Rush

Oberhausen, KöPi-Arena, 17.09.2004

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Konzertbericht

Reviewdatum: 17.09.2004

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Oberhausen, KöPi Arena, 17.09.2004

Im Sommer 2002 meldeten sich RUSH nach sechsjähriger Schaffenspause eindrucksvoll mit dem Album "Vapor Trails" zurück. Stilistisch ging's ein wenig in die früheren Tage, Keyboards suchte man vergebens. Auch die jüngst veröffentlichte Cover-EP "Feedback" glänzte mit hervorragenden Einspielungen alter Klassiker, gänzlich auf Tasteninstrumente verzichtend. Soweit noch einmal kurz zu den letzten Releases der kanadischen Ausnahmeband.
Im Anschluß an "Vapor Trails" begaben sich RUSH auf ausgedehnte Nordamerika-Tour, und als bekannt wurde, dass es keine europäischen Dates geben würde war der Aufschrei der Empörung/Enttäuschung in einigen Rockzeitschriften groß. Immerhin fand die letzte Tour 1992 statt (... remember Köln Sporthalle?), und auch wenn die Band hierzulande kein Megaseller ist/war, auf eine Fangemeinde lässt sich schon blicken.
In einem Kommentar hieß es aufgrund des Nichtsattfindens der ins Auge gefassten Tour sinngemäß, man würde auch vor der Bühne knien wenn das Trio bei Kerzenlicht und nur ein paar Verstärkern spielen würde. RUSH wollten jedoch die komplette Show auffahren und fürchteten ein finanzielles Risiko. Wer jemals die DVD "Rush In Rio" gesehen hat, wird mit einer gewissen Trauer an die entgangene Live-Präsenz gedacht haben. Als dann aufgrund des 30jährigen Jubiläums doch noch Konzerte in Europa, darunter eben auch in Germoney (?) angesetzt wurden, war die Freude riesig. Bei mir, bei Freunden und Bekannten, bei vielen RUSH-Besessenen, aber in der gesamten Rockszenerie? Oder ist die schon so geschrumpft? Möglich ... im Vorfeld konnten einige Bedenken auftreten, wenn man sich mal die Hallen und ihre Größe zu Gemüte führte. War es 1992 noch die alte Kölner Sporthalle mit ihrem unvergleichlichen Flair (aber eben auch nur 6-7000 Plätzen), in welcher RUSH ein megastarkes Konzert vor nicht ganz ausverkauften Rängen ablieferten, so musste es jetzt also die doppelt so große König-Pilsener-Arena in Oberhausen sein. Gut, RUSH beabsichtigten die volle Show mitzubringen, aber hätte es nicht auch die Essener Grugahalle getan?

Wie zu erwarten gab es kein "sold out", die Oberränge blieben gesperrt, die unteren Reihen und der Platz vor der Bühne waren allerdings gut gefüllt. Trotzdem, so etwas kann trüben... Die Konzertabsage in München mag sicherlich auf logistischen Problemen beruhen, aber wusste man das nicht vorher? Ein fader Beigeschmack bleibt, und sicherlich auch viele (?) dortige enttäuschte Fans.

RUSH in Oberhausen, Freitag der 17. September 2004. Ein wunderschöner sonnendurchfluteter Spätsommertag, und bereits Stunden vor dem Konzert pilgern viele Fans durch die Kneipenmeile am Oberhausener CentrO. Die Spannung ist deutlich spürbar, und als die Hallentüren geöffnet werden kann man schon fast von Herzklopfen reden. Endlich... endlich sind RUSH wieder in Deutschland. Es ist irgendwie ein besonderes Gefühl, bei dem ich glaube es mit vielen Anwesenden zu teilen. Die Band hat sicher nicht nur mir im Laufe der Jahre so viele schöne Momente mit ihrer Musik geschenkt, da ist es etwas ganz Besonderes ihr livehaftig beiwohnen zu dürfen.
Ich kann es schon vorweg nehmen, die Ankündigungen in puncto Spieldauer und Show erwiesen sich nicht als leere Versprechungen, das Konzert dauerte satte 200 Minuten incl. Pause. Gezählt habe ich die Anzahl der Songs nicht, aber wenn es im Filmchen zum Schluss des Auftritts heißt, ob man nach 31 (!) Songs noch immer nicht müde sei wird's wohl so gewesen sein.

Gut, da sitzt man nun etwas seitlich von der Bühne, hat 51,80 € gelöhnt (wahrlich nicht geschenkt, aber man beachte das Preis-/Leistungsverhältnis) und zappelt auf seinem Sitz herum, die Gerstensaftkaltschale will gar nicht so recht munden. Endlich geht pünktlich das Licht aus, und... da sind sie endlich. Geddy Lee, Alex Lifeson, Neil Peart!! Der Sitz- wird zum Stehplatz (exzellente Sicht!!) und RUSH legen erst mal lange instrumental los. Fragt mich nicht nach den genauen Minuten, es mögen derer zehn gewesen, nicht nur meinereiner war ab sofort wie in Trance. Exzellente Lightshow, große PA, tolle optische Spielereien auf der rückwärtigen Leinwand. RUSH als Puppen, RUSH als Comicfiguren, RUSH auf vielen alten Fotos. Und RUSH live vom ersten Ton an mit einer solchen Spielfreude, dass man es kaum glauben mag, dass die das jetzt 3 Stunden lang durchziehen werden.
Und genau das tun sie!! Wer nun glaubt, die Jungs spielen mal eben das letzte Livealbum durch, eventuell garniert mit ein paar Tracks von "Feedback"... geirrt!! Nix da, die Reihenfolge wird mächtig durcheinander gewirbelt, und man bringt einige Tracks mit denen nicht unbedingt zu rechnen war. Oder war selbstverständlich mit Animate (von "Counterparts"), Mystic Rhythms ("Power Windows") oder Between The Wheels ("Grace Under Pressure") zu rechnen?
Man kann es einfach nicht jedem recht machen, der eine ist begeistert von der Aufführung Subdivisons, der andere vermisst Closer To The Heart und Distant Early Warning. Ich hätte mir nach 12 Jahren Abstinenz eine Show mit den "absoluten" Klassikern gewünscht, aber darüber hätte man auch wieder diskutieren können. Aus Sicht der Band ist jedenfalls nachvollziehbar, dass man nicht permanent die gleichen Songs präsentieren will.

Begrüßenswert auch der Umstand, nahezu jedes Album mit mindestens einem Song zu vertreten. Klar, dass "Feedback" mehrfach auftauchte. The Seeker irgendwo mittendrin, ein für ihre Verhältnisse straighter Song, Heart Full Of Soul unplugged (sehr ergreifend gespielt, doch warum nicht die sagenhafte Studioversion?) sowie Summertime Blues und Crossroads im Zugabenteil.
"Vapor Trails" von 2002 war ebenfalls mehrfach vertreten, u.a. mit dem genialen Earthshine.
Klar sind die Backings gesampelt wie so vieles bei RUSH, nur hier stört es eben nicht mal, dass die Jungs bei einigen Passagen gar nicht am Mikro standen, wo doch deutlich hörbar Backvocals vernehmbar waren.

Das Überalbum (selbst für RUSHverhältnisse) "Moving Pictures" "muss" bis heute übermäßig herhalten. Egal ob Tom Sawyer, Red Barchetta, Yyz oder als letzte Zugabe das unvergleichliche Limelight.
Seit "Vapor Trails" scheint sich die Band ein wenig back to the roots zu bewegen, das Publikum machte jedoch bei neuerem Material nicht immer einen solch begeisterten Eindruck wie bei den Tracks aus den 70ern/frühen 80ern. Schade, denn RUSH haben über die Jahre hinweg konstant gute Alben veröffentlicht und diese zu recht auch in ihrem Set auftauchen lassen. Die Band ist auch im hier & jetzt überragend präsent, kleine Schwächen aus ihrer 90er Phase vergessen lassend.
Zugegeben, bei älteren Klassikern wie Spirit Of Radio oder Xanadu schwebt man auf (mindestens) Wolke Sieben und fragt sich ob ein Orgasmus wirklich schöner ist [Hmmm, na ja, nicht so lang wie ein Konzert, aber... Red.,]. Auch nach über 25 Jahren Livekonzerten die wohl bewegensten Momente, welche eine Band bei mir erzeugt hat.

Die "Unplugged"-Welle ist relativ verebbt, da beehren uns RUSH mit ihrem Resist und beweisen, dass Qualität sich (meistens) durchsetzt. Und auch ein Schlagzeugsolo ("gähn") lockt eigentlich keinen mehr hinterm Ofen hervor, doch wenn Neil Peart loslegt, wird einem sehr schnell aufgezeigt was man mit Drums & Percussion alles veranstalten kann ohne dass die Anwesenden einschlafen, pinkeln oder Bier holen gehen. Unterstützt von Filmeinspielungen ein Ohren- und Augenschmaus.
Die Band präsentierte sich in einer solchen Spielfreude, da wirken fast 30 Jahre alte Juwelen wie By-Tor and the Snow Dog oder Working Man nicht wie Zitate aus einer Oldie Show sondern strotzen vor Vitalität.

Ich habe seit vielen Jahren (PINK FLOYD?) nicht mehr so eine perfekt auf die einzelnen Songs abgestimmte Lightshow gesehen. Zu Between The Wheels beispielsweise Zahnräder en masse in leuchtenden Grün- und Pinktönen. Wer CD-Sound hören mag kann das auch daheim, die Köpi-Arena hat mich da noch nie so recht überzeugen können. Trotzdem konnte man auch hier zufrieden sein, live bleibt eben live, und RUSH sind da schon nahezu perfekt.

In die allgemeinen Diskussionen ums liebe (und meist sauer verdiente) Geld möchte ich an dieser Stelle auch eingreifen. 3 € für ein schlecht gezapftes Pils sind definitiv zu viel. An den "hochbezahlten" Arbeitskräften kann es nicht gelegen haben. Bei Stundenlöhnen zwischen 6 und 7 Eurodollars brutto (jaja, die armen Zeitarbeitsfirmen) gehen Ottilie bzw. Otto Normalverbraucher weit über eine halbe Stunde für ein Glas Bier malochen. Klasse, so steigert man die Inlandsnachfrage... Und die nach den T-Shirts? Da dient ein Flightcase als Ladentheke, drei im Abiturientenalter (maximal) wirkende Bedienstete werden der Andrängenden nicht Herr und brüllen was von "Verkaufsabbruch" herum. Sehr professionell. Und wenn man dann nach Ewigkeiten nur noch ein Batik-Shirt zum stolzen Preis von 35 Euronen in Größe "M" bekommen kann (bei 188 cm Körpergröße) ist man in dieser Hinsicht etwas bedient.
So hervorragend das Konzert auch war, die Begleitumstände stimmen bedenklich. Und nicht verwunderlich, dass die Halle eben nicht sold out war. Schade für die Band, aber letztendlich gehen die Veranstaltungen in eine Richtung die mit den Begriffen Absahnerei, Unprofessionalität, Raffgier, Ausbeutung usw. noch immer unzureichend beschrieben ist.

Fazit: Diese Tour hätte mehr Besucher verdient gehabt, und es ist zu bezweifeln, dass RUSH hierzulande noch einmal auftauchen oder jemals wieder eine solche Show auffahren. Eine Sternstunde der Rockmusik, ein weiteres Armutszeugnis in veranstalterischer Hinsicht.

Jürgen Ruland, 25.09.2004

 

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