Meat Loaf

The Darkness

Oberhausen, KöPi-Arena, 07.11.2003


Konzertbericht

Reviewdatum: 07.11.2003

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Oberhausen, KöPi Arena, 07.11.2003

MEAT LOAF machte auf seiner letzten Tournee überhaupt, und beim letzten Konzert in Deutschland, auch in der Oberhausener Arena halt, Grund genug für mich dem Herrn einen Besuch abzustatten.
Die Arena ist ausverkauft, Einlass funktioniert aber schnell und reibungslos wie immer, ein grosses Lob an die Organisation. Grade auf der Tribüne platzgenommen geht es auch schon los mit dem Support Act: THE DARKNESS aus UK.

Was zum Teufel finden die Inselbrüder nur an dieser Band? Sie scheint drüben die ganz große Nummer zu sein, hier können sie allerdings mit ihrem 70er Jahre Retro Rock nur 5 Leute in der ersten Reihe begeistern. Jedes Riff ist irgendwo geklaut (frei nach dem Motto: Besser gut geklaut, als schlecht selbstgemacht). Ich höre Anleihen bei STATUS QUO (Whatever you want) das Intro zu AC/DC's Thunderstruck, POISON und viele mehr, dazu kommt ein Sänger der wie ein Eichhörnchen auf Ecstasy Spreizsprünge nonstop praktiziert (im schicken 70er Jahre Schlaghosen-Jumpsuit) und dabei kreischt bis das Trommelfell platzt. Wie deprimierend muss es für eine Band sein, wenn 14.000 Leute nur bei der Ansage "This is our last song for tonight" ausrasten, als ob grade Jimi Hendrix höchstpersönlich vom Himmel herunterschwebt?
Als Coverband sind THE DARKNESS sicherlich nicht schlecht, aber Chartsmaterial sind sie, zumindest in unseren Breiten, wohl kaum... (und für mich schon gar nicht).
(s.a. CD-Review)

Nach kurzer Umbaupause wird es dann dunkel und Meat Loaf & Band betreten mit fluoreszierenden Masken und Gitarren zu dem kombinierten Intro von Wasted Youth und Bad For Good (von Jim Steinman's gleichnamigem Album) die Bühne und werden von den Fans frenetisch begrüßt. Los geht's mit Life Is A Lemon And I Want My Money Back vom 93er "Bat Out Of Hell 2" Album. Meat Loaf rennt dabei ungehalten von Bühnenende zu Bühnenende und fordert energisch das Publikum in den Rängen zum mitmachen auf! Nahtlos gehts über zu Rock'n'Roll Refugee und man merkt sofort, dass Meat Loaf nicht gut bei Stimme ist. Auch Mercury Blues hört sich nicht wirklich gut an...

Später sollte ich erfahren, dass er bei dem Berliner Konzert einen Tag zuvor auf der Bühne kollabiert ist, das Konzert auch frühzeitig beenden musste. Außerdem braucht der gute Mann wohl einige Zeit zum einsingen, den spätestens ab dem vierten Song, Deadringer, ist er auch stimmlich voll auf der Höhe

Deadringer hat wie immer das alte Eifersuchtsdrama als Thema, und ended mit Meat Loaf am Boden, Sängerin Patricia die Stiefel küssend. All Revved Up tönt in einem leicht veränderten Arrangement und den beiden Backgroundsängerinnen als Cheerleaders verkleidet. Testify, ein Song vom neuen Album "Couldn't Have Said It Better", folgt zu bebendem Applaus.

Endlich schallt I'd Do Anything For Loveaus der PA, auf das die Fans wohl gewartet haben, denn nun ruckt auch mal ein wenig Leben in die Ränge. Netter Gimick: Patricia räckelt sich bei ihrem Gesangspart auf einem Sofa, welches wie von Geisterhand in die Höhe schwebt...
You Took The Words Right Out Of My Mouth ist als nächstes dran, sogar mit dem originalen Intro von 1978, mit den Stimmen von Jim Steinman und Ellen Foley. Beim Mitsingteil ist der Schwergewichtler allerdings sehr unzufrieden. Er erklärt: "Ich habe Fieber, und mein Arzt hat gesagt, wenn ich heute auftrete, könnte ich ins Krankenhaus kommen. Ich bin nicht heute hier um euch SO singen zu hören" und danach klappts auch mit dem Mitsing-Teil.

Couldn't Have Said It Better glänzt mit einem umwerfenden Gesangsduell mit Sängerin Patricia, und bei Out Of The Frying Pan And Into The Fire kommt, nach Thomas Gottschalk, auch der Gitarrist in den Genuß (?) eines Meat Loaf-Zungenkusses.
In silberner Lederjacke (einige Nummern zu klein, nebenbei) gibt's jetzt eine Granatenversion von Paradise By The Dashboard Light. Zum Ende hin hoppelt der Gute Gorilla-mässig über die Bühne, um dann von Patricia "erlegt" zu werden, die dann in Siegerpose über ihm triumphiert.
Ohne Pause geht es über zu Did I Say That und endlich folgt *der* Song auf den wohl alle gewartet haben: Bat Out Of Hell in der Superlangfassung. Wahnsinn. Von Erkältung und Fieber merkt man nichts mehr, die Halle kocht!

Nach Bandvorstellung - anstatt Tochter Pearl steht ihm neben Patricia noch Sängerin C.C. zur Seite - und Kasim Sulton (seit 20 Jahren Meat Loaf's treuer, niemals alternder, Mitstreiter) war natürlich auch wieder mit von der Partie. Kurzer Abgang.
Den nächsten Song widmet er dem Publikum: "Wenn Ihr das Song nicht habt, ladet ihn aus dem Internet, I don't care, this is for you!" Forever Young (yupp, der von Bob Dylan).
Es folgt We Are Family und Meat Loaf steht nun seit 2 Stunden und 20 Minuten auf der Bühne... Leider musste ich bei dem Song die Halle verlassen um rennend knapp den letzten Bus nach Essen zu bekommen, schade! Mir taten es allerding viele gleich, und es lag sicher nicht daran dass die Show schlecht war. Der VRR ist schuld! (VRR? Vereinigung rüstiger Rentner? Aufklärung bitte an die Red.) Schiebt doch bei solchen Shows einfach mal einen Bus mehr ein, verdammich.
Verpasst haben wir alle allerdings nicht mehr viel, 3 Deutschlandflaggen fielen von der Hallendecke, und nach knapp 150 Minuten ist sie vorbei, die letzte Show Meat Loaf's auf deutschem Boden.

Alles in allem ein geiles Konzert, mit einem nicht ganz gesunden Meat Loaf, dem man definitiv anmerkte, dass er nicht auf 100% war, und durchschnittlicher Vorgruppe. Kasim Sulton hätte wie in USA den Support machen sollen, auch die Fans wären sicher begeisterter gewesen.

Meat, you will be badly missed!

Jörg Litges, 09.11.2003

 

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