Deep Purple

Gotthard

Oberhausen, KöPi-Arena, 13.11.2008


Konzertbericht

Reviewdatum: 13.11.2008

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Redakteur(e):

Frank Ipach

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Oberhausen, KöPi-Arena, 13.11.2008

Das im Rahmen ihrer 40-jährigen Bandjubiläumstour anberaumte DEEP PURPLE-Konzert in der KöPi-Arena in Oberhausen hat mich erneut in meiner Meinung, Großhallenkonzerte seien meist ihr Geld nicht wert, bestätigt. Ich habe so einige Dutzende Konzerte in großen Hallen und Arenen erlebt und ging nie hundertprozentig überzeugt nach Hause. So sprang auch der Funke den es braucht, um einen Zuschauer/Zuhörer zu beeindrucken bzw. zu berühren, am Donnerstag in der zu etwa Dreiviertel gefüllten KöPi-Arena nicht über. Glücklicherweise musste ich als Berichterstatter für's Hooked On Music kein teures Geld auf den Tresen legen und wie man an den feinen Fotos des Kollegen Litges erkennt, war es zumindest optischerseits kein Fiasko.

Interessanterweise hat mich die Supporting Band aus der Schweiz, die unverwüstlichen GOTTHARD, die mit ihrem Happy-Go-Lucky Mainstream Metal für gute Laune sorgten, weniger gelangweilt als die offenbar etwas (tour-)müden, irgendwie demotiviert wirkenden DEEP PURPLE. GOTTHARD ließen zwar keine der üblichen Publikumsanmachparolen aus, was mitunter etwas anbiedernd und aufgesetzt wirkte, brachten aber ein ordentliches Pfund donnernder Rockmusik über die Rampe, wobei der formidable Sänger Steve Lee seine Truppe intonationssicher und äußerst kraftvoll zwischen BON JOVI verdächtigen Kuschelsongs und deftigen Riff-Rockern mit satten Twin-Lead-Guitars hin und her dirigierte. Langeweile kam während der immerhin 60 Minuten nicht auf. Hätte ich so nicht erwartet, Männer. Gute Show, trotz meiner miesen Sicht (Seitenrang, ca. auf Höhe der Bühne, schätzungsweise 70 bis 80 Meter Luftlinie bis zur Bühne)) und des teilweise mangelhaften Sounds!

Dachte ich bei GOTTHARD noch, der Sound könne ruhig etwas differenzierter, transparenter und echter klingen, wurde ich während der ersten DEEP PURPLE Songs eines besseren belehrt. Es mag durchaus daran gelegen haben, dass Kollege Litges und ich generell eine ungünstige Position innehatten, doch die angebotene Lautstärke war einfach kontraproduktiv und, mit Verlaub, nach über 30 Jahren Rock'n'Roll darf ich mir dieses Urteil wohl erlauben, die Orgelriffs des Hammond-Wizards und Jon Lord Nachfolgers Don Airey, haben mir zeitweise in den Ohren geschmerzt. Kollege Litges stand auch für die üblichen 3 Songs im Fotopit und ließ sich von Steve Morses Gitarrenkaskaden die Trommelfelle durchbürsten. Wow! Hard-Rock muss laut sein, Leute, aber nicht so matschig laut. Bleibt zu hoffen, dass die Fans im Innenraum es besser trafen.

Wie bereits angedeutet, spulten PURPLE ihr 90-minütiges Programm ohne großartige Höhepunkte routiniert herunter, wobei der in Ehren ergraute und momentan recht schlank daherkommende Ian Gillan kaum Esprit oder Charisma zu versprühen verstand und auch Schwächen bei der Treffsicherheit schwieriger Töne offenbarte. Okay, mit 63 Lebensjahren und 40 Profi-Bühnenjahren auf dem Buckel darf man auf eine gewisse Portion Verständnis hoffen, doch die Art und weise wie Gillan sein Programm abzuarbeiten schien, war nicht gerade von prickelnder Spannung geprägt.

Möglicherweise war meine Erwartungshaltung einfach zu hoch. Ich hatte DEEP PURPLE niemals zuvor live erlebt, kenne ihre Platten aber seit meinen frühesten Jahren (Black Night z.B. war eine meiner ersten Singles), kenne einige Live-DVD's der Herren und weiß ihre Fähigkeiten durchaus zu schätzen, mag vor allen Dingen auch den imposant spielenden Drummer Ian Paice, doch der Donnerstagabend in Oberhausen war nicht dazu angetan, den PURPLE'schen Legendenstatus bei mir zu manifestieren. Vielleicht haben sie einfach auch zu wenig Gassenhauer im Gepäck gehabt. Wo waren unvergessene Perlen wie Fireball, Woman from Tokyo, Maybe I'm a Leo, Bloodsucker, When a blind man cries oder Never before? Oder haben sie diese Songs etwa alle im Zugabenblock gebracht, den wir während des ersten Encores (Hush) schließlich Richtung Parkhaus verließen? Wohl kaum.

Immerhin gab's einige fette Songs wie das unkaputtbare Highway star oder das furiose Space truckin', ein fröhliches Strange kind of woman und das unvermeidliche Smoke on the water, bei dem natürlich das Publikum in die Pflicht genommen wurde, das zwar bereitwillig, aber keineswegs enthusiastisch mitging.
Okay, PURPLE wollen sich wahrscheinlich nicht als tumbe Oldieband verstanden wissen, insofern kann man die mit publikumswirksamen Glanzlichtern eher ärmlich ausgestattete Setlist möglicherweise noch nachvollziehen. Aber, Leute, ein wenig mehr Lust, Enthusiasmus und Leidenschaft darf man doch wohl von ein paar gestandenen britischen Legenden wie PURPLE erwarten? Oder liegt alles doch nur an meiner Antipathie gegenüber großen Hallen und Arenen?

Frank Ipach, 13.11.2008

Generell kann ich dem Kollegen Ipach beipflichteten, GOTTHARD sind eine super sympathische Band, mit begnadeten Gitarristen (Leo Leoni und Freddy Scherer begeistern mich immer wieder mit ihren Riffattacken) aber musste ein eine minutenlange Keyboard-Soloperformance als Opening Act sein? Egal. Die Jungs haben ihren Job als Anheizer gut gemacht.

Ich wusste schon im Vorfeld, das PURPLE den großen Teil ihres Sets aus neueren Stücken bestreiten werden. Leider kann ich nicht so auf das neue Material, somit ging's für mich erst mit dem letzten Drittel richtig ab. Highway Star, dann das Metal Riff schlechthin Smoke On The Water, von Steve Morse hervorragend vorgetragen. Morse beherrscht sein Handwerk, haucht den alten Klassikern neues Leben ein. Ian Gillan strengt sich mächtig an, extrem dünn und barfuss, wirkt er fast zerbrechlich. Ian hat auf seinen "Screams" auch anständig Hall liegen, einer Methode der sich auch Jon Oliva bedient um die hohen Töne zu verschönern, aber ein Child In Time werden wir von Ian Gillan wohl nie wieder hören.

Der Sound am anderen Ende der Halle, also gegenüber der Bühne war recht anständig, allerdings sah man die Akteure nur in Ameisengröße, trotz Bildwänden an den Seiten. Am Ende war es ein gelungener Abend nachdem man, zwar Abstriche an die Legende DEEP PURPLE machend, zufrieden nach Hause gehen konnte.

Schaut euch die Fotostrecken von DEEP PURPLE und GOTTHARD an!

Jörg Litges, 13.11.2008

 

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