... ja, nicht das eigene Licht untern Scheffel stellen, "The Masterplan" (1998) beinhaltete zwar nur B-Seiten etc., aber eben was für welche! I'm confused, but I'm also amused!!

Ich will gar nicht erst wieder die alte Leier auspacken und rumjammern, dass es erneut kein "(What's The Story) Morning Glory" (1995) geworden ist. Die Gebrüder Gallagher mögen dieses a.) vielleicht tatsächlich nicht mehr hinkriegen, aber b.) vielleicht wollen sie es auch gar nicht. Fakt ist, dass sie sich nach dem '97er-Durchhänger "Be Here Now" wieder gefangen haben und die nachfolgenden Alben wieder überzeugen konnten. In England war die im Voraus erschienene Single Lyla bereits wieder ein großer Hit, während der Rest der Welt die nicht immer so lieben(swerten) Brüder (und ihre Bandkumpels) nicht immer so ganz so gern hat.

OASIS sind mittlerweile eine "richtige" Gruppe. Nachdem seit einiger Zeit der kleine Bruder Liam mit dem an Lebensjahren mehrere Jahre vorausgeeilten Noel in Sachen Kompositionen in einen vielversprechenden Wettstreit getreten ist (Born On A Different Cloud bildete einen Höhepunkt auf dem vor drei Jahren veröffentlichten letzten Longplayer "Heathen Chemistry"), schreiben jetzt auch die "neuen" Mitglieder Andy Bell und Gem fleißig mit. Dem "Älteren" scheint das einige Last von den Schultern zu nehmen. Das nach wie vor sicherlich richtungsangebende Mitglied der Band liefert auf seinen Kompositionen The Importance Of Being Idle und Part Of The Queue astreine Gesangslinien ab, die dem üblichen Leadsänger Liam G. schwer Konkurrenz machen. Überraschend keinesfalls, glänzte Noel doch bereits vor zehn Jahren mit der ersten Stimme auf der mega-erfolgreichen Single Don't Look Back In Anger.
Einen weiteren Personalwechsel gab es auch noch zu verzeichnen. Drummer Alan White ist nicht mehr mit von der Partie, statt dessen hat bei den Aufnahmen zum neuen Album Ringo Starr's Sohnemann Zak Starkey die Felle verdroschen. Nun bedurften die bisherigen OASIS-Songs nicht unbedingt einer Drum-Legende oder eines virtuosen Schlagzeugers, jedoch bilde ich mir ein, dass es ihre bis dato beste Scheibe in diesem Bereich ist.

"Don't Believe The Truth" bietet wieder prima handgemachten Rock. Typischen OASIS-Rock eben, meistens im mittelschnellen Bereich angesiedelt und in ihrem gewohnt unverkennbaren Sound. Man hat sich erfreulicherweise schwer auf die Klampfen konzentriert, welche gemeinsam mit den Vocals die Hauptarbeit leisten. Klar gibt es hier und da noch ein Piano oder Mellotron zu entdecken, für Atmosphäre muss ja ab & an gesorgt werden. Den Freund des puristischen Sound wird's freuen, Meister Kleister hat erfreulicherweise nicht mitgewirkt.
"Don't Believe..." in die seichte Pop-Ecke abzuschieben, halte ich für unangebracht. OASIS-Alben werden zunehmend komplexer und es reicht eben auch nicht immer, x-mal "I'm A Rock'n'Roller" herumzubrüllen. Ein simples "Yeah" zum rechten Zeitpunkt hat da oft mehr Wirkung.

Ich gebe zu, jedes neue OASIS-Album erzeugt bei mir eine Spannung und Neugier. Und wenn der Opener nicht gleich die vorher ausgekoppelte Single war erst recht. Auf "Don't Believe..." kommt beim Erklingen der ersten Töne gleich die Überraschung positiver Natur. Der Sound ist wieder etwas rauer ausgefallen und Turn Up The Sun groovt wie kaum erwartet. Die Andy Bell-Komposition beweist schon mit dem ersten Song, dass OASIS tatsächlich eine "richtige" Band geworden sind (... sofern das ein Outsider jedenfalls zu beurteilen vermag...). Der Track hat nicht den typischen "Strophe/Refrain/Strophe/Refrain/Solo/Refrain"-Aufbau (wovon OASIS zunehmend abkehren), sondern endet nach einem sich steigernden Intro und zwei Strophen plus Refrains irgendwo ganz gemach. Turn Up... präsentiert Liam gleich wieder mit den gewohnten, etwas quängeligen Vocals plus Bruderherz Noel als Klasse-Background-Sänger.
Mucky Fingers ist der zweite und zugleich schwächste Song der neuen Scheibe. Man wiederholt sich einfach zu oft und der an sich heftige Track beginnt schnell zu langweilen. Noel Gallagher, der einst für das komplette Songmaterial verantwortlich war, kann sich glücklich schätzen, mittlerweile starke "Mit"-Komponisten an seiner Seite zu haben. Die erste Komposition auf "Don't Believe..." aus seiner Feder stammend, zeigt das ganz deutlich auf. Andersherum, sein Gesang wird zunehmend besser je weniger er alleinverantwortlich fürs Songwriting ist.
Die erste Single Lyla sollte auf den Tanzflächen für Bewegung sorgen, angelehnt an alte WHO-Songs. Noel scheinen irgendwo im Song die Ideen ausgegangen zu sein, zum Ende hin wiederholt man sich doch ein bisschen viel. Trotzdem, das Teil ist ein ganz anständiger Rocker und liegt meilenweit über dem durchschnittlichen Chartfutter.
Love Like A Bomb, geschrieben von Liam und seinem Bandkumpel Gem, beginnt wie ein schon x-mal gehörter typischer OASIS-Track, ehe es mittendrin eine kleine Pianopassage gibt, welche den Song weiter hervorhebt. Ein Beispiel von vielen, wie weit das Songwriting zwischenzeitlich innerhalb der Band vorangeschritten ist. Es wird nicht strikt nach Schablone musiziert, die Überraschungen nehmen zu.

Noel Gallagher hat zwar die Songschreiber-Feder teilweise an seine Kollegen abgegeben, mit einer Perle wie The Importance Of Being Idle hat er allerdings erneut einen Klassiker geschrieben. Wäre es in der Sechzigern entstanden, man spräche in heutigen Tagen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einem Evergreen. Seine Gesangsleistung ist phänomenal und ich würde dringendst anraten, den Song als Single auszukoppeln.
The Meaning Of Soul und Guess God Thinks I'm Abel, beides Kompositionen Liam Gallaghers, zeigen wie weit sich der "kleinere" Bruder mittlerweile entwickelt hat. Während The Meaning... mal eben kurz und heftig zeigt was ein Rocker ist, zeichnet sich Guess God... durch ein glänzendes Arrangement mit einem unerwarteten Ende aus. Dass man phasenweise arg nach John Lennon klingt... sei's drum. Tom Petty muss halt auch damit leben, immer wieder mit Roger McGuinn verglichen zu werden.

Part Of The Queue "muss" nach The Importance... dann die dritte Single werden. Wiederum mit Noel an den Leadvocals, liefern OASIS einen leicht melancholisch angehauchten, phänomenalen Song ab, der ihre Klasse unterstreicht.
Es folgt ein Highlight dem nächsten. Der zweite Neuzugang (d.h. eigentlich schon seit einigen Jahren in der Band) Andy Bell hat mit seiner zweiten Komposition Keep The Dream Alive einen weiteren Kracher abgeliefert. Liam's Gesang hat merklich an Konturen gewonnen, Bruder Noel's Leistungen auf diesem Gebiet scheinen ihn beflügelt zu haben. Wieder eher im Midtempo-Bereich angesiedelt, durchziehen den Song Spannungsbögen wie sie andere Acts nur selten hinkriegen, während OASIS diese anscheinend nur so aus dem Ärmel zu purzeln scheinen.
Song Numero zehn, die Gem-"Geschichte" A Bell Will Ring, beweist zum erneuten Male, dass man es hier mit einer Band in Höchstform zu tun hat. Die Tage der Alleingänge Noel's sind passe, der kleine, rockig angehauchte Song beweist das in seiner ganzen überzeugenden Aufführung.
Den Abschluss bietet das an Champagne Supernova (1995) erinnernde Let There Be Love, auf dem sich die Gallagher's den Gesang teilen und "Don't Believe The Truth" zu einem ganz starken Abschluss verhelfen.

OASIS stehen in der Tradition der großen britischen Pop (& Rock) Bands der sechziger Jahre. Viele ihrer Hits setzen konsequent die Linie der WHO (Substitute, I'm A Boy), KINKS (Sunny Afternoon, Waterloo Sunset) oder BEATLES (Ticket To Ride, Paperback Writer) fort. Sie als Teil der längst abgeflauten Britpop-Welle (Mitte der Neunziger) abzuqualifizieren, dürfte allein schon durch die Tatsache nach wie vor hoher Chartplazierungen ad absurdum geführt werden.
Während ihre einstigen Konkurrenten um den albernen Thron der besten Britpop-Band nahezu vollständig in der Bedeutungslosigkeit versunken sind, wird ihren Veröffentlichungen nach wie vor großes Interesse entgegen gebracht. Ein teilweise selbst verschuldetes schlechtes Image (zumindest außerhalb des UK) und nicht immer glücklich verlaufene Tourneen (lustloses Auftreten, Tourabbruch wegen Schlägerei, zeitweiser Ausstieg Noel Gallaghers während einer Tournee) haben sicherlich dazu beigetragen, dass ihnen die Anerkennung für nahezu konstant hochwertige Alben vielerorts verwehrt blieb.
In einem kürzlich ausgestrahlten Radiobeitrag bezüglich ihres Auftritts beim "Hurricane Festival" im norddeutschen Scheeßel meinte die Reporterin, ihr seien die Jungs während des Interviews richtig erwachsen vorgekommen. Nicht ein Mal sei das berühmte Wort mit den vier Buchstaben gefallen. Dem will ich mich jetzt mit meiner Albumbewertung nicht anschließen. It's f*** great new stuff!!!

Jürgen Ruland, 26.05.2005

 

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