Ozzy Osbourne

Rockbuch Verlag

F***ing Mad

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2003
Verlag: Rockbuch Verlag

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Rockbuch Verlag
Ozzy Osbourne - F***ing Mad, Rockbuch Verlag, 2003 (Second Edition)
Verfasser: Carol Clerk
ISBN: 3-927638-14-5
Umfang: 144 Seiten
Preis: 19,80 Euro

Man kann jetzt darüber diskutieren, warum dieses Buch von MTV initiiert wurde: Wollte man den Kult um die hauseigene Skurril-Doku-Soap "The Osbournes" ausnutzen um noch ein bißchen Kohle abzuschöpfen, oder wollte man den ganzen heutigen MTV-Kids zeigen, dass es im Leben des Ozzy noch andere Zeiten, vor der etwas zweifelhaften Karriere als scheinbar abgewracktes Rockfossil, gab? Sei es drum, man merkt dem Werk in jedem Falle an, dass es für den amerikanischen Markt konzipiert wurde: DIN A 4-Format, kein Hardcover, flüssig-lockerer, sehr anekdotenreicher Text und viele Fotos.
Aufgebaut ist das Buch chronologisch, die jeweiligen Alben von BLACK SABBATH (bis zum endgültigen Ausstieg von Ozzy nach "Never Say Die!") und Ozzy dienen als Kapitelüberschriften, eingeleitet von aktuellen Musikerzitaten (Marilyn Manson, Billy Corgan, Kurt Cobain, Fred Durst u.a.) zu BLACK SABBATH und Ozzy, wobei dann in den Kapiteln immer auf die herausragenden Songs des jeweiligen Albums eingegangen wird.

Beleuchtet wird zunächst die Kindheit und Jugend des im tristen Birmingham aufgewachsenen John Michael Osbourne und die ersten musikalischen Gehversuche, die in der Band EARTH, aus der dann BLACK SABBATH wurde, mündeten. Zitat Ozzy: "Die Musik hat mich davor bewahrt, ein Berufsverbrecher zu werden."
Dem Debut "Black Sabbath" ("Mein Alter pflegte zu sagen: Die Leute brauchen einfach eine Melodie, damit sie was zu singen haben, wenn sie mit ein paar Gläsern Newcastle Brown in der Birne an der kalten Bushaltestelle stehen"), die die charakteristischen düster-massiven Riffs in so noch nicht gehörter Form etablierte ("Tony Iommi ist bis zum heutigen Tage einer der größten Neuerer auf dem Gebiet der Heavy Metal-Gitarre - und das ist keine Kleinigkeit, wenn man sich mal vor Augen hält, dass er sich die Kuppen von Mittel- und Ringfinger an einer Maschine abgeschnitten hat.") folgte "Paranoid".
Eigentlich sollte diese Scheibe nach dem Eröffnungssong "War Pigs" heißen, was aber von der Plattenfirma aus Furcht vor amerikanischen Empfindlichkeiten in Bezug auf den Vietnam-Krieg abgelehnt wurde. Der Titelsong, der quasi zum Trademark von BLACK SABBATH wurde, war ein regelrechter Schnellschuss. "Rodger Bain (der Produzent) meinte: Wir brauchen noch drei oder vier Minuten Musik für das Album. Also kam Tony mit einem Riff, ich mit einer Melodie, Geezer schrieb den Text, und nach zehn Minuten war alles fertig. Geezer wusste nicht mal, was 'paranoid' bedeutet. Aber die Leute nannten ihn immer so, deshalb nahm er es als Titel."

Mit dem großartigen "Master Of Reality" begannen sich allmählich die "Schwarze-Magie-Vorwürfe" die der Band anhafteten, zu verselbständigen. Gezzer Butler: "Die ganze Satanismus-Geschichte war eine große Überraschung für uns, als wir nach Amerika kamen. Die Leute in England scheren sich nicht um so was; es ist schwer, bei uns jemand mit dem Kram zu schocken. Wenn wir Katzen und Hunde abgemurkst hätten, wäre natürlich halb England auf die Barrikaden gegangen, aber mit Satan wird man bloß ausgelacht."
Nachdem auch bei der nächsten Scheibe die Plattenfirma den Titel "Snowblind" wegen dessen Drogenverherrlichung nicht akzeptiert, wurde "Vol. 4" daraus und für "Sabbath Bloody Sabbath" nutzte die Band ein walisisches Schloss zur Inspiration für die Aufnahmen. Zum Titelstück sagte Tony Iommi: "Ich fing einfach mit dem Riff an und dann wachten sie auf und es funktionierte." Ozzy: "Das Titelstück hatte mit dem Wort 'Gott' und seiner Umkehrung zu tun. Statt 'God bless you all' war es 'Bog blast all of you'. Den Text hat Geezer Butler geschrieben, und er war total bekifft. Muss er gewesen sein."
Zu "Sabotage" bemerkte Tony Iommi: "Die Zeit mit 'Sabotage' war schrecklich, weil wir verdammte Prozesse laufen hatten, während wir im Studio hockten. Wir bekamen ständig Vorladungen und so Zeug. Deshalb heißt auch ein Song The Writ.
Nach "Technical Ecstasy" folgte ein kurzzeitiger Ausstieg Ozzys und nach "Never Say Die" war endgültig Schluss mit Ozzy bei BLACK SABBATH.

Nachdem Ozzy zunächst erst mal am Ende war, auch körperlich durch jahrelanges Saufen und Drogenkonsum, kehrte sich sein Leben mit "Blizzard Of Oz" in eine positive Richtung: privat durch Sharon Arden, die gleich noch die Nachricht mitbrachte, dass die Managementfirma ihres Vaters Don Arden und dessen Label Jet Records Ozzy an Stelle von BLACK SABBATH übernehmen wollte und musikalisch das Zusammentreffen mit Gitarrist Randy Rhoads. Gleichzeitig brachen mit der gerichtlichen Auseinandersetzung um den Song Suicide Solution, der einen Teenager in Amerika zum Selbstmord bewogen haben soll, unruhige Zeiten an. Die Klage wurde abgewiesen.
Aber auch bei "Diary Of A Madman" gab es Schlagzeilen ohne Ende um Weirdo Ozzy. Berüchtigt vor allem sein Auftritt bei der Plattenfirma Epic, als er einer Taube den Kopf abbiss und natürlich die legendäre Sache mit der Fledermaus.
"Bark At The Moon" wurde überschattet vom Tod von Randy Rhoads, was das Besetzungskarussel an der Gitarre in Schwung brachte: Brad Gillis (es-NIGHT RANGER) wurde bald abgelöst von Jake E.Lee (ex-RATT) was doch einen erheblichen musikalischen Substanzverlust zu den Zeiten mit Rhoads bedeutete. Außerdem tötete ein gewisser James Jollimore am Silvestertag 1983 drei Leute, da ihn bei Bark At The Moon so ein seltsames Gefühl beschlichen hätte. Auch hier wurde zu Gunsten Ozzys entschieden. Ozzy dazu: "Dafür kann ich nichts. Diese Leute flippen sowieso aus, und sie brauchen ein Vehikel für ihr Ausflippen". Und später: "Ich kann nicht einmal furzen, ohne dass irgendwelche Leute sagen, ihre Katze wäre deswegen ins Feuer gesprungen. Ich war bei so einer Talkshow in Amerika, und sie sagten, wegen meiner Musik würden Kids zu Satanisten und der ganze Mist. Eine der verrücktesten Nächte des Jahres in Amerika ist Halloween, wo sich alle als Freaks und Monster und was weiß ich verkleiden. Aber wenn ich es jeden Abend auf der Bühne mache, nennen sie mich den Anti-Christ. Guckt Euch mal diese MADONNA-Video mit den brennenden Kreuzen an (Like A Prayer) - wenn ich das machen würde, würden sie mir den Arsch an ein verdammtes Kreuz nageln."

Nach dem mäßigen "The Ultimate Sin" folgten mit "No Rest For The Wicked" und dem neuen Gitarrist Zakk Wylde wieder produktivere Tage, mit "No More Tears" folgte ein durchschlagender Erfolg in Amerika. Aber auch der Versuch des heftig zugedröhnten Ozzy, seine Frau Sharon umzubringen. Besser wurde es mit Ozzy erst, als die Entziehungsversuche endlich Erfolg zeigten. Ozzy: "Es war schrecklich traurig, dass so viele Stars nur aus Dämlichkeit starben. Ich bin auch nicht besser als John Bonham oder Keith Moon, ich hab nur mehr Glück gehabt."
Nach "Ozzmosis" wurde Zakk Wylde durch den Rhoads-Schüler Joe Holmes an der Gitarre ersetz, während BLACK SABBATH-Urgestein Geezer Butler für Bob Daisley wieder den Bass bediente. Mit "Down To Earth", dem Chartbreaker Dreamer und dem globalen Start von "The Osbournes" wurde Ozzy nicht nur weltweit populär und zum regelrechten Kult, sondern geradezu gesellschaftsfähig. So spielte er sogar zum 50jährigen Jubiläum der Thronbesteigung von Elzabeth II. im Garten des Buckingham Palst den Song Paranoid. Ozzy dazu: "Prinz William meinte danach: Es wäre schön gewesen, wenn sie Black Sabbath gespielt hätten. Hätte ich wirklich Black Sabbath gespielt, wäre die ganze verdammte königliche Loge zu Stein erstarrt, und der Erzbischof von Canterbury hätte sie mit Weihwasser wieder zum Leben erwecken müssen..."

So, jetzt ist das hier fast eine Ozzy-Historie geworden, obwohl die ja erst unser Gastschreiber Jürgen Ruland so kompetent abgeliefert hat. Es sollte nur illustrieren, dass es sich hier um ein sehr unterhaltsames Werk handelt, das vor allem durch viele Originaltöne, Anekdoten und tolle Bilder besticht. Und gerade Ozzys Lebensgeschichte gibt durchaus auch hinreichend Gelegenheit über den Umgang mit Drogen, auch legalisierten wie dem Alkohol, nachzudenken.
Für alle Freunde der Rockmusik, für Ozzy-Fans sowieso, und für alle, die nur "The Osbournes" kennen erst recht - ein Muss und ein schönes Geschenk für die Festtage.

Ralf Stierlen, 20.11.2004

 

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