Ozzy Osbourne

God Bless Ozzy Osbourne


DVD-Review

Reviewdatum: 10.12.2011
Jahr: 2011
Stil: Heavy Metal

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Ozzy Osbourne
God Bless Ozzy Osbourne, Eagle Vision, 2011
Ozzy Osbourne
Sharon Osbourne
Guest Appearances:
Kelly Osbourne
Jack Osbourne
Tony Iommi
Geezer Butler
Bill Ward
Rudy Sarzo
Zakk Wylde
Randy Rhoads
und mehr
Produziert von: Jack Osbourne and Marc Weingarten Länge: ca. 135 Min 00 Sek Medium: DVD
Chapters:
01. The Beginning05. A New Flame
02. The Sabbath Years06. Dark Days
03. Ozzy's First Family07. The Road
04. From The Ashes
Bonus Features:
Q&A with Ozzy and Jack
Deleted Scenes
Tribeca Film Festival

Warum Gott nun ausgerechnet Ozzy Osbourne segnen sollte, ist mir nicht ganz klar. Nur weil einer lebenslang ein vom Vater geschmiedetes Kreuz um den Hals baumeln hat, und ein paar Viechern die Rübe abgekaut, scheint mir das noch nicht ausreichend qualifiziert. Andererseits könnte es natürlich sein, dass Gott diesen Ozzy Osbourne längst gesegnet hat, denn - so meinen Viele - sonst dürfte der schon längst nicht mehr am Leben sein.
So oder so, mit diesem Film kann mich sich diesem Phänomen - und nichts anderes ist der Mann - etwas genauer nähern, ohne zu tief im Dreck zu wühlen. Die "Makers" von "God Bless Ozzy Osbourne" haben angeblich zwei Jahre mit dem Sänger "on the road" verbracht und, ebenso angeblich, die Meisten haben es überlebt.
Das ist heutzutage keine so große Auszeichnung mehr, denn Ozzy ist ziemlich trocken und clean und schlurft zwischen Heimtrainer und blubbernden Gesangsübungen hin und her. Der Madman des Rock'n'Roll ist ziemlich brav geworden.
Dass es mal anders war, davon kriegt man hier ein paar Einblicke. Schon recht bald wird einem das Gefängnis, Winston Green Prison, präsentiert, in dem John Michael Osbourne frühzeitig 6 Wochen verbracht hat. Soviel zu "In The Beginning". Ein paar mehr Infos gibt’s natürlich und somit auch, wie seine Band, BLACK SABBATH entstand und warum das so kommen musste. Das Leben als Fabrikarbeiter war definitiv nichts für Ozzy.

Trotzdem die Filmschnipsel immer zwischen relativer Gegenwart - Ozzys Interviews und Kommentare und die seiner Weggefährten - und den Erzählungen über die damalige Zeit, mit entsprechenden Bildern und Filmen versehen, wechselt, bekommt die DVD doch nie einen hektischen Charakter. Das liegt natürlich auch an der schleppenden, nuschelnden Art zu sprechen und einer dazu passenden Art sich fortzubewegen.
Mit Sicherheit ein Verdienst seine Sohnes Jack, der die Oberaufsicht bei diesem Projekt führte. Und natürlich liegt der Fokus auf Ozzy Osbourne. So halten sich die Mitschnitte aus der Zeit von BLACK SABBATH in Grenzen, aber sind durch die Bank interessant. Zum Beispiel der vom 'California Jam' oder - noch weit mehr - der Auftritt bei "Top Of The Pops" 1979, als die einstmaligen Schock-Rocker in einem Atemzug mit John Travolta und Olivia Newton-John genannt werden. Die Präsentation von Never Say Die finde ich trotzdem gelungen, obwohl Ozzy keine guten Worte für das zugehörige Album findet.
Lobende Worte finden sich durch die Bank von Kollegen wie John Frusicante, Henry Rollins und, ja, selbst Sir Paul McCartney, der einem nochmal in Erinnerung bringt, welche Ausnahmestellung die Band damals hatte.

Zu welchen Aus-Fällen Ozzy in seiner Solokarriere fähig war, kann man sich von MÖTLEY CRÜEs Tommy Lee genauer erzählen lassen. Wohl mit ein Grund, warum die DVD erst ab 12 Jahren zugänglich ist.
Es wird nicht ganz deutlich, wie wichtig seine zweite Frau, Sharon, für den Neustart und die weitere Karriere von Ozzy war, aber es klingt hier und da schon durch und die häufige Moderation von Sharon ist schon auffällig. Das Schöne ist, dass Ozzy praktisch mit nichts hinter dem Berg hält - ob Meinungen zu Tampons oder Viagra. Wer Ozzy will, der bekommt Ozzy und wer ihn fragt, der bekommt die entsprechende Antwort. Oder auch nicht, denn wenn es Ozzy zu blöd wird, verlässt er das Zimmer auch schon mal. Dass er Sharon Osbourne einmal fast zu Tode gewürgt hat, betrübt ihn immer noch, auch wenn die Erinnerung daran eher trübe ist. Sharon erinnert sich naturgemäß genauer ...
Woran sich Ozzy wiederum gut erinnert, ist das Zusammentreffen und die kurze Zeit mit dem Gitarristen Randy Rhoads. Entsprechend klingt auch der Song Crazy Train ein paar Mal an.
Die Zeit reicht natürlich nicht, um alles Phasen gebührend zu würdigen. Ich hätte gern mehr und von Zakk Wylde gesehen und mancher dafür mehr aus der Fernsehserie "The Osbournes". Die Erklärung von Sohn Jack, dass Vieles gar nicht gesendet werden konnte, weil nicht zumutbar, spricht Bände.
Im Großen und Ganzen erlebt man Ozzy als mehr oder weniger Debilen, der kaum was anderes im Kopf hat, als sich und seine Fans glücklich zu machen. Wie sehr ihn Fans und Musiker dafür schätzen, spürt und hört man. Dass Familienmitglieder dabei zu wenig Beachtung fanden, ist so traurig wie unumkehrbar.
Der einfache Geist des Sängers spiegelt sich wahrscheinlich am deutlichsten bei der relativ aktuellen Rundfahrt durch seine Heimatstadt Birmingham, sowie u.a. in der Begeisterung für einen elektrisch ausfahrbaren Fernseher unter seinem Bett.
Die Zeit vergeht wie im Flug und ein Teil der Rockgeschichte wird einem unterhaltsam präsentiert. Wenn auch nicht immer appetitlich.
Richtig böse kann man dem immer noch kindlich - nicht kindisch! - agierenden Sänger nicht sein, trotz mancher Exzesse, und so schließe ich mich letztlich doch dem Titel der DVD an:
"God Bless Ozzy Osbourne".

Epi Schmidt, 09.12.2011

 

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