Kreator

Exodus
Death Angel

Oberhausen, Turbinenhalle, 27.11.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 02.12.2010
Stil: Thrash Metal

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Redakteur(e):

Thomas Dietz


Kreator, Exodus, Death Angel, Suicidal Angels,
Oberhausen, Turbinenhalle, 27.11.2010

KREATOR, EXODUS, DEATH ANGEL! Thrashfest 2010! Was für ein geiles vorweihnachtliches Komplettpaket dem Old School Thrasher hier geschnürt wurde! Drei der größten und einflussreichsten Thrash Metal Bands der Welt zusammen an einem Abend auf einer Bühne. So was bekommt man nicht allzu häufig geboten. Dazu wurden noch die griechischen SUICIDAL ANGELS als Opening Act verpflichtet. Und auch hierbei hätte man sicher schlechter zugreifen können. Dann wollen wir mal…

Vor der Turbinenhalle bilden sich bereits vor dem offiziellen Einlass (der allerdings um 45min. nach hinten verschoben wurde) lange Schlangen mit Thrash-Fans aus ganz Deutschland. Sicher sind auch einige unter ihnen, die noch längere Anfahrtswege für dieses Wahnsinns Package in Kauf genommen haben. Der Einlass geht aber doch relativ flott und problemlos über die Bühne, was bei den Minusgraden schon mal sehr erfreulich ist.

Kaum in der Halle angekommen, werfe ich noch einen kurzen Blick auf das Merch, welches zahlreich von allen Bands vorhanden ist. Dazu gibt’s neben dem Tour-Shirt auch von jeder Band ein individuell gestaltetes Leibchen, bei dem jeder Konzertbesucher sein Datum auf dem Rücken wieder findet. Für mehr als einen kurzen Blick reicht die Zeit aber auch nicht mehr aus, denn die SUICIDAL ANGELS lassen bereits die ersten Gitarrentöne erklingen. Gut, das Wort „erklingen“ ist hier sicher etwas fehlangebracht, denn das Riffgeschreddere der vier Griechen, gleicht eher einer alles niedermähenden Kettensäge. Die Band ist wohl einer der besseren SLAYER-Klone, denn bekannter Weise sind die Jungs weit davon entfernt auch nur im Geringsten eigenständig zu klingen. Das stört die Thrash-Fans aber auch in keiner Weise und so kommt es bereits nach wenigen Minuten zum ersten großen Moshpit des Abends. Dieser zieht sich weitestgehend über die nächste halbe Stunde. Ich persönlich bin, aus oben genanntem Grund, kein großer Fan der Band. Aber als Eröffnungskracher, und gerade an so einem Abend, passt der stupide Rumpel-Thrash doch ganz gut ins Gesamtbild.

Zum Glück wird’s jetzt aber auch direkt „etwas“ anspruchsvoller. DEATH ANGEL heben die Messlatte erst mal um gefühlte 95 Meter an, denn zwischen dem gerade noch runtergehobelten Thrash-Gebolze der SUICIDAL ANGELS und dem technisch virtuosem, unglaublich komplexen High Quality Thrash aus der Bay Area liegen mindestens zwei Welten. Man merkt aber auch sofort, DEATH ANGEL sind nach wie vor nichts für die breite Masse. Der Moshpit köchelt lange Zeit nur auf Sparflamme und auch der Größe der Location ist es wohl geschuldet, dass DEATH ANGEL heute nicht so recht explodieren. Die Band ist in einem kleinen Club nämlich immer unschlagbar. Am heutigen Abend diese große Masse Fans zu erreichen, von denen sich einige auch schon kurz nach Einlass die Lampen ausgeschossen haben, ist aber auch eine unlösbare Aufgabe. Mich stört viel mehr die instrumentale Neubesetzung innerhalb der Band. Nach dem Weggang von Dennis Pepa (Bass) sowie Andy Galeon (Schlagzeug) sind DEATH ANGEL für mich nicht mehr dieselben. Dieses magische Band wurde durchbrochen. Somit bleiben also nur noch 60% DEATH ANGEL übrig, die reichen allerdings immer noch locker aus, um so ziemlich jede Thrash Band in die Tasche zu stecken. Die beiden Neuzugänge machen ihren Job auch alles andere als schlecht, nur kommen sie eben nicht an die Original-Protagonisten heran. Wirklich schade, denn früher waren DEATH ANGEL neben OVERKILL, einer der unglaublichsten Live-Acts überhaupt. Aber ich will nicht zu viel meckern. Die Kalifornier zählen auch in dieser Form zur absoluten Speerspitze der Thrash-Szene und bieten einen fulminanten Auftritt. Marc springt und wuselt wie gewohnt über die Bühne, Rob spielt sich wie immer den Arsch ab und Ted glänzt durch bescheidene Zurückhaltung. Alles (fast) wie immer also. Geiler Auftritt, Jungs!

So, an dieser Stelle müsste man eigentlich erst mal inne halten und das gerade erlebte verdauen. Dazu ist allerdings nach dem Gang zur Toilette schon gar keine Zeit mehr, denn EXODUS stehen schon in den Startlöchern. Und los geht’s! Um es direkt vorweg zu nehmen, EXODUS liegen im direkten Vergleich mit ihren Buddys aus der Bay Area deutlich hinten. Zuviel neues Material, das gerade für die Live-Umsetzung nicht gemacht ist. Was die Jungs an technischen Raffinessen zeigen ist wahrlich großes Kino. Speziell das Gitarren-Duo Holt/Altus ist natürlich Aushängeschild und Qualitätsgarant. Aber Thrash Metal mit Songs jenseits der sieben Minuten Marke, würde ich dann doch lieber von METALLICA hören. Die letzte EXODUS Platte ist nämlich vor allem eins, langatmig! Von dem her bin ich heute für jeden knackigen Klassiker dankbar, der gespielt wird. Davon gibt’s dann aber im Verlauf des Sets auch noch genügend. EXODUS zählen nach wie vor zur feinsten Auslese des Thrash Metals. Allerdings sollte die nächste Scheibe etwas mehr straight in die Fresse sein, damit auch die Live-Präsenz nicht unter diesem verschulten Thrash-Geriffe leidet. Dennoch, auch für diesen Auftritt, müsste man fast schon zu den Bestnoten greifen. An einem solchen Abend, muss es aber erlaubt sein, auf hohem Niveau zu meckern, schließlich bekommt man heute nur die Creme de la Creme des Thrash serviert.

Und damit nicht genug, denn nun folgen ja auch noch KREATOR, die an diesem Abend ihr Tour-Heimspiel absolvieren. Tja, was soll ich sagen. Ich kann mich nur der Meinung, der größten deutschen Metal-Fachpostille anschließen. KREATOR sind inzwischen ganz klar die beste Thrash Metal Band Europas. Und das sage ich, als riesen SODOM Fan! Die Show ist perfekt. Die Einspielungen auf der Videoleinwand unterstreichen zu jeder Zeit die Songs auch visuell perfekt und verstärken damit häufig noch die Intensität. Mille ist in der Topform seines Lebens und beißt sich gleichermaßen beeindruckend durch Uralt-Klassiker sowie den Stücken vom neuen Album. Die Band kann spielen was sie will, jeder Song ist ein Volltreffer. Thrash Metal at it’s best! Hut ab! Und auf Mille’s inzwischen obligatorische Frage: “Seid ihr bereit, Euch gegenseitig umzubringen?“, folgt ein riesiger Moshpit, der sich bis in die äußersten Randbereiche der Halle zieht. Wer hier noch was zu meckern hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Basta. Nach fast fünf Stunden Thrash Metal Vollbedienung, ist man aber auch froh, seinen Nackenwirbeln mal wieder eine Auszeit gönnen zu können. Das Thrashfest kann also als voller Erfolg verbucht werden! Ich freu mich schon gewaltig auf die bald anstehende Killfest-Tour. Da darf dann die Konkurrenz von OVERKILL, DESTRUCTION und HEATHEN zeigen was sie so drauf hat. Das nächste große Thrash Highlight steht also schon bevor! In diesem Sinne, bang that head that doesn’t bang! Man sieht sich!

Thomas Dietz, 27.11.2010

 

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